Dortmund

Obdachloser am Borsigplatz: Dortmunder Krankenhaus äußert sich zu den schweren Anschuldigungen

Der obdachlose Ludwik lag beinahe fünf Tage vor einer Sparkasse am Borsigplatz.
Der obdachlose Ludwik lag beinahe fünf Tage vor einer Sparkasse am Borsigplatz.
Foto: Privat
  • Der obdachlose Ludwik krümmte sich fünf Tage vor Schmerzen am Borsigplatz in Dortmund
  • Streetworker machen den Dortmunder Krankenhäusern und dem Rettungsdienst schwere Vorwürfe
  • Die Beschuldigten weisen die Anschuldigung zurück

Dortmund. Fünf Tage lag der obdachlose Ludwik bewegungsunfähig auf einer Matratze am Borsigplatz im Dortmunder Norden. Schuppenflechte, die sich teilweise entzündet hatte, überzog seinen Körper. Der Mann konnte vor Schmerzen nicht aufstehen.

Dann entdeckte ihn Streetworker Kai Kuhnert und wählte die „112“.

Kurze Zeit später traf ein Rettungswagen der Feuerwehr Dortmund ein. Die Sanitäter waren sich schnell sicher, dass es sich bei Ludwik nicht um einen akuten Notfall handelt.

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Obdachloser Ludwik verweigert Transport

Der 64-Jährige besitzt weder die deutsche Staatsbürgerschaft, noch eine Krankenversicherung. Laut der Feuerwehr Dortmund, die zuständig für den Rettungsdienst ist, habe der obdachlose Mann einen Transport verweigert.

Vor der Sparkasse am Borsigplatz versorgen ihn Anwohner mit Nahrung und Kleidung. Die Sanitäter kannten den Wohnungslosen bereits, da es sich um seinen „Stammplatz“ handelt.

Erst als sich Streetworker Kuhnert energisch für eine medizinische Behandlung einsetzte, riefen die Rettungskräfte nach einer Stunde einen Krankentransport.

„Die Kollegen haben alles richtig gemacht. Der Betroffene befand sich nicht in einem lebensbedrohlichen Zustand“, erklärt Andreas Pisarski von der Feuerwehr Dortmund das Vorgehen seiner Kollegen.

Haben Dortmunder Krankenhäuser den Obdachlosen abgelehnt?

„Wir weisen niemanden ab, der zur Notaufnahme gebracht wird“, erklärt Marc Raschke, Pressesprecher vom städtischen Klinikum Dortmund. Er verweist darauf, dass eine Schweigepflicht für Patienten besteht. Konkrete Angaben zu einer Person können also nicht getätigt werden. Bei dem 63-jährigen Obdachlosen handelte es sich nach Aussagen der Sanitäter um keinen Notfall.

Ihr Schützling Ludwik sei zuvor bereits Patient in der Hautklinik gewesen, entgegnet Diana Kollotzek. Sie hatte den Vorfall publik gemacht. Da der Obdachlose aber nie vor den Pforten des Krankenhauses erschien, bestand laut der Hautklinik keine Pflicht, ihn aufzunehmen.

Dies bestätigte sowohl der Rettungsdienst, als auch Streetworker Kuhnert. Erst, wenn Ludwik persönlich, egal ob durch einen Krankensport oder zu Fuß, erschienen wäre, hätte er aufgenommen werden müssen.

Ludwik landet in einem Krankenhaus in Unna

Der Krankentransport brachte den Patienten später in ein Hospital in Unna. Der Vorwurf von Diana Kollotzek bleibt bestehen: „Die Hautklinik in Dortmund hat sich massiv geweigert, Ludwik aufzunehmen.“

„Es ist egal, welche Herkunft ein Mensch hat oder ob er eine Krankenversicherung hat oder nicht, wir behandeln jeden Hilfsbedürftigen“, sagt Raschke. Er verweist auf die erhöhte Anzahl an Flüchtlingen, die von dem Krankenhaus versorgt wurden und werden. Dies würde beweisen, dass jede hilfsbedürftige Person - egal ob Obdachloser oder Flüchtling - aufgenommen wird.

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