Dortmund

Obdachloser krümmt sich am Borsigplatz tagelang vor Schmerzen- dennoch will ihn kein Dortmunder Krankenhaus aufnehmen

Der obdachlose Ludwik soll fünf Tage vor einer Sparkasse am Borsigplatz gelegen haben.
Der obdachlose Ludwik soll fünf Tage vor einer Sparkasse am Borsigplatz gelegen haben.
Foto: Privat
  • In der Nähe des Borsigplatz in Dortmund wurde ein Mann gefunden
  • Der Obdachlose Ludwik befand sich seit fünf Tagen beinahe regungslos auf einer Matratze
  • Trotz schwerer Entzündungen konnte ein Krankenwagen Ludwik zu keinem Krankenhaus bringen

Dortmund. „Es ging ihm dreckig. Fünf Tage lag er nur auf der Matratze.“ Diana Kollotzek ist sichtlich bewegt, wenn sie berichtet, wie ihr Kollege Kai Kuhnert den Obdachlosen Ludwik vorfand. „Er konnte nicht einmal mehr aufstehen vor Schmerzen, deshalb hat er in eine Flasche uriniert.“

In diesem Zustand habe der 64-jährige Obdachlose beinahe eine Woche vor einer Sparkasse in der Nähe des Borsingplatz im Dortmunder Norden ausgeharrt. „Dennoch wollte ihn kein Krankenhaus in Dortmund aufnehmen“, schildert die 40-Jährige Kollotzek die missliche Situation.

Sie engagiert sich ehrenamtlich für den privaten Verein „Hand in Hand für Menschen“. Als Streetworkerin versucht sie mit ihren Kollegen, Menschen zu helfen, die ein ähnliches Schicksal wie Ludwik erlitten haben.

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Sanitäter können Ludwik nicht mitnehmen

Weil Ludwik mehrere Tage nicht am Haus an der Grunaustraße erschien, machten sich die Helfer Sorgen. Nur durch Zufall entdeckte Mitarbeiter Kai Kuhnert den völlig erschöpften Mann. Um ihm zu helfen, rief Kuhnert eines Rettungswagen.

Die Sanitäter hätten den Obdachlosen jedoch nicht mitnehmen können. „Kein Krankenhaus in Dortmund wollte ihn entgegennehmen. Solange er sich noch sprachlich äußern kann, nicht bewusstlos ist oder stark alkoholisiert, erklärt sich niemand bereit, ihn aufzunehmen“, so Kollotzek. Erst die Androhung, mit dem Fall an die Öffentlichkeit zu gehen, hätte die Sanitäter zum Umdenken bewegt.

Schuppenflechte überzieht seinen Körper

„Ludwik ist ein lieber, freundlicher und genügsamer Mann“, erzählt Diana Kollotzek. Seit 25 Jahren wohne der gebürtige Pole mittlerweile in Deutschland. Die deutsche Staatsbürgerschaft habe er nicht. Auch eine Krankenversicherung würde er nicht besitzen.

Schuppenflechte überzieht Ludwiks gesamten Körper, die für üble Entzündungen gesorgt hatte. Normalerweise müsste er regelmäßig gebadet und eingecremt werden, um die Krankheit einigermaßen in Schach zu halten. „Stattdessen war er Kälte, Nässe und seinem Alkoholismus ausgesetzt - nicht gerade förderlich für seine Heilung“, beklagt Kollotzek.

Dabei wurde Ludwik über das Amtsgericht eine Betreuerin gestellt. Allerdings konnte die Frau, laut Kollotzek, noch nicht ausfindig gemacht werden.

Krankenhausaufenthalt auf Zeit

Letztendlich landete Ludwik in einem Hospital in Unna. Dort wird seine Schuppenflechte nun angemessen behandelt. „Als wir ihn am Montag besucht haben, hat er sich wahnsinnig gefreut, uns wiederzusehen“, sagt die alleinerziehende Mutter. Ihre Kollegen und sie kennen den Mann schon besser, immerhin sei er Dauergast bei der wöchentlichen Essensausgabe.

Allerdings wird Ludwiks Aufenthalt erneut nicht auf Dauer sein. Sobald die akuten Entzündungen verschwunden sind, muss er sich dem anbahnenden Herbst stellen. Ohne medizinische Unterstützung.

Du willst helfen?

Diana Kollotzek vom Verein „Hand in Hand für Mensch“ bittet um jegliche Art von Spenden. Besonders angewiesen ist der Verein auf warme Männerkleidung, Isomatten und Schlafsäcke und Hygieneartikel wie Duschmittel und Einmalrasierer.

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