Obacht! Einbrecher schlagen in NRW vor allem nachmittags zu

Diebesbanden haben sich offenbar auf Beutezüge in Grenznähe spezialisiert.
Diebesbanden haben sich offenbar auf Beutezüge in Grenznähe spezialisiert.
Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Servi
  • Die Zahlen bei Wohnungseinbrüchen sind weiterhin steigend
  • In NRW und Deutschland konnte die Polizei zuletzt nicht einmal jeden fünften Fall aufklären
  • Täter nutzen oft die unmittelbare Grenznähe, um zu entkommen

Düsseldorf.. Die steigende Zahl von Wohnungseinbrüchen macht der Polizei seit Jahren zu schaffen. Insbesondere Diebesbanden aus Südost- und Osteuropa haben sich auf organisierte Beutezüge spezialisiert. Sie nutzen oft die unmittelbare Grenznähe, um zu entkommen. Dies geht aus Erkenntnissen des nordrhein-westfälischen Innenministeriums hervor. Mit einer neuen Fahndungsstrategie versucht die Polizei in NRW seit rund zwei Jahren dem Problem zu begegnen. Am Mittwoch zieht Innenminister Ralf Jäger (SPD) in Düsseldorf eine Bilanz gegen mobile Einbrecherbanden.

Welche Tendenz zeichnet sich ab?

Über einen längeren Zeitraum betrachtet, stieg die Zahl seit 2008 sowohl in Deutschland als auch in NRW um rund 40 Prozent an. Noch größer war der Zuwachs an Einbruchsversuchen bundesweit mit 65 Prozent. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen verzeichnete 2014 - dem Jahr der aktuellsten Aufzeichnungen - rund 53.000 Einbrüche. Auch im ersten Halbjahr 2015 nahm die Zahl der Wohnungseinbrüche im Vergleich zum Vorjahreszeitraum weiter zu.

Wie gut kommt die Polizei den Tätern auf die Spur?

Die Bilanz ist ernüchternd: In Nordrhein-Westfalen und Deutschland konnte die Polizei zuletzt nicht einmal jeden fünften Fall aufklären. Die Gründe für die geringe Aufklärungsquote sind laut einem Sprecher des nordrhein-westfälischen Innenministeriums vielschichtig. Die Täter führen die Einbrüche schnell aus, sind vom Tatort schnell verschwunden und hinterlassen kaum Spuren.

Wen haben die Fahnder im Visier? Wo liegen die Brennpunkte?

Besonders international agierende Banden erschweren die Ermittlungen der Fahnder. Ein großes Problem seien Gruppen aus Ost- und Südosteuropa, die in Deutschland gezielt Beute machen wollten, sagte der Ministeriumssprecher. Zu den bislang am stärksten betroffenen Regionen zählten nach früheren Angaben des Landeskriminalamts die Gegend an der deutsch-holländischen Grenze sowie die Metropolregion Rhein-Ruhr. Über häufige Vorfälle klagen zudem immer wieder Anwohner von Orten, die in der unmittelbaren Nähe zur Autobahn liegen.

Ist das Klischee vom nächtlichen Einbrecher überholt?

Tatsächlich unterscheidet sich die Kernarbeitszeit von Einbrechern kaum von denen unbescholtener Bürger. Ein Großteil aller Taten findet in Nordrhein-Westfalen zwischen 6 und 18 Uhr, also tagsüber statt (43 Prozent). Am häufigsten wird laut Polizei zwischen 14 und 18 Uhr eingebrochen - wenn die Kriminellen ihre Opfer offensichtlich außer Haus wähnen. In den kalten, dunklen Monate zwischen November und Januar sowie an Freitagen und Samstagen schlagen Diebe statistisch am häufigsten zu.

Welche Gegenstände stehen auf ihrer Wunschliste?

Die Taktik ist simpel: Schnell rein - und schnell wieder raus. "Sie habe es auf alles abgesehen, was schnell zu greifen ist", sagt der Ministeriumssprecher. Also: Bargeld, Schmuck, Smartphones, Laptop oder Tablets - leichte, kleine und wertvolle Objekte. Wer seine Wertsachen in einem Tresor verschließt, habe gegen Blitzeinbrecher deutlich bessere Chancen.

Was könnte Einbrechern versehentlich anlocken?

Bei offenen Fenstern oder ungesicherten Schlössern haben Einbrecher leichtes Spiel. Neben überlaufenen Briefkästen könnten sich aber auch Urlaubsfotos - die für jedermann im Internet zugänglich sind - als eine Art Türöffner für Verbrecher erweisen. Bei Vernehmungen der hessischen Polizei gaben mutmaßliche Täter zu, in sozialen Netzwerke Hinweise auf leerstehende Wohnungen geachtet zu haben. Auch automatische E-Mail-Antworten könnte die Aufmerksamkeit von Kriminellen auf sich ziehen und einen Einbruch provozieren. "Man sollte die Welt nicht wissen lassen, dass man nicht zu Hause ist", rät der Ministeriumssprecher. Sein Tipp: Zeitschaltuhren an Tischlampen anbringen, um so die Verbrecher auszutricksen. (dpa)

 
 

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