Raucher Friedhelm Adolfs feiert Erfolg vor Gericht

Nach dem Teilerfolg vor dem Landgericht in Düsseldorf erst mal eine rauchen: Friedhelm Adolfs.
Nach dem Teilerfolg vor dem Landgericht in Düsseldorf erst mal eine rauchen: Friedhelm Adolfs.
Foto: dpa
Seit einem Jahr muss der Düsseldorfer Rentner um seine Bleibe bangen, weil seine Vermieterin ihm wegen des Rauchens kündigte. Das Landgericht, die zweite Instanz, hält die Kündigung jedoch für unwirksam. Ein Urteil soll am 13. März verkündet werden. Ein Formfehler könnte den Ausschlag geben.

Düsseldorf. Friedhelm Adolfs ist kein Mann der Worte. Obwohl er fast schon ein Medienprofi ist. Aber das Strahlen auf seinem Gesicht sagt ohnehin alles. Das hat sich dort breit gemacht, seit der Richter erklärte, dass die Kündigung des 75-Jährigen aus seiner Wohnung wohl unwirksam ist. Das ist zwar nur eine vorläufige Einschätzung, aber fast ein Sieg.

Seit einem Jahr muss der Rentner um seine Bleibe bangen. Da flatterte ihm die Kündigung in seine Düsseldorfer Souterrainwohnung. Seine Vermieterin warf ihm vor, der Rauch seiner Zigaretten führe im Treppenhaus zu einer unzumutbaren Belästigung und Gesundheitsgefährdung der Nachbarn. Seit dem Tod seiner Frau lüfte er nicht mehr richtig, sodass der Qualm ins Treppenhaus ziehe. Da er auf Abmahnungen nicht reagiere, müsse er ausziehen.

Rentner bekam deutschlandweite Aufmerksamkeit

Adolfs wohnt seit 40 Jahren auf seinen 42 Quadratmetern, war lange Hausmeister des Hauses, zahlt 250 Euro Kaltmiete. Solche Bedingungen, so fürchtet er, findet er in Düsseldorf nicht wieder. Er glaubt, die Vermieterin will seine Wohnung in ein Büro verwandeln, aus finanziellen Interessen.

Gegen die fristlose Kündigung war er vor Gericht gezogen. Und bekam deutschlandweit Aufmerksamkeit. Raucher fürchteten, hier werde einem Mieter das Rauchen in der eigenen Wohnung verboten.

Friedhelm Adolfs nahm sich einen neuen Anwalt

Das Amtsgericht hielt die Kündigung für rechtens. Die Einstellung zum Rauchen habe sich geändert, die Gesundheit der Nachbarn sei ein höheres Gut als die Interessen des Rentners. Seine Anwältin habe die Unzumutbarkeit und Gesundheitsgefährdung durch den Qualm nicht bestritten. Damit sei das ja „unstreitig“, so der Richter.

Für die nächste Instanz nahm sich Adolfs einen neuen Anwalt: Martin Lauppe-Assmann warf sich für den 75-Jährigen in die Bresche: Der Verlust der Wohnung sei für Adolfs existenzgefährdend.

Mit neuen Bekannten zog er auf Raucherdemos

Die Medien griffen den Fall auf. Man brachte Adolfs zu Herbert Napp, dem Neusser Bürgermeister, der in seinem Büro rauchen wollte. Adolfs bekam Entlüfter geschenkt. Fand neue Bekannte, mit denen er auf Raucherdemos zog. Viele waren gestern im Gericht dabei.

Und erlebten die Wendung mit: Der Vorsitzende Richter Ralf Wernscheid spielte mehrere Argumente durch. Viele sprechen für Adolfs: Rauchen in der eigenen Wohnung sei erlaubt. In Adolfs Fall sei die Gesundheitsgefährdung durch Rauch im Treppenhaus nicht belegt. Er verdünne sich ja nach oben, sei dann höchstens Belästigung. Adolfs habe bestritten, dass er zu wenig lüfte. Und wenn eine Abdichtung der Wohnungstür Qualm im Flur verhindere, sei eine Kündigung nicht verhältnismäßig.

Vermieterin sprach Kündigung zu spät aus

Doch all das sei nicht entscheidend. Denn die Vermieterin habe viel zu spät ihre Kündigung ausgesprochen, nachdem sie von dem Problem erfahren habe. Ein Jahr liege zwischen Abmahnung und Kündigung. Höchstens sechs Monate seien angemessen, besser nur sechs Wochen.

Die Anwältinnen der Vermieterin reagierten überrascht. Dieses Thema habe bisher keine Rolle gespielt. Sie erhielten eine Frist, um auf dieses Argument zu antworten. Das Gericht will dann sein Urteil am 13. März verkünden.

Schulterklopfen von Raucherfreunden

Adolfs verließ das Gericht fröhlich: „Ich bin sehr zufrieden.“ Freunde von der Raucherlobby klopften ihm auf die Schulter. Adolfs gab noch eine Pressekonferenz in einer Kneipe. Berichtete von den Entlüftern und dass er seine Tür abgedichtet habe. Aber auf lange Frist ist er skeptisch: Die Vermieterin werde keine Ruhe geben.

 
 

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