Essen

Pitbulls zerfleischen Welpen und Frauchen - Essener Hundetrainer erklärt, warum es dazu kommen konnte

Pitbulls haben zu Unrecht einen schlechten Ruf.
Pitbulls haben zu Unrecht einen schlechten Ruf.
Foto: imago/ZUMA Press

Essen. In den vergangenen Tagen kursierten mal wieder schreckliche Geschichten, bei denen Pitbulls die traurigen Hauptrollen spielten.

In Berlin bissen Pitbulls einen Vizsla-Welpen tot (hier die Story), und in den USA töteten Hunde der gleichen Rasse ihr Frauchen (hier geht’s zur Geschichte).

Warum sind es immer wieder Pitbulls und andere Listenhunde, wie American Staffordshire Terrier oder Bullterrier, die für solche solche Negativ-Schlagzeilen sorgen? Sind diese Hunde von Natur aus wirklich aggressiver? Was muss in den Tieren vorgehen, damit sie zubeißen? Und wie wird aus einem Pitbull ein aggressiver Hund?

-----------------------

Mehr Themen:

Kampfhund auf Crack zerfleischt sein eigenes Herrchen

Brutale Pitbull-Attacke: Zwei Kampfhunde töten einen Siebenjährigen, während Zeugen hilflos zusehen

Drama in Italien: Einjährige von zwei Pitbulls totgebissen

------------------------

Starke Bilder: So sieht Hundebegegnung im Idealfall aus
Starke Bilder: So sieht Hundebegegnung im Idealfall aus

„Pitbulls nicht von Natur aus aggressiver“

Wir sprachen mit dem Essener Hundetrainer Jörg Müller, der sofort mit einigen Vorurteilen aufräumt. „Hunde wie Pitbulls sind nicht von Natur aus aggressiver“, erklärt Müller: „Sie mögen eine niedrigere Hemmschwelle haben, wenn es ums Beißen geht. Aber es ist der Mensch, der dieses Verhalten durch falsche Erziehung erst heraufbeschwört.“

Der Hundetrainer weiter: „Kein Hund und keine Hunderasse kämpft gerne freiwillig. Kein Hund hat ein ‚Kampf-Gen‘. Das Beißen ist für Hunde ein Schutz-Reflex. Wenn Hunde sich bedroht fühlen, können sie sich entweder unterwürfig zeigen oder sie beißen zu. Und wenn ein Hund in seinem ganzen Leben kein anderes Verhalten kennenlernt als ein Verhalten nach dem Motto, Angriff sei die beste Verteidigung, dann attackiert er nun mal in solchen Situationen.“

Essener Hundetrainer rät zu sozialem Kontakt

Damit Hunde sich bei der Begegnung mit Mensch und Tier nicht bedroht fühlen, hilft laut Müller nur eines: „Die Hunde brauchen so früh wie möglich regelmäßig sozialen Kontakt – gerne mit vielen anderen Hunden im Rudel gleichzeitig. Dort lernen die Hunde, dass Begegnung nichts Schlimmes ist und dass sie bei Begegnungen keine Angst verspüren müssen.“

Diese Begegnungen sehen im Idealfall so aus wie im Video oben.

Wichtig sei laut des Hundetrainers: „Das Ganze muss unter professioneller Leitung geschehen. Denn wenn ich einen im wahrsten Wortsinne asozialen Hund in eine Gruppe integrieren will, erfordert das eine Menge Knowhow. Ansonsten kann dieser Hund das Gruppengefüge schnell zerstören, und dann ist die Maßnahme für die Katz.“

Angst durchleben, um Angst abzulegen

Der Mensch müsse den Hund durch die Angstsituation führen. „Wenn man den Hund nicht mit seiner Angst konfrontiert und ihm zeigt, dass bestimmte Situationen eigentlich keine Gefahr darstellen, wird er die Angst nie ablegen.“

Müller weiter: „Es ist ein bisschen wie bei uns Menschen. Wenn wir vor einer bestimmten Sache Angst haben und sie vermeiden können, dann vermeiden wir sie und behalten die Angst. Wenn wir zum Beispiel Angst vor dem Autofahren haben und uns nie hinters Steuer setzen, werden wir diese Angst nie los. Wenn wir uns dann aber mal trauen, merken wir schnell, dass es gar nicht so schlimm ist. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, brauchen wir aber meistens jemanden, der uns an die Hand nimmt und uns durch die Angst führt.“

Listenhunde? „Schwachsinn!“

Die Einstufung mancher Vierbeiner als Listenhunde kritisiert Müller scharf. „Das ist Schwachsinn! Das ist für mich ein kleiner Rassismus. Denn damit grenzt man die betroffenen Hunde aus. Mit einem Pitbull einen Platz in einer Hundeschule oder sonstigen Gruppe zu bekommen, kann ganz schön schwierig sein. Und wenn man mit einem solchen Hund im Park spazieren geht, wenden sich andere Hundebesitzer oft schockiert ab. Doch eigentlich wäre Hundebegegnung für diese Tiere so wichtig, damit solche schrecklichen Szenen wie zuletzt in Berlin oder in den USA erst gar nicht passieren können.“

 
 

EURE FAVORITEN