Piraten-Abgeordneter warnt vor "Zombie-Bügeleisen"

Bügeleisen als Spionage-Instrumente? Das war jetzt Thema einer "Kleinen Anfrage" im NRW-Landtag.
Bügeleisen als Spionage-Instrumente? Das war jetzt Thema einer "Kleinen Anfrage" im NRW-Landtag.
Foto: Archiv/Kreimeier, WAZ FotoPool
Können harmlose Haushaltsgeräte die Sicherheit eines Computernetzwerkes gefährden? Die Frage eines Landtagsabgeordneten der Piraten klingt zunächst einmal wie ein Witz. Sie ist aber durchaus ernst gemeint. Es geht um den alltäglichen Überwachungsangriff - angeblich aus China.

Düsseldorf.. Zombiebügeleisen? Oder Zombiewasserkocher? Das klingt zunächst einmal wie Stoff aus einem Science-Fiction-Film, der es maximal ins Spätprogramm eines Spartensenders schafft. Aber den Zombiebügeleisen ist auch der Einzug in die Bürokratie des NRW-Landtags gelungen. Zumindest auf dem Papier einer „Kleinen Anfrage“ des Abgeordneten Daniel Schwerd von den „Piraten“. Überschrieben mit „Zombie-Bügeleisen aus der Hölle: Das dunkle Internet der (Haushalts-)Dinge.“ Es folgt ein Zitat aus Goethes Zauberlehrling.

Die Nachricht stammt immerhin von der BBC

Hat der Mann vielleicht auch bei der Frage der Legalisierung weicher Drogen eine eindeutige Haltung und schon mal einer Gesetzesnovelle vorausgegriffen? Mitnichten: Der Mann ist 47, verheiratet, zwei Kinder, Diplom-Informatiker, hat auch noch Wirtschaftswissenschaften studiert und ist selbstständiger Unternehmer. Und er meint das ernst. Die Nachricht stammt immerhin von der BBC, die wiederum einen russischen Nachrichtendienst zitieren.

Und da wird folgendes beschrieben: In Haushaltsgeräten, die aus China stammen, sind kleine Spionagechips eingebaut. In Bügeleisen, Wasserkochern, Mobiltelefonen und Kameras fürs Armaturenbrett. Wenn die kleinen Chips aktiviert werden, suchen sie nach drahtlosen Computernetzwerken. Entdecken sie ein solches W-Lan-Netz, das mittlerweile in der Mehrzahl bundesdeutscher Haushalte und Behörden Standard sein dürfte, versuchen sie den Passwortschutz zu knacken. Wenn das Netzwerk denn überhaupt geschützt ist. Einmal da drinnen, können sie die dort angemeldeten Computer knacken, von dort E-Mail-Müll versenden oder gar versuchen, Daten auszuspionieren und Paßwörter zu knacken.

Virtuelle Angriffe können von überall her kommen

„Klingt wie Science-Fiction, ist aber technisch kein Problem“, sagt Daniel Schwerd. Die Chips können über Entfernungen von bis zu 200 Metern W-Lan-Netze aufspüren und entern, heißt es in dem russischen Beitrag. Und, hält er das für seriös? „Die BBC hätte die Nachricht doch schon längst aus dem Netz genommen, wenn es falsch wäre“, sagt er. Er mag aber auch nicht ganz ausschließen, dass die Berichterstattung in den russischen Medien nicht ganz frei von Interessen ist. Die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Großmächten sind nicht immer spannungsfrei und ein kleines bisschen Horrorschau im russischen Fernsehen könnte den russischen Haushaltswarenkäufer vielleicht dazu bringen, zum heimischen statt zum chinesischen Produkt zu greifen.

Daher räumt Schwerd, immerhin Netz- und medienpolitischer Sprecher der Piraten-Franktion auch ein, dass er durchaus einen Hintergedanken hat: „Meine Anfrage soll die Politiker dafür sensibilisieren, dass der virtuelle Angriff von überall kommen kann.“ Die Datenschutzaffären der jüngsten Zeit hätten eines deutlich gemacht: Was immer technisch möglich ist, wird auch umgesetzt.. „Ich möchte da die Landesregierung sensibilisieren. Auch deswegen habe er die „Kleine Anfrage“ gestellt, wohl wissend, dass es vermutlich nur wenige in China gefertigte Bügeleisen im Landtag geben wird.

Betrügerfang mit dem Honigtopf

Dennoch: angesichts von zahlreichen Behörden mit Teeküchen, die unter latentem Wasserkocher-Verdacht stehen, könnte die Sicherheit hier und da schon gefährdet sein. Auch, wenn es aus Sicht der Spionierenden schon ein wenig wie das Schießen mit der Schrotflinte anmuten muss, wenn man in tausende Wasserkocher Spionagechips einbaut, in der vagen Hoffnung, dass eines der Geräte irgendwann einmal in einem sicherheitsrelevanten Bereich eingesetzt wird.

Die Sensibilität bei den Sicherheitsexperten und Datenschützern ist es daher vor allem, die er mit Verweis auf den Zauberlehrling wecken will. Wenn auch Privatpersonen jetzt aufgeschreckt sind oder gar demnächst durch die Landesregierung informiert würde, wäre ein weiterer wichtiger Schritt getan. „Man sollte sich schon dafür interessieren, ob und wer so versucht, sich in sein heimisches W-Lan-Netz einzuwählen“, meint Schwerd. Im Falle des Landtags rät er übrigens zur Installation eines „honey pots“.

Ein solcher Honigtopf ist ebenfalls ein drahtloses Computernetz und ohne jede Sicherheitsvorrichtung zu entern. Der einzige Zweck: Herausfinden, ob es jemanden gibt, der tatsächlich seine elektronischen Fühler ausstreckt und in die klebrige Falle tappt. So zum Beispiel kann man herausfinden, ob nachts, wenn alle Haushaltsgeräte zu schlafen scheinen, der Wasserkocher noch mal kurz an den Rechner geht, um seinen Datenhunger zu stillen. Klingt ein wenig so, als würden unsere Haushaltsgeräte immer menschlicher. Aber genau das sollte man von Zombies eben niemals denken.

 
 

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