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Groß-Razzia gegen kriminelle Clans in NRW – Nutzer kritisieren geringe Zahl von Festnahmen: Hört auf zu jammern!

Groß-Razzia gegen kriminelle Mitglieder von sogenannten Libanesen-Clans in NRW.
Groß-Razzia gegen kriminelle Mitglieder von sogenannten Libanesen-Clans in NRW.
Foto: dpa
  • Groß-Razzia gegen kriminelle Clans in NRW
  • Manchen ist die Bilanz zu dürftig - das ist kleinkariert
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Essen. Am Samstag startete die größte Razzia gegen Clan-Kriminalität in der Geschichte Nordrhein-Westfalens: Die Behörden handeln entschlossen - endlich.

Doch manche fragen nur nach Zahlen. Das ist kleinkariert.

In den sozialen Medien meckern viele über die großangelegte Razzia gegen kriminelle Mitglieder arabischer Clans: 1300 Polizisten waren im Ruhrgebiet im Einsatz - Festnahmen gab es aber wenige.

Razzia gegen arabische Clans in NRW: ein klares Statement

„Ein großer Schlag gegen die Bandenkriminalität! 1300 Beamte im Einsatz, 1 Festnahme. Und Shisha-Bars wegen zu hoher Kohlenmonoxidwerte geschlossen. Die gute Nachricht: Unsere Polizei bleibt beschäftigt!“, schreibt etwa ein Nutzer unter dem Hashtag #Bullshit.

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Und ein anderer findet: „Gibt nix lächerlicheres als euer NullToleranz. Morgen wieder alles wie gehabt und Marxloh, Hochfeld, Bermuda Dreieck etc. sind dann wieder für euch Sperrgebiet.“

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Es geht nicht darum, dass die Polizei an einem Tag möglichst viele Menschen festnimmt und sämtliche Probleme löst. Die Sicherheitsbehörden sprechen schon lange von einer „Politik der 1000 Nadelstiche“ beim Kampf gegen kriminelle Mitglieder von sogenannten Libanesen-Clans. Eine derart große Razzia ist ein klares Statement an die Chefs der kriminellen Clan-Banden, die mit Machogehabe ihre Straftaten feiern: Die Straße gehört nicht euch! Wir zeigen Präsenz! Wir zermürben euch!

Razzia gegen Clans: Vorsicht vor Aktionismus

Die schlechte Seite: Ja, die Ansagen der Sicherheitsbehörden und aus dem NRW-Innenministerium klingen bisweilen arg martialisch. Und ja, ein Hauch von Aktionismus hängt den Razzia-Aktionen gegen die Clans dadurch auch an.

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Die gute Seite: Es steckt weit mehr als Sprücheklopferei dahinter. Die Entschlossenheit ist offenbar groß: Die Behörden wollen kriminelle Mitglieder von arabischen Clans in Essen, Duisburg und Gelsenkirchen das Fürchten lehren, sie immer wieder empfindlich stören.

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Erst vor wenigen Tagen verkündeten NRW-Justizminister Peter Biesenbach, Essens Polizeipräsident Frank Richter und Oberstaatsanwalt Walther Müggenburg in Essen: Nach dem Modell von Duisburg werden künftig auch in Essen zwei Staatsanwälte ausschließlich kriminelle Familienclans bekämpfen.

Wichtig ist jetzt, dass die Sicherheitsbehörden ihre eigenen Vorgaben im Auge behalten: Neben der harten Repressionspolitik soll es vor allem auch Perspektivangebote für all diejenigen geben, die mit den kriminellen Machenschaften einiger Mitglieder der Libanesen-Clans nichts zu tun haben wollen.

Ursachen der Clan-Kriminalität beseitigen

Es gibt Ursachen für die Kriminalität arabischer Clans, die müssen beseitigt werden. Nicht wenige der libanesischen Familien im Ruhrgebiet haben nur einen Duldungsstatus, seit Generationen.

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Ihnen müssen endlich Perspektiven eröffnet werden.

Das Projekt der Behörden ist auf Jahre ausgelegt. Von heute auf morgen wird nicht die gesamte organisierte Kriminalität verschwinden. Aber es passiert etwas. Endlich. Und das ist gut.

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Clankriminalität in NRW

  • Wer steckt hinter den Clans?
  • In Nordrhein-Westfalen bekämpft die Polizei kriminelle Mitglieder aus Dutzenden Familien. „Aktuell ist von der Existenz von etwa 50 Clanfamilien in NRW auszugehen, aus denen heraus vermehrt Straftaten begangen werden“, so Frank Scheulen vom Landeskriminalamt (LKA) gegenüber DER WESTEN. Diese Anzahl beziehe sich auf Personen mit einem türkisch-arabischen Migrationshintergrund.
  • Unter Clankriminalität versteht das LKA strafbare Handlungen, bei denen die Täter ihre familiäre oder ethnische Herkunft bewusst und aktiv einbeziehen: Etwa, indem die Aufklärung von Taten durch Stillhaltemechanismen innerhalb von Familienverbänden behindert wird.
  • Verdeckte Ermittler können die Behörden kaum einsetzen, denn wer bei den Clans mitmischen will, muss zur Familie gehören: Man wird gewissermaßen in den Clan hineingeboren.
  • Die Ermittler verfolgen deshalb eine andere Strategie: Sie beobachten und sammeln gezielt Informationen, bis sie nach und nach Strukturen erkennen und durchbrechen können; so der Plan.
  • Wer sind die Mitglieder der Araber-Clans?
  • Wenn die Rede von kriminellen Araber-Clans ist, sind meist Mitglieder von Großfamilien mit türkisch-arabischen Wurzeln gemeint. In Deutschland gehören nach Schätzungen des Bundeskriminalamts (BKA) rund 200.0000 Menschen zu solchen Großfamilien.
  • Die meisten von ihnen sind nicht kriminell. Manche aber haben sich zu mafiösen Gruppierungen zusammengeschlossen, nutzen familiäre Strukturen für kriminelle Geschäfte.
  • Sie leben häufig in einer abgeschottenen Parallelwelt, erkennen staatliche Strukturen nicht an. Straftaten werden zu internen Probleme erklärt, die innerhalb der Familien von sogenannten Friedensrichtern geregelt werden.
  • Womit machen die Clans ihr Geld?
  • Die Mitglieder der arabischen Clans sind gut darin, ihre kriminellen Machenschaften zu verdecken. Klar ist: Die kriminellen Araber-Clans sind in vielen Feldern aktiv: Drogenhandel, Schutzgelderpressung, Diebstahl.
  • Haupteinnahmequelle: Bertrügereien durch Urkundenfälschung und Steuerhinterziehung. Die Machenschaften der Clans seien deshalb auch wirtschaftlich ein Problem, so Justizminister Peter Biesenbach: Jährlich schleusen die Banden große Summen Schwarzgeld am Staat vorbei.
  • „Die phänomenologischen Schwerpunktsetzungen im Kontext der Clanfamilien orientieren sich weniger an einzelnen etablierten Kriminalitätsfelder als an kriminellen Märkten, die besonders lukrativ sind und dabei gut durch große, gleichwohl gut abgeschottete Personenstrukturen besetzt werden können“, heißt es beim Landeskriminalamt. Sprich: Die kriminellen Mitglieder von Libanesen-Clans streuen ihre Aktivitäten breit, suchen sich gezielt Märkte, in denen möglichst viel Geld zu machen ist.
 
 

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