NRW: Alleinerziehender Vater landet im Burnout – „Was ich habe, ist doch nur Kindergarten!“

Thomas Wehner (51) aus NRW landete als alleinerziehender Vater im Burnout.
Thomas Wehner (51) aus NRW landete als alleinerziehender Vater im Burnout.
Foto: Alexander Keßel

Werl. Hände wie Bratpfannen, imposante Statur und rauschender Henriquatre: An Deck eines Kutters würde Thomas Wehner (51) nicht weiter auffallen.

Bereitet der Mann aus Werl (NRW) dann noch seine Pfeife vor, ist alles klar. Klassischer Typ Popeye. Doch hinter der Fassade Marke „furchtloser Matrose“ verbirgt sich eine bewegende Geschichte. Die eines alleinerziehenden Vaters am Rande des Scheiterns. Alles begann vor etwa fünf Jahren - mit einem Anruf.

NRW: Alleinerziehender Vater – „Ab Freitag hast du deinen Sohn“

Damals befand sich Thomas Wehner mit seiner Ex-Frau im Sorgerechtsstreit um den gemeinsamen vier Jahre alten Sohn. Der Kleine lebte nach der Trennung der Eltern bei seiner Mutter und seinen beiden Halbschwestern.

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Alle zwei Wochen durfte Wehner seinen Jungen übers Wochenende zu sich holen. Gerne hätte er mehr von ihm gehabt. Dann aus heiterem Himmel kam der Anruf seiner Ex, der alles verändern sollte: „Ab Freitag hast du dann deinen Sohn bei dir“, habe sie gesagt. Einfach so.

„In deiner Haut will ich nicht stecken“

Wie das enden sollte, habe er zu diesem Zeitpunkt nicht geahnt. Aber das war zunächst auch zweitrangig. Schließlich waren Vater und Sohn endlich vereint.

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Von einem Tag auf den anderen stand Wehner allerdings nun vor einem extremen Herausforderung. Als Betriebsleiter einer Zeitarbeitsfirma waren Überstunden und ständige Erreichbarkeit an der Tagesordnung. Auf familiäre Unterstützung konnte er wegen zu großer räumlicher Trennung nicht bauen.

Aber: „Mit meinem Chef hatte ich extrem Glück“, so Wehner. „In deiner Haut will ich nicht stecken“, entgegnete der auf die Schilderung seiner neuen Situation. Man werde das alles schon hinbekommen.

„Da stand ich dann mit meinem kurzen Hemd“

Tatsächlich durfte er in der Folge früher Feierabend machen, konnte seinen Jungen täglich um 16.30 Uhr aus der Kita holen. Nur auf seine Ex habe er nicht mehr zählen können.

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Der Kontakt zwischen Mutter und Kind sei extrem unregelmäßig geworden. Das aufzufangen – eine große Herausforderung. Zeit für sich oder alleine mit seiner neuen Freundin? Fehlanzeige! „Da stand ich dann mit meinem kurzen Hemd.“

„Um meine Tochter habe ich mich wenig gekümmert“

Es ist eine Situation, die ihm den Spiegel vorhält. Neben seinem Sohn hat Thomas Wehner noch eine zehn Jahre ältere Tochter (19). „Als sie klein war, habe ich mich relativ wenig bis gar nicht drum gekümmert“, gesteht er.

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Die Mutter seiner Tochter habe einen tollen Job gemacht, lobt er heute. Im zweiten Anlauf wollte Wehner es besser machen. Doch dann kam der Burnout.

„Such dir ein Kind!“

Antriebslos, schlapp, unmotiviert, wie in Watte gehüllt. „Ich wollte am liebsten den ganzen Tag im Bett liegen bleiben“, erinnert sich der alleinerziehende Vater an die schlimmste Zeit.

Nur die nötigsten Sachen habe er noch hinbekommen. „Kann man fast jedem Betroffenen nur raten: ‚Such dir ein Kind‘, dann hast du zumindest ein bisschen Struktur“, so Wehner. An Arbeit war allerdings nicht mehr zu denken.

Kündigung, Kur und ein unverhofftes Angebot

Sein Chef hält lange zu ihm. Doch nach neun Monaten muss seine Stelle neu besetzt werden. Wehner wird gekündigt. „Das konnte ich absolut nachvollziehen“, sagt er.

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Das ist ein Burnout:

  • Dauerhafter Überlastungszustand
  • Äußert sich unter anderem in tiefer Erschöpfung und Traurigkeit
  • Liegt häufig an (Selbst)Überforderung und Stress
  • Kann in psychische Krankheiten übergehen
  • Es droht dauerhafte Arbeitsunfähigkeit
  • Kann etwa durch Verhaltenstherapie behandelt werden
  • Bei dauerhaften Warnzeichen den Arzt aufsuchen

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Sein Arzt schickt ihn gemeinsam mit seinem Sohn zur Kur. Hier sollte das Schicksal eine Überraschung für ihn bereithalten.

„Alter Mann, ganz ehrlich: Wat geht’s dir gut“

So flatterte ein unverhofftes, sehr attraktives Jobangebot in sein Postfach.

Dazu die Kur als Augenöffner. Im Angesicht von Menschen mit Borderline-Syndrom, Suchtkrankheiten, Depressionen und Bundeswehr-Soldaten aus Krisengebieten, dachte der alleinerziehende Vater aus NRW: „Alter Mann, ganz ehrlich. Wat geht’s dir gut. Was du im Gegensatz dazu hast, ist doch Kindergarten.“

Dem mögen andere Betroffene nicht zustimmen. Doch für Thomas Wehner fühlte es sich in diesem Moment so an. Mit der neuen Motivation durch das Jobangebot brach er die Kur in Absprache mit dem behandelnden Arzt nach zehn Tagen ab.

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Er kämpfte sich raus aus dem Loch, zog für den neuen Job schließlich nach Werl.

Alle guten Dinge sind Werl

Hier sollte sich alles fügen: Für seinen Sohn ergatterte der Wahl-Werler einen Platz in der offenen Ganztagsschule mit anschließender Betreuung bei der Caritas.

Dazu ein Job mit flexiblen Arbeitszeiten. Und aus einer Wochenendbeziehung wurde mehr: Denn seine Freundin wohnt ab jetzt nur noch 20 Minuten entfernt. Für Thomas Wehner ist wieder Land in Sicht.

 
 

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