NRW wird bald besser an Fernbus-Linien angebunden

DeinBus, MeinFernbus, Flixbus...: Seit Januar drängen Fernbusse in großem Stil auf den innerdeutschen Reisemarkt.
DeinBus, MeinFernbus, Flixbus...: Seit Januar drängen Fernbusse in großem Stil auf den innerdeutschen Reisemarkt.
Foto: DeinBus.de
Die Osterferien nahen. Fernbusse bieten sich seit Jahresbeginn als günstige Verkehrsmittel-Alternative zur Schiene an. Doch NRW ist im deutschen Fernbus-Netz noch ein "weißer Fleck". Fernbus-Angebote sind an Rhein und Ruhr nur wenige zu finden. Die Fernbus-Anbieter sind dabei, das zu ändern.

Essen. Sie heißen DeinBus, MeinFernbus oder Flixbus und sie drängen derzeit bundesweit auf den Markt im Reise-Fernverkehr. Fernbusse füllen eine Marktlücke, seitdem die Bahn das Monopol auf Fernstrecken in Deutschland verloren hat. Das Angebot ist unübersichtlich, das Netz noch lückenhaft. Und Reisende müssen sich an viele neue Namen von Anbietern gewöhnen und daran, dass es Alternativen zur Bahn gibt, die nicht Flugzeug oder Mitfahrzentrale heißen. Welche Fernbus-Unternehmen gibt es, vor allem: wie ist das Angebot in NRW derzeit? Ein Überblick:

"Es herrscht Goldgräberstimmung im Markt", ist bei den Fernbus-Anbietern zu hören. In NRW allerdings macht sich das noch nicht bemerkbar. Das bevölkerungsreichste Bundesland taucht auf dem Fernbusnetz kaum auf. Süddeutschland und Berlin sind deutlich besser angebunden. Wer von NRW aus auf Tour gehen will, hat bis dato nur eine sehr eingeschränkte Auswahl. Aktuell gibt es fünf große Bus-Anbieter, die in Deutschland ein Fernbus-Netz aufbauen. Allen gemein ist: Die Fernbus-Anbieter arbeiten stets mit lokalen Busunternehmen zusammen, die Fahrzeuge und Fahrer stellen. Die Preise sollen stets deutlich unter denen der DB-Konkurrenz liegen, wobei auch die Deutsche Bahn eigene Fernbus-Unternehmen betreibt. Auch die Post überlegt, zusammen mit dem ADAC Fernbuslinien zu betreiben.

Fernbus-Haltepunkte in NRW

Das Unternehmen MeinFernbus.de fährt seit Jahresbeginn von Düsseldorf nach Freiburg, mit Zwischenstationen in Köln, Straßburg und Kehl. Der Fahrplan sieht zwei Verbindungen am Tag vor, in jede Richtung, Freitags und Sonntags noch eine dritte. Die Fahrtzeit wird jeweils mit sechseinhalb Stunden angegeben.

Der Münchner Anbieter Flixbus hat in NRW derzeit nur Köln auf dem Streckenplan. Vom Kölner Hauptbahnhof aus fährt viermal täglich ein Fernbus zum (Billigflieger-)Flughafen Frankfurt/Hahn im Hunsrück; Fahrtzeit laut Fahrplan zwischen zweieinhalb und zwei-dreiviertel Stunden. Und vom U-Bahnhof Deutz-Kalker Bad aus bietet Flixbus zweimal täglich eine Verbindung in die Innenstadt von Frankfurt/Main; Fahrtzeit vier Stunden.

Auch Dortmund ist bei Flixbus angebunden: Von Köln aus führt die Linie bis Dresden, mit Stationen in Kassel, Göttingen und am Flughafen Leipzig. Knapp sieben Stunden soll die Tour von DO nach DD dauern. Einen Startpunkt Essen gibt es noch nicht, sagt Flixbus-Sprecherin Bettina Engert: "Aber da ist was in Planung".

Das Fernbus-Netz wächst

Beim Anbieter DeinBus "ist der Westen noch ein weißer Fleck", gibt Firmen-Mitgründer Christian Janisch zu. Startorte wie Düsseldorf und Köln sind zwar im Angebot vorhanden; die Strecke Düsseldorf-Frankfurt/Main etwa ist zweimal wöchentlich im Angebot. Das aber nach dem Prinzip der "Busfahrgemeinschaft", mit dem DeinBus schon seit 2009 der Deutschen Bahn trickreich Konkurrenz macht. Das heißt: Man muss vorher online sozusagen eine Fahrgemeinschaft bilden. Aber DeinBus plant auch für NRW, sein Fernbus-Netz auszuweiten, sagt Janisch: "Ab diesem Juni wollen wir mehr Verbindungen vom Ruhrgebiet aus anbieten". Insgesamt hat DeinBus bisher acht feste Fernbus-Linien in Betrieb.

Obwohl schon seit mehreren Jahren im internationalen Fernreisebus-Verkehr vertreten, sieht man auch auch beim Unternehmen Deutsche Touring/Eurolines für NRW Nachholbedarf. 130 Buslinien umfasst das Liniennetz des Fernbus-Anbieters mit Zentrale in Frankfurt/Main. Die Ziele liegen in 32 Ländern außerhalb Deutschlands, darunter Portugal, die Türkei, Russland und Kasachstan.

