NRW: Dieser Weihnachtsmarkt darf trotz Lockdown öffnen – wir verraten dir, ob es sich lohnt

In der Coronakrise NRW hat der einzige Weihnachtsmarkt in der Region als Drive-In geöffnet. Bis Anfang nächsten Jahres kannst du dort eine winterliche Landschaft bewundern.
In der Coronakrise NRW hat der einzige Weihnachtsmarkt in der Region als Drive-In geöffnet. Bis Anfang nächsten Jahres kannst du dort eine winterliche Landschaft bewundern.
Foto: imago images / Winterwunderland Kalkar / Montage: DER WESTEN

Kalkar. „I'm driving home for Christmas ...Oh, I can't wait to see those faces...I'm driving home for Christmas...“

„Hallo und herzlich Willkommen im Winterwunderland! Möchten Sie Glühwein, bevor es losgeht?“ Die Abenddämmerung setzt an diesem Samstagabend im Dezember langsam mit Nieselregen ein, aus den Lautsprechern tönt Chris Reas „Driving home for christmas“ und Autos reihen sich in die Schlange ein, um in eine leuchtende winterliche Weihnachtswelt einzutauchen - inmitten mein schwarzes Auto, das sich auch durch den Parcours im Wunderland Kalkar (NRW) drängeln möchte.

Ja, fernab der Corona-Realität gibt es weit draußen am Niederrhein (NRW) den einzigen Weihnachtsmarkt, der im Lockdown öffnen darf. Wir haben dieses Wintermärchen in NRW in der sonst sehr tristlosen Vorweihnachtszeit für dich getestet.

NRW: Einziger Weihnachtsmarkt öffnet trotz Lockdown - wir haben ihn für dich getestet

Eins mal vorweg: 72 Prozent aller Deutschen vermissen in der Corona-Pandemie am allermeisten die Weihnachtsmärkte. Das ergab eine Umfrage der Universität der Bundeswehr München Anfang Dezember. Ich gehöre definitiv dazu. In NRW wurden fast alle Weihnachtsmärkte restlos abgesagt. Doch in Kalkar hat jetzt eine corona-konforme Alternative eröffnet - ein sogenanntes Winterwunderland als Drive-In. Das muss ich einfach ausprobieren.

Die 75 Kilometer bis dorthin gönne ich mir. Nie zuvor bin ich so weit nur für den Besuch eines Weihnachtsmarktes gefahren. Und die Idee hatte nicht nur ich: Anderer Kfz-Kennzeichen vor Ort nach zu urteilen, zog es viele Menschen aus dem Revier dorthin, auch aus dem Siegerland und Ostwestfalen reisten die Menschen an.

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An diesem Samstag ist es nicht so überlaufen wie befürchtet. Ersten Medienberichten zufolge habe sich bei der Eröffnung am Donnerstag Stau gebildet. Nach 25 Minuten bin ich am Startpunkt angekommen. Die zweieinhalb Kilometer lange Strecke mitten durch den Freizeitpark kann beginnen.

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Das Winterwunderland Kalkar:

  • Öffnungszeiten: 10. Dezember bis 3. Januar 2021 (mittwochs bis sonntags) und an allen Wochenenden im Januar von 16.30 - 21 Uhr
  • Eintritt: 12,50 Euro pro Auto
  • keine Abendkasse, nur noch wenige Tickets verfügbar
  • Alle Infos zum Winterwunderland gibt es hier >>>

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,Doch wie soll das Konzept aussehen? Wie soll ich mir das Sortiment der Buden anschauen, wenn ich im Auto sitze und nicht aussteigen darf?' Viele Fragen schwirrten mir durch den Kopf. In der Redaktion wurde mir noch scherzhaft „Vergiss deine Brille bloß nicht!“ hinterhergerufen.

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Im Ruhrgebiet spricht man Tacheles und redet nicht lange um den heißen Brei herum. DER WESTEN-Redakteurin Julia Scholz beschäftigt sich in der Kolumne „Da sachste, wat Sache ist“ mit aktuellen Themen, die die Menschen im Revier bewegen.

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Eine scharfe Kurve nach links und vor mir auf der Wiese stehen Kamele - echte Kamele! Ich staune und plötzlich taucht vor meiner Nase eine Möhre auf. "Möchtest du sie füttern?", fragt ein Weihnachtsmann ,Wie?', denke ich noch völlig verzückt. Im gleichen Moment gibt er mir zu verstehen, dass ich weiterfahren soll. Chance vertan, schade.

