NRW: „Unsicherheit ist Gift“ – Sperrstunde alarmiert Gastro-Verband

Essen: Mund- und Nasenschutz mit Sichtfenster

Eine Frau aus Essen hatte eine tolle Idee um Gehörgeschädigten Menschen zu helfen. Denn wegen der Maskenpflicht können sie die Lippen vom gegenüber nicht mehr lesen.

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„Wir stecken ja schon tief im Tal der Tränen“, sagt Thorsten Hellwig traurig. Der 46-Jährige ist Pressesprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) in NRW. Die Gastronomen in NRW stöhnen – und sehen für ihre Zukunft schwarz. Die neuen Regelungen könnten einige auch noch die letzten Reserven kosten.

Nach steigenden Corona-Zahlen hatte die NRW-Landesregierung am Sonntag die Reißleine gezogen und landesweite Maßnahmen für die Risikogebiete verkündet. Auch die ohnehin schon so stark gebeutelte Gastronomie muss sich auf weitere Einschränkungen einstellen.

NRW: Neue Corona-Regeln verschärfen Situation dramatisch

Täglich gibt es in NRW neue Risikogebiete, zuletzt überschritten Düsseldorf, Essen, Köln und Duisburg den kritischen Inzidenzwert von 50 Fällen je 100.000 Einwohner.

Am Montagabend wurden die neuen Regelungen von der Landesregierung per Erlass geltend gemacht. Nur etwa 24 Stunden, nachdem sie überhaupt vorgestellt worden waren. Eine der neuen Einschränkungen trifft auch die Gastronomie, die sich noch immer nicht von den wochenlangen Schließungen zwischen März und Mai erholt hat. Eine Hiobsbotschaft für viele Betreiber.

„Wir stecken ja schon im Tal der Tränen. Und die neuerlichen Maßnahmen machen es nicht besser, im Gegenteil. Sie verschärfen die Situation“, so DEHOGA-Sprecher Hellwig. Die Einschränkungen kommen dabei zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt.

„Die Maßnahmen treffen uns in unserem Kerngeschäft“

„In der Gastronomie haben wir aktuell den Wechsel von Außen- auf Innensaison. Durch die Platzbeschränkungen gehen im Schnitt etwa 40 Prozent der Plätze verloren. Dazu kommt eine Verunsicherung der Gäste durch die aktuelle Situation.“ Das alleine sei, so Hellwig, bereits ohne die neuen Regelungen „extrem herausfordernd“.

Einige Städte und Kommunen haben Restaurants und Gaststätten in einer Sonderverfügung erlaubt, über den Winter Heizpilze in ihrem Außenbereich aufzustellen. Diese gelten aufgrund ihres hohen CO2-Ausstoßes nicht gerade als umweltfreundlich. Die vielen wegfallenden Plätze im Innenbereich sollten dadurch etwas abgefangen werden. Doch bei einstelligen Temperaturen und Nieselregen ist der Außenbereich trotz Heizstrahler nur noch für wenige attraktiv.

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Hellwig sagt: „Die Maßnahmen treffen uns in unserem Kerngeschäft. Früher schließen, weniger Gäste, die zusammen sitzen dürfen, Alkoholverkaufsverbote.“ Er fordert von der Politik, dass alle Maßnahmen zunächst auf den Prüfstand müssten, um festzustellen, ob sie das Infektionsgeschehen tatsächlich „signifikant beeinflussen“ könnten oder es nicht sogar verschärfen – beispielsweise, wenn private Feiern zuhause ohne jegliche Kontrollen und Schutzregeln durchgeführt werden.

RKI-Studie: Nur 1,6 Prozent der Corona-Infektionen durch Gastro und Hotels

Der Gastronomie- und Hotelbereich spiele jedoch beim Infektionsgeschehen kaum eine Rolle, meint der Sprecher und weist auf eine Studie des Robert-Koch-Instituts hin. Demnach waren bei 55.000 untersuchten Corona-Infektionen lediglich 1,6 Prozent auf Gastronomie und Hotellerie zurückzuführen.

Die deutliche Forderung: „Corona-Maßnahmen müssen neu gedacht werden. Wir alle wollen einen zweiten rechtlichen Lockdown verhindern. Was wir aber auch nicht möchten, ist ein faktischer Lockdown. Sprich, wenn die Rahmenbedingungen einen wirtschaftlich sinnvollen Betrieb unmöglich machen.“

„Die Lage für viele Betriebe und Unternehmer bleibt sehr angespannt“, so der 46-Jährige. Dazu bestehe eine enorme Unsicherheit. „Wir wissen nicht, wann die Sperrstunden in den Kommunen kommen. Und wir haben noch keine Auskunft darüber, ob sie nur die Szeneviertel wie vielleicht das Bermuda-Dreieck in Bochum oder die Rüttenscheider Straße in Essen betreffen werden, oder das komplette Gemeindegebiet. Unsicherheit ist Gift für die Börse, sagt man. Für uns auch!“

Ausgestaltung liegt bei den Kommunen

Wie die neuen Regelungen hinsichtlich der Einschränkung der Öffnungszeiten oder möglicher Alkoholausschanks-Verbote aussehen werden, darüber entscheiden am Ende die Städte, Kommunen und Kreise selbst.

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Vom Gesundheitsministerium heißt es: „Die Ausgestaltung und Anwendung, zum Beispiel die konkrete Uhrzeit obliegt der jeweiligen Kommune im Rahmen der Allgemeinverfügungen.“ Düsseldorf hat als eine der ersten Städte bereits am Montagabend Nägel mit Köpfen gemacht. Hier müssen die Gaststätten um 1 Uhr schließen.

Doch dagegen regt sich Widerstand. Erste Betreiber kündigten bereits eine Klage dagegen an. (dav)

 
 

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