Prächtige Stimmung, aber wenige Zuschauer

Im Ruhrgebiet..  Das Paddel haben sie aus dem Kanusport übernommen, den Ball aus dem Handball und die Rammstöße aus der Piraterie: Fertig ist Kanupolo. Es hat etwas von Schiffeversenken mit Schiedsrichter, aber am Ende zählen doch wieder nur die Tore. „Relativ viel Action und Körperkontakt“, sagt Jonathan Thomas aus Mülheim über seinen Sport: „Aber man landet eigentlich immer weich. Immer im Wasser.“

Man ahnt es schon: Kanupolo ist spektakulär – erstaunlich, was für Bälle man mit dem Paddel in der Luft abwehren kann! Gerade tuckert die „MS Heisingen“ vorbei und staunt. Aber eigentlich ist es schade, dass auf der Tribüne nicht mehr Leute zuschauen. Kostet doch auch nichts. „Ruhr -Games“, die Spiele für Jugendliche aus dem Ruhrgebiet und dem Ausland, die Tage zwei und drei. Fünf Städte, 5000 Sportler – und wenige Zuschauer. Freitag kursiert eine Zahl namens „18 000“: Das wird nichts mehr mit der Viertelmillion, die der Regionalverband Ruhr (RVR) ansteuern wollte.

Jürgen Fischer hat andere Eindrücke, er ist einer der Organisatoren beim RVR und den ganzen Freitag unterwegs von Stadion zu Bühne zu Jugendcamp: Gladbeck, Bottrop, Essen . . . „Wir haben eine relaxte Stimmung, wir haben keine Aggressionen“, sagt er, räumt aber auch ein: „Das Rahmenprogramm ist nicht überall gleich stark.“ Freilich gebe es viel Lob von den Verbänden, „dass wir ihren Sport dahin bringen, wo die Leute sind und dass die Szenen sich treffen.“

Bottrop zum Beispiel, BMX: „Die Szene in meiner Heimatstadt Datteln ist überschaubar. Ich glaube, da gibt es nur mich,“ sagt Nico Bergmann (19): „Hier hab’ ich mir die Konkurrenz angeguckt – da sind ein paar richtig gute Jungs dabei.“ Und Gustav Christensen hat im Tanz-Training schon „ein paar neue Schritte gelernt. Die kann ich gut in meiner Disco nutzen.“

Die Disco steht in Dänemark, denn Gustav ist einer von rund 350 Teilnehmern, die auf dem internationalen Jugendcampus in Gladbeck zusammenkommen. Israelis und Iren, Slowaken, Finnen, Deutsche, die miteinander reden, abhängen, Sport treiben. Die Stimmung ist prächtig, „wir haben hier neue Freunde getroffen“, sagt ein Mädchen, und eine 16-jährige Irin hebt für etwaige neue „Ruhr Games“ bereits jetzt den Daumen.

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