Dinslaken

NRW: Theater-Intendant schlägt Alarm – „Wir sind permanent im Krisenmodus“

NRW: Die Corona-Pandemie birgt immense Herausforderungen für Mirko Schombert, Indentant der Burghofbühne Dinslaken.
NRW: Die Corona-Pandemie birgt immense Herausforderungen für Mirko Schombert, Indentant der Burghofbühne Dinslaken.
Foto: Aaron Tanzmann

Dinslaken. Eigentlich sollte im kleinen Vorführstudio der Burghofbühne Dinslaken (NRW) am Mittwoch eine Kindergartengruppe sitzen und ein Theaterstück anschauen. Stattdessen steht Intendant Mirko Schombert (40) allein auf der Bühne – und lässt den Raum dadurch sogar noch leerer als zuvor erscheinen.

Nur einen Tag zuvor kam die Ansage vom Ordnungsamt, dass mit eingehaltenen Hygienemaßnahmen maximal sechs Zuschauer erlaubt seien. Schombert und sein Team sagten die Aufführung ab. Kein Einzelfall in letzter Zeit. Das Corona-Jahr 2020 entwickelt sich für die Burghofbühne Dinslaken (NRW) und auch Intendant Schombert zu einer schier unerträglichen Belastungsprobe.

NRW: Theater-Intendant hofft auf finanzielle Hilfe – „Ohne wird es schwierig“

Seit 2014 arbeitet der gebürtige Essener an der Burghofbühne Dinslaken. Dort inszenieren er und rund 70 Mitarbeiter Theaterstücke, die anschließend von Bühnen im ganzen Land gebucht werden. „Ich gehe noch immer jeden Tag hoch motiviert zur Arbeit, weil ich diesen Job liebe“, sagt Schombert im Gespräch mit der WESTEN – aber „gerade die Situation jetzt im Oktober stellt uns beinahe täglich vor neue Herausforderungen. Wir sind permanent im Krisenmodus.“

Eine Absage nach der anderen flattert aktuell ins Büro. Die Theater, die eine Inszenierung aus Dinslaken gebucht hatten, bekommen coronabedingte Einschränkungen von den jeweiligen Gesundheitsämtern vorgeschrieben – und bei der Aussicht auf weniger erlaubte Zuschauer nehmen viele Bühnen lieber Abstand davon, einen fixen Pauschalpreis für ein Theaterstück zu zahlen.

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Für Schombert und sein Team bedeutet das Einbußen in Höhe von mindestens 50.000 Euro – und die Summe könnte sogar noch auf 140.000 Euro anwachsen. Die Umstellung auf Kurzarbeit habe zwar geholfen, „aber das reicht trotzdem nicht aus, um die Einnahmeverluste zu kompensieren.“ Zwar steht die Burghofbühne als institutionelle Einrichtung im Vergleich zu privaten Theatern und Freiberuflern noch verhältnismäßig gut da – doch auch für sie wird es ohne finanzielle Hilfe „schwierig“.

Keine Infektionsfälle unter Theaterzuschauern

„Wir spielen hier teilweise vor 30 bis 40 Leuten, wo sonst 400 gesessen haben“, so Schombert – und das auch in Räumlichkeiten, die selbst unter Corona-Bedingungen mehr Zuschauer erlauben würden. Als Grund vermutete er die größere Vorsicht des Publikums. Doch ist die Angst gerechtfertigt?

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Schombert verweist auf eine Aussage von Marc Grandmontangne, dem Direktor des Deutschen Bühnenvereins. Dieser sagte in einem WDR-Interview am 14. Oktober, dass dem Verein keine einzige Corona-Infektion im Zuschauerraum eines Theaters bekannt sei. „Man könnte fast sagen: Theater sind im Augenblick der sicherste Ort“, betont Intendant Schombert.

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Die Menschen über die effektiven Hygienekonzepte in Theatern zu informieren und ihnen die Angst zu nehmen, sie aktuell „die allerwichtigste Aufgabe“. Eine weitere Reduzierung der Platzkapazitäten, wie es etwa das Land NRW in Corona-Hotspots verlangt, gehe komplett in die falsche Richtung. Dinslaken gilt mit einem Inzidenzwert von 73,9 (Stand: 21. Oktober) als Risikogebiet.

Zweiten Lockdown könne man „nicht einfach so wegstecken“

Den Lockdown im Frühjahr hat Schombert als „sehr belastend“ und „beängstigend“ in Erinnerung. Die Mitarbeiter schrieben sich damals sogar in einer Whatsapp-Gruppe, wer wann in welchem Raum sei, um die Mindestabstände garantieren zu können. Erst, als im Sommer die ersten Aufführungen unter Auflagen wieder genehmigt wurden, machte sich ein „vorsichtiger Optimismus“ breit – doch der ist spätestens im Oktober wieder dem Pessimismus gewichen. „Wenn jetzt eine neue Absagewelle über uns hereinbricht, wird es echt düster“, meint Schombert.

Die Möglichkeit eines erneuten Lockdowns blendet der 40-Jährige am liebsten noch aus. Einen solchen könnte „dieses Theater nicht einfach so wegstecken“, gibt er zu. „Das Gefühl ist total beklemmend.“

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In der Kaffeeküche der Burghofbühne sitzen einige Mitarbeiter zusammen, natürlich auf Abstand und mit Maske. Sie scherzen und lachen miteinander – und laut Schombert sei das Team „glücklicherweise nach wie vor sehr motiviert.“ Dennoch: Die Unsicherheit, wie es hier in Dinslaken in den nächsten Tagen und Wochen weitergeht, ist an jeder Ecke zu spüren. (at)

 
 

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