Britischer Fernbus-Riese National Express startet ab April auch in NRW 

Busse mit der Aufschrift "Deutsche Touring" durften deshalb schon zu Zeiten des nationalen Bahnmonopols Liniendienste anbieten, weil sie bis auf eine Nachtverbindung zwischen Frankfurt/Main und Hamburg auf keiner rein innerdeutschen Reiseverbindung unterwegs waren. Mit dem Fall des Fernreisemonopols der Bahn zum 1. Januar diesen Jahres waren bundesweit sechs der Fernbus-Verbindungen auch für innerdeutsche Reisende freigegeben worden, darunter die Strecke Köln-Berlin, auf der Fernbuslinie Köln-Riga. Mitte Februar musste das erstmal gestoppt werden, sagt Deutsche Touring-Sprecherin Eva Miltz. Jetzt wartet man auf die amtliche Genehmigung, die Linien wieder bedienen zu dürfen.

Den großen Einstieg auf dem Deutschen Fernbus-Markt plant in Kürze der britische Branchenführer National Express. Unter dem Namen "City2City" können ab dem 2. April Fernbus-Tickets mit zwei Startorten in NRW gebucht werden: Fünfmal täglich an sieben Tagen in der Woche sollen dann Busse zwischen Frankfurt/Main und Düsseldorf verkehren, mit Zwischenhalt in der Kölner Innenstadt und am Flughafen Köln/Bonn, jedoch nicht am Flughafen Düsseldorf. Zudem soll es ebenso oft eine Verbindung geben zwischen Duisburg und Frankfurt/Main, mit Zwischenstopps in Essen und Dortmund. Fahrtzeit insgesamt: 5 Stunden.

Fernbus-Anbieter wollen die Bahn unterbieten

In Sachen Preis locken allen Unternehmen mit bis zu einstelligen Schnäppchen. Auch die Preissysteme sind ähnlich: Wer früh bucht, kann die günstigsten Preise erwischen. Wer kurz vor Fahrt beim Busfahrer das Ticket kauft, zahlt am meisten. Doch es gibt Unterschiede:

Flixbus etwa berechnet für die Strecke Köln-Frankfurt/Main zwischen 5 und 17 Euro. In Sonderfällen kann man auch ein 1-Euro-Schnäppchen machen, sagt Sprecherin Bettina Engert - wenn man Glück hat: "In jedem Bus ist mindestens ein Fahrgast, der nur einen Euro gezahlt hat". Generell gilt, wie bei der Bahn oder bei Fluglinien: "Je früher man bucht, desto günstiger ist es". Aber Flixbus bietet nur "Punkt-zu-Punkt"-Verbindungen. So hat Flixbus zwar auch München, Stuttgart oder Regensburg auf dem Linienplan. Eine Tour von Köln nach München aber lässt sich bei Flixbus nur mit Umsteigen machen und deshalb nur von Ort zu Ort buchen. "Die Fahrtzeiten sind noch nicht aufeinander abgestimmt", erklärt Sprecherin Bettina Engert.

Fernbus-Konkurrent MeinFernbus wiederum hat sich die Bahn zum Vorbild genommen und sein Liniennetz miteinander verwoben. Einer der MeinFernbus-Gründer war zuvor Chef vom Linienmanagement der Bahn AG. "Die Fahrpläne sind aufeinander abgestimmt", sagt Sprecher Florian Rabe. Die Fahrtzeiten seien so kalkuliert, dass auch Staus oder dichter Verkehr kompensiert würden. Reisende bekämen deshalb eine "Beförderungsgarantie", dass sie ihr Ziel auch bei einem Umsteig erreichen, sagt Rabe. Das Unternehmen hat große Pläne: Noch in diesem März sollen bundesweit fünf neue Linien mit 16 Zielen das Streckennetz ausweiten. Darunter sind die Linien Berlin-Speyer und Hamburg-München. Insgesamt will man 2013 bundesweit 80 weitere Reiseziele verbinden. Auch NRW sei da im Blick, sagt Rabe. Ein Ticket auf der bisher einzigen MeinFernbus-NRW-Strecke - Düsseldorf-Freiburg - kostet zwischen 18 Euro und 41.50 Euro je Tour.

Ab 8 Euro mit dem Fernbus auf Tour

Bei City2City lockt man im April mit 10.000 Tickets á 5 Euro. Regulär reichen die Preise dann von 8 bis maximal 53 Euro je Strecke. City2City gibt zudem Rabatte, etwa für Senioren oder Studenten. Karten kann man allerdings nicht im Bus lösen, sondern online, am Telefon oder in Verkaufsbüros der Deutsche Touring.

Bei DeinBus, die sich selbst als nationalen Fernbus-Pionier sehen, beginnen die Ticketpreise bei 9 Euro und reichen bis 40 Euro. Auf den bisher acht regelmäßigen Fernbuslinien zu 18 überwiegend süddeutschen Reisezielen, kann man auch noch kurz vor Fahrtbeginn beim Fahrer Tickets kaufen. "Wir haben leider auf jeder Strecke unterschiedliche Preise", sagt DeinBus-Mitgründer Christian Janisch. Das sei nötig, "um die Busse besser auszulasten". Gefragtere Strecken seien etwas teurer, weniger ausgelastete Busse etwas günstiger.

 
 

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