Polizei ermittelt nach A57-Massenunfall wegen fahrlässiger Tötung

Die Autobahn 57 bleibt nach der Massenkarambolage vorerst gesperrt. Bis der Verkehr wieder so läuft wie vor dem Unfall, könnte es nach Einschätzung des Landesbetriebs anderthalb Jahre dauern. Der Unfall war durch eine Rauchwolke entstanden. Die Polizei vermutet Brandstiftung und ermittelt unter anderem wegen fahrlässiger Tötung.

Dormagen. Nach der Massenkarambolage auf der A 57 in der Nacht zu Dienstag bleibt die Autobahn vorerstgesperrt. Die Autofahrer in der Region müssen sich auf Beeinträchtigungen einstellen, denn die Strecke ist eine der wichtigsten Pendlerautobahnen in NRW. Täglich nutzen etwa 70.000 Fahrzeuge den Abschnitt. Nach Angaben des Landesbetriebs Straßenbau NRW bleibt die Autobahn auch in den kommenden Tagen noch gesperrt.

Laut Polizei hätten sich die Staus bis dato in Grenzen gehalten: Nur auf der A61 bei Mönchengladbach gab es am Mittwochmorgen acht Kilometer Stau in Richtung Venlo. "Das zeigt uns, dass viele Autofahrer, die von Köln kommend in Richtung Niederlande unterwegs sind, auf diese Strecke ausweichen", hieß es in der Leitstelle der Autobahnpolizei Düsseldorf. Auf dem Verkehrportal Autobahn.nrw war am Morgen zähfließender bis "dichter" Verkehr an einigen der empfohlenen Umleitungsstellen zu sehen, größere Staus aber nicht.

Die Polizei Düsseldorf gibt Umleitungsempfehlungen heraus.

  • Für die A57 aus Süden kommend: ab dem Autobahnkreuz Köln-Nord auf die A1, dann auf die A3 wechseln, anschließend auf die A46 und dann wieder am Autobahnkreuz Neuss-Süd auf die A57. Alternativ könne statt der A3 auch auf die A59 ausgewichen werden. Diese Autobahn sei aber nur eingeschränkt für Schwerlastverkehr geeignet.
  • Lastwagen sollen über die A3 die Sperrung umfahren.
  • Für die A57 aus Norden kommend: am Autobahnkreuz Neuss-Süd auf die A46, dann auf die A3 wechseln, anschließend auf die A1 und dann im Autobahnkreuz Köln-Nord wieder auf die A57. Alternativ könne statt der A3 auch auf die A59 ausgewichen werden.
  • Die Polizei warnt davor, auf eigene Faust "Abkürzungen" über die Landstraßen zu suchen.

Unterdessen registriert man in Dormagen "ein deutlich höheres Verkehrsaufkommen", berichtet Stadtsprecher Harald Schlimgen. Die parallel zur A57 verlaufende Bundesstraße 9 sei deutlich voller als sonst. Auch auf den Straßen B477 und L380 ist mehr los. "Ortskundige suchen sich Schleichwege", sagt Schlimgen. Die Stadt hofft, "dass die Autobahn so schnell wie möglich wieder frei gegeben wird. Für das kommende Wochenende ist im Raum Dormagen mit kurzzeitigen Behinderungen durch Karnevalsumzüge zu rechnen. "Wir haben kurzzeitig überlegt, ob wir Zugwege umleiten müssen, weil sie einzelne Bundesstraßen kreuzen". Dazu komme es aber nicht.

Qualm verursacht Massenkarambolage auf A 57 - Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Tötung

Bei der verheerenden Massenkarambolage ist in der Nacht zu Dienstag ein 29-jähriger Mann ums Leben gekommen. Insgesamt acht Menschen im Alter von 29 bis 47 Jahren wurden schwer verletzt, teilte die Polizei Düsseldorf am Mittwoch mit. Bei einer 35-jährigen Frau aus dem Rhein-Kreis Neuss bestehe zudem Lebensgefahr. Weitere fünf Personen im Alter von 23 bis 56 Jahren erlitten leichte Verletzungen. Den Sachschaden an den Fahrzeugen schätzt die Polizei auf eine halbe Million Euro.


Ausgelöst wurde der Unfall durch eine große Qualmwolke, die durch mehrere brennende Plastikrohre entstanden war, die unter der Autobahn in einer Unterführung gelagert waren. Vermutlich hatten Unbekannte die Rohre gegen Mitternacht in Brand gesetzt. Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Tötung, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und der Sachbeschädigung durch Brandlegung. Mutmaßungen über den oder die Täter mag man auch bei der Kreispolizei Neuss nicht anstellen. Ein Sprecher verwies aber auf einen Hochsitzbrand am 7. Februar. Der Ort des vermutlich durch Brandstiftung gelegten Feuers war ebenfalls an der A57 und ganz in der Nähe der Unglücksstelle.

Ein Sprecher des Landesbetriebs Straßen.nrw bestätigte, dass die Kunststoffrohre unter der Unterführung gelagert waren: "Es handelte sich um Leer-Rohre für Telekkommunikationsleitungen, die am Rand der Autobahn verlegt werden". Allerdings seien die Rohre als schwer entflammbar deklariert: "Leicht Entflammbares würden wir auch nicht unter einer Autobahnbrücke lagern". Dass auch unter anderen der etwa 9000 Autobahnbrücken bzw. Unterführungen in NRW Dinge lagern, schließt man bei Straßen.nrw nicht aus: "Da mag eine Menge liegen, das ist ja nicht verboten."

(kari/mit dapd)

 
 

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