Voerde

NRW: Alleinerziehende Mutter klagt an – „DESWEGEN musste ich meinen Job kündigen“

Nina Schlossmann und ihre Tochter (6) aus Voerde in NRW.
Nina Schlossmann und ihre Tochter (6) aus Voerde in NRW.
Foto: imago images / Becker&Bredel; Privat; Montage DER WESTEN

Voerde. „Nine to five“ – dieses Arbeitszeitmodell ist für viele ein Traum. Auch für Nina Schlossmann (28) aus Voerde in NRW. Sie arbeitet im Einzelhandel. Bei ihr heißt es aber „Six to nine“. Denn von 6 bis 21 Uhr muss die Mutter einer Tochter (6) verfügbar sein. Schwierig, wenn man alleinerziehend ist. Noch schwieriger, wenn man keinen Betreuungsplatz findet. Das musste die Frau aus Voerde/NRW am eigenen Leib spüren. Irgendwann blieb ihr keine andere Wahl: Sie kündigte.

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Mutter aus NRW kämpft gegen Schicksalsschläge

Im Abstand von zehn Monaten verstarben die Großeltern von Nina Schlossmann. Eine Welt brach für die 28-Jährige zusammen. Sie waren ihr Halt, ihre Stütze im Alltag. Denn ihre Tochter war regelmäßig bei ihnen. Wenn die alleinerziehende Mutter arbeiten musste. Teilweise bis spät abends. „Wenn ich bis 21 Uhr arbeite, habe ich gar nichts von meinem Kind.“

Doch so lange die Großeltern diese Zeiten überbücken konnten, war das Kind gut aufgehoben. Nach dem Tod suchte die Mutter verzweifelt nach einer Lösung. Ihr Vater ist kurz nach der Geburt von Mara* gestorben. Zur eigenen Mutter hat sie seit Jahren keinen Kontakt. „Wir hatten nie ein gutes Verhältnis.“ Auch der Kindsvater muss arbeiten. Freunde sprangen ein – sind aber selbst berufstätig. Sie suchte sich Rat bei Behörden, versuchte einen Betreuungsplatz zu ergattern. Alles belegt. „Viele Alleinerziehende schaffen es irgendwie mit Patchwork-Lösungen. Manchmal helfen auch Nachbarn aus. Fällt aber eine Person weg, bricht das ganze System zusammen“, sagt Ute Zimmermann vom Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV).

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Auch auf Facebook postete Nina, suchte einen Babysitter. „Die verlangten aber viel mehr, als ich selbst verdiene.“ Teilweise wurde sie sogar beschimpft. „Die Leute schrieben, dass ich zu Hause bei meinem Kind bleiben soll.“ Dieser emotionale Druck lastete stark auf sie. Immer wieder ging sie zum Arzt. Der diagnostizierte ihr Depressionsschübe. Sie machte eine Mutter-Kind-Kur, um wieder Kraft zu sammeln.

„Irgendwann wusste ich nicht mehr weiter. Ich wollte Mara nicht jedes Mal zu jemand anderen bringen. Mir blieb keine andere Wahl: Ich musste meinen Job kündigen“, sagt die alleinerziehende Mutter. Denn die Firma, in der Nina arbeitete, hatte keine Kinderbetreuung. Auch war es nicht möglich, zu Zeiten zu arbeiten, an denen ihre Tochter in der Schule ist. „Das ist nichts Ungewöhnliches. Viele Alleinerziehende müssen ihren Job kündigen. Die bedarfsgerechte Kinderbetreuung ist ein sehr großes Problem“, so Zimmermann.

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Alleinerziehende in Zahlen:

  • In Deutschland leben rund 2,6 Millionen Alleinerziehende (Quelle: Stat. Bundesamt 2018)
  • Davon betroffen sind etwa 400.000 Väter
  • Jedes Jahr werden 300.000 Personen zu Alleinerziehenden (Quelle: VAMV NRW)
  • Die meisten Alleinerziehenden leben in Bremen (27,6 Prozent)
  • In NRW gibt es 566.000 Alleinerziehende

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Um diese Betreuungslücken zu schließen, hat der VAMV 2014 in Essen ein Projekt mit dem Namen „Sonne, Mond und Sterne“ gestartet. Dabei kümmern sich Ehrenamtliche um die Kinder, wenn die Betreuung in Schule und Kita endet, das Elternteil aber noch arbeiten muss. „Bisher haben wir 20 Familien betreut. Den Eltern geht es sichtlich besser, viele hatten psychische Probleme.“ Auch die Kinder sollen laut Zimmermann aufblühen. Sie sehen ihre Eltern als Vorbilder. „Es ist ein großer Unterschied, existenzsichernd arbeiten zu können oder sich über Zuwendungen zu finanzieren.“ Laut Zimmermann, soll das Projekt landesweit ausgebaut werden. Mehr zu „Sonne, Mond und Sterne“ findest du hier <<<

Mutter aus NRW: „Kinder sind keine Bestrafung, es fühlt sich aber so an“

„Ich habe es nicht gerne getan. Ich will arbeiten. Will für meine Tochter und nicht vom Amt abhängig sein.“ Gleichzeitig möchte Nina aber auch ihre Tochter sehen. Und nicht erst, wenn die Kleine schon schläft.

Die alleinerziehende Mutter schreibt mehrere Bewerbungen. Sucht einen Job mit Arbeitszeiten, die mit den Schulzeiten der Tochter harmonieren. Nach 20 Bewerbungen kommen zwei Absagen. Die anderen antworten gar nicht. „Ich glaube, wenn ich nicht angeben würde, dass ich eine Tochter habe, hätte ich schon eine Stelle.“ Nina habe sehr gute Noten und ein sehr gutes Arbeitszeugnis. „Kinder sind keine Bestrafung, es fühlt sich aber so an.“

Nina aus NRW wünscht sich einen Kinderhort

Das Problem sieht die Frau aus Voerde vor allem in der Politik und den gesellschaftlichen Strukturen. „Politische Maßnahmen und Leistungen zielen noch zu oft auf die klassische Paarfamilie ab und erreichen Alleinerziehende zu selten. Das muss endlich anders werden“, schreibt VAMV NRW-Vorstand Nicola Stroop. Für Eltern, die plötzlich alleinerziehend werden, hat der Verband einige Tipps. Alles dazu, findest du hier <<<

Nina wünscht sich einen Kinderhort direkt beim Arbeitgeber. Vor allem für Eltern, die keine andere Möglichkeit haben. Auch die Filialleitung sprach sie nach eigener Aussage darauf an. Doch weiter wurde das Thema nicht verfolgt. „Ich wäre auch bereit, meinem Arbeitgeber, dafür wieder Geld zurückzugeben.“

VAMV NRW 8 Forderungen an die Politik

Doch jetzt gibt es einen Hoffnungsschimmer. Nina aus Voerde hat einen Job gefunden. Die Zeiten passen. Aber: Sie muss sich von ihrem gelernten Beruf trennen. Ab dem 22. Januar startet sie als Betreuungskraft in für Senioren in Privathaushalten. Noch ein Aber: Sie verdient weniger Geld. „Das ist mir egal. Hauptsache, ich bin nicht vom Arbeitsamt abhängig und ich kann Zeit mit meiner Tochter verbringen.“

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*Name von der Redaktion zum Schutz des Kindes geändert.

 
 

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