Gewalt zwischen Türken und Kurden an Schulen: NRW-Ministerium warnt nach Zwischenfall vor Eskalation

Droht der Konflikt zwischen Türken und Kurden an Schulen in NRW zu eskalieren?
Droht der Konflikt zwischen Türken und Kurden an Schulen in NRW zu eskalieren?
Foto: dpa/Symbolbild

Bielefeld. Die Konflikte im Nahen Osten erreichen offenbar auch deutsche Schulen. Seitdem die Auseinandersetzung zwischen Türken und Kurden in Nordsyrien eskaliert ist, herrscht auch in NRW eine angespannte Lage.

Zuletzt gab es immer wieder spontane Kundgebungen, bei denen Kurden gegen den türkischen Militäreinsatz in Afrin demonstrierten. Diese blieben allesamt friedlich - allerdings betrachtet das NRW-Schulministerium die Lage mit Sorge.

Konflikt schlägt sich an Schulen in NRW nieder

Denn der Konflikt erreicht auch die Schulen in Nordrhein-Westfalen. In einem Schreiben, das DER WESTEN vorliegt, weist das Schulministerium die Schulabteilungsleiter der Bezirksregierung auf die Problematik hin.

„Wir alle wissen, dass sich Spannungen zwischen türkisch- und kurdischstämmigen Schülerinnen und Schülern auch im Schulalltag beobachten lassen“, heißt es dort.

Schreiben nach Zwischenfall im Januar verschickt

Das Schreiben wurde bereits im Januar verschickt, als die türkische Militäroffensive gerade erst begann. Anlass war ein Zwischenfall an einer Schule in Nordrhein-Westfalen: „Jetzt hat uns die erste Nachricht aus einer Schule von einem Körperverletzungsdelikt mit erheblichen körperlichen Verletzungen für das Opfer erreicht“, heißt es in dem Schreiben.

Das Schreiben habe man nach dem Zwischenfall verschickt. Das bestätigte das NRW-Schulministerium gegenüber DER WESTEN. Nach dem Zwischenfall im Januar habe es aber keine vergleichbaren Vorfälle mehr gegeben, bestätigt ein Sprecher des Schulministeriums.

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Details und Ort des Vorfalls offen

Details und Ort des Vorfalls will das Schulministerium nicht nennen. „Bei dem Schreiben waren wir geleitet von der Sorge, dass die Schulen bei diesem Thema vielleicht Unterstützung brauchen“, so ein Sprecher des NRW-Schulministeriums. Es sei ein Angebot gewesen.

„Schulen sind Orte, an denen diese Konflikte nicht ausgetragen werden dürfen“, heißt es aus dem Schulministerium. Das Schreiben sei keinesfalls Kritik am bisherigen Vorgehen der Lehrerschaft gewesen.

NRW-Ministerium will Schulen helfen

Die Mail beinhaltet deshalb auch ein Hilfsangebot: „Ich bitte Sie, in geeigneter Form dafür Sorge zu tragen, dass Schulleitungen die Situation in ihrer Schule aufmerksam beobachten und die zur Verfügung stehenden Beratungsmöglichkeiten durch die Schulaufsicht, die schulpsychologischen Beratungsstellen oder aber auch das Landesteam für Schulpsychologie und schulpsychologisches Krisenmanagement (auch zuständig für Fragen der Gewaltprävention) frühzeitig nutzen, damit die Schule ein Ort des Miteinanders und des friedlichen Zusammenlebens bleibt.“

„Schule darf nicht zum Spielort für gewalttätige Auseinandersetzungen werden“ sagt auch Maike Finnern, stellvertretende Vorsitzende der Lehrer-Gewerkschaft GEW in Nordrhein-Westfalen.

„Solche Konflikte lassen sich aus der Schule nicht heraushalten“

Dass sie sich komplett vermeiden lassen, glaubt die Gewerkschafterin aber nicht. „Solche Konflikte lassen sich aus der Schule nicht heraushalten. Natürlich findet das statt“, sagt sie. „Auch, wenn so etwas selten in Gewalt ausartet.“ Trotzdem würden sich gesellschaftliche Entwicklungen an Schulen natürlich wiederspiegeln. „Die Schüler sehen sich den ganzen Tag. Da werden auch solche Konfliktthemen nicht dauerhaft ausgeblendet“, so Finnern.

Lehrer bräuchten deshalb mehr Unterstützung in ihrer alltäglichen Arbeit. „Mehr Schulsozialarbeiter sind gerade bei der Extremismusprävention wichtig.“

 
 

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