„Plötzlich steht Wasser in der Kabine“

Zutphen/Köln.  Es hätte eine gemütliche Schifffahrt werden sollen, zehn Tage lang durch Flandern und die Niederlande – mit bestem Blick auf Antwerpen und Amsterdam, Dordrecht und Deventer. Auf der MS Britannia waren sämtliche 154 Passagiere Seh-Leute. Alle Kabinen boten freie Sicht auf Stadt und Land, teilweise gar mit Panorama-Verglasung. Doch am neunten Tag der Fluss-Schifffahrt, im niederländischen Zutphen an der Ijssel, endete die Reise für die Touristen aus Deutschland und Österreich sowie die 40-köpfige Crew so abrupt wie vorzeitig. Das Schiff schlug in der Nacht zu Sonntag am Heck leck. Rettungskräfte hatten alle Hände voll zu tun.

„Es gab diesen Ruck, und wir dachten erst, jetzt haben wir wohl wieder angelegt“, berichtete ein älterer Mann Reportern des niederländischen Fernsehsenders NOS. „Aber dann standen plötzlich zehn Zentimeter Wasser in unserer Kabine, und es hieß, wir müssten alle raus.“ Die Evakuierung des Schiffes an einem Kai in der Nähe von Zutphen, Provinz Gelderland, sei ruhig und problemlos verlaufen, hieß es. Die Ijssel wurde an dem Abschnitt für größere Schiffe gesperrt.

Zahlreiche ehrenamtliche Helfer betreuten die Reisenden

Die Passagiere wurden in der Nacht in einer Sporthalle in Zutphen untergebracht und von Freiwilligen des Roten Kreuzes betreut, wie ein Gemeindesprecher mitteilte. Helfer, darunter zahlreiche Ehrenamtliche, stellten Feldbetten auf und boten zudem psychologische Betreuung an. Am Sonntag wurden die vorwiegend älteren Kreuzfahrtgäste in Hotels untergebracht, anschließend wurde ihre Heimreise organisiert.

Die Evakuierung war allerdings das kleinere Problem bei der Havarie des 1969 in Betrieb genommenen und 2003 renovierten Flusskreuzfahrers. Deutlich mehr Zeit nahm das Abpumpen des Wassers aus der 110 Meter langen MS Britannia in Anspruch. Noch am Sonntagmittag pumpten Feuerwehrleute Wasser aus dem Schiff, das mit Schlagseite am Kai lag. Damit solle auf jeden Fall verhindert werden, dass das Vier-Deck-Schiff sinkt, erklärte ein Sprecher der örtlichen Sicherheitsdienste.

Die Stabilisierung der MS Britannia war wichtig, um Tauchern zu ermöglichen, nach der Ursache des Lecks zu suchen. Was das Loch im Rumpf verursacht hatte, war am Sonntag noch nicht geklärt.

Immerhin konnte die Ijssel am Sonntagmittag für private Boote freigegeben werden. Kurze Zeit später durften auch größere Schiffe wieder fahren. Nach Angaben der niederländischen Zeitung „Algemeen Dagblad“ sicherte die Staatliche Wasserweg-Behörde die Unglücksstelle. Binnenschiffer waren gehalten, die Unfallstelle langsam zu passieren.

In Köln begann die Reise – und in Köln sollte sie enden

Beim Unternehmen Nicko Tours war nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Fest stand nur, dass für die Reise-Gruppe auf dem Rhein die letzte Etappe zum Start- und Zielort Köln anstand. Und fest steht auch, dass die Reisenden glimpflich davonkamen. Es blieb Gott sei Dank beim Schrecken.

 
 

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