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Der Circus Maximum - von der Coronakrise auch schwer getroffen - eröffnet die Ausstellung. Ein Musiker spielt im Zirkuszelt Trompete, sein Kompagnon sammelt Spenden. Danach geht es vorbei an mit Lichtern geschmückten Bäumen, Zäunen und allerhand bunter stimmungsvoller Weihnachtsdeko untermalt mit Christmassongs aus dem hauseigenen Radiokanal. Im Schritttempo schleiche ich hinter dem Auto vor mir hinterher, an dem stilechten Kühlturm vorbei - ein Überbleibsel des ehemaligen Kernkraft-Areals, auf dem „Kernies Wunderland“ einst erbaut wurde.

Autos halten immer wieder an - Besucher machen Fotos

Stress oder Hupen, weil Autos mitten auf dem Weg anhalten und Besucher Fotos von der eindrucksvollen Kulisse machen? Fehlanzeige. Hier geht alles ganz entschleunigt zu.

Das Kettenkarussell dreht seine Runden, auch wenn kein einziges Kind mitfährt. Es erinnert mich an eine verlassene Szene aus irgendeinem Gruselfilm... Ab und an gibt es Stände, an denen Essen oder Getränke verkauft werden. Mit dem Auto einordnen, ohne dass Stau entsteht? Gar nicht so einfach! Vor allem, wenn man nicht parken darf, um in Ruhe zu schlemmen. Ein wenig komme ich mir vor wie in der Waschanlage „Bitte vorfahren, weiter fahren, gut so, stopp!“ Die Mitarbeiter wirken in der neuen Situation leicht gestresst.

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Nach der Runde im Außenbereich geht es in einem überdachten Teil weiter. Kunstschnee rieselt auf mein Auto. Pinguine, Rentiere und verschneite Tannenbäume empfangen die Besucher - ein Engel fliegt hoch über den Wagen durch die Halle. Daneben gibt es Eintopf to go für 9,50 Euro. Stattlich!

Nach etwa einer Stunde im Stop-and-Go-Verkehr ist der Zauber im Winterwunderland vorbei. Ein Schild offeriert mir die Möglichkeit für 5 Euro noch eine Runde zu drehen. Das muss nicht sein.

Im Anschluss erwarte ich das, was einen Weihnachtsmarkt zudem ausmacht: Buden mit Handwerkskunst, Süßes, Deko und Geschenkartikel. Und tatsächlich: auf dem Parkplatz bieten im Zickzack-Abstand einzelne Händler ihre Waren an - das ist ab Mittwoch im Komplett-Lockdown leider nicht mehr möglich. Es darf ab dem 16. Dezember nur noch Essen und Trinken verkauft werden.

Händler verkaufen beim Winterwunderland ihre Waren

Auch hier darf ich nicht aussteigen, um zu essen. Weil ich die Poffertjes vom Essener Weihnachtsmarkt so sehr vermisse, zieht es mich sofort zum Stand mit der leckeren holländischen Spezialität. Die Leckerei wird durchs Autofenster gereicht.

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Mund abputzen und dann ist der Traum auch schon zu Ende. Mein Fazit: Eine schöne Idee, um mitten im Lockdown mal auf andere Gedanken zu kommen und in etwas Normalität einzutauchen. Gerade für Familien ist es ein toller Veranstaltungstipp in den Weihnachtsferien, um mal etwas Neues zu erleben.

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Das ist das Wunderland Kalkar:

  • Das Wunderland Kalkar ist ein Freizeitpark in NRW
  • Der Park wurde 1995 auf dem Areal des ehemaligen Kernkraftwerkes eröffnet
  • Zehn Jahre lang hieß der Freizeitpark „Kernwasser-Wunderland“
  • Eigentümer ist der niederländische Unternehmer Hennie von der Most
  • Das Kernkraftwerk wurde 1985 fertiggebaut, ging aber nie in Betrieb

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Doch es ist das Gleiche wie mit dem Autokinos in der ersten Corona-Welle: eine aus der Not geborene Alternative. Würde ich so etwas wieder machen, wenn sich im Gegenzug die Möglichkeit nach einem „normalen“ Weihnachtsmarkt-Besuch bietet? Eher nicht. Und das nicht nur wegen der ganzen Abgase, die im Drive-In in die Luft geschleudert werden...

Mir hat beim Fahrstress das Gesellige gefehlt. Die typische Kälte, die meine Beine sonst schlottern lässt, das aktive Bummeln zwischen den Ständen und die anregenden Gespräche mit Freunden oder Familie haben gefehlt.

Aber in Weihnachtsstimmung bin ich trotzdem allemal gekommen. Und auf dem Nachhauseweg hab noch noch leise vor mich hingesummt: „I'm driving home for christmas“ ...