NRW: Frau wird als Kind von Stiefvater missbraucht – als sie ihren Namen ändern will, kommt die Wahrheit ans Licht

In NRW wurde eine junge Frau als Mädchen von ihrem Stiefvater missbraucht – erst nach zehn Jahren kommen die Taten zur Anklage. (Symbolfoto)
In NRW wurde eine junge Frau als Mädchen von ihrem Stiefvater missbraucht – erst nach zehn Jahren kommen die Taten zur Anklage. (Symbolfoto)
Foto: picture alliance/dpa

Eine junge Frau aus Menden in NRW wollte endgültig mit dem Geist ihrer Vergangenheit abschließen und den Namen ihres Stiefvaters ablegen.

Der soll die heute 23-Jährige vor über zehn Jahren sexuell missbraucht haben – doch erst jetzt werden die Taten vor dem Landgericht Hagen (NRW) verhandelt. Der erste Verhandlungstag hielt dabei eine unerwartete Wende bereit.

NRW: Mann vergeht sich 12 Mal an Stieftochter

Es sind schreckliche Vorwürfe, die gegen den gebürtigen Italiener Placido M. am Donnerstag vor dem Landgericht Hagen in NRW im Raum stehen.

Der heute 47-Jährige soll die Tochter seiner Ehefrau von 2009 bis 2011 immer wieder sexuell missbraucht haben – insgesamt 12 Taten listet die Staatsanwaltschaft auf. Wegen des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen, schweren sexuellen Missbrauchs und Körperverletzung droht Placido M. eine Haftstrafe von zwei bis 15 Jahren.

Er soll seine damals 11- bis 13-jährige Stieftochter an ihren Geschlechtsorganen berührt und sich an ihr gerieben haben, außerdem missbrauchte er sie mehrfach.

Die Familie lebte während der Taten in einer eigenen Wohnung in Iserlohn, zwischenzeitlich auch bei der Schwiegermutter des Angeklagten.

NRW: Missbrauchs-Opfer bricht sein Schweigen – und rudert dann zurück

Das minderjährige Mädchen schwieg über den Missbrauch – bis zu einer sexuellen Handlung durch den Stiefvater während ihrer Periode. Das Opfer hatte Angst, schwanger geworden zu sein, vertraute sich einer Schulfreundin an.

-----------------------------------------

Das ist das Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW):

  • das bevölkerungsreichste Bundesland mit 17.947.221 Einwohnern (Stand: Dezember 2019)
  • Landeshauptstadt: Düsseldorf
  • größte Stadt: Köln
  • seit 1949 ein Bundesland der Bundesrepublik Deutschland
  • Ministerpräsident ist Armin Laschet (CDU), Regierungsparteien sind CDU und FDP

-----------------------------------------------

Schließlich kam es zu einem Verfahren gegen Stiefvater Placido M. – das allerdings im Herbst 2011 eingestellt wurde, nachdem die Jugendliche auf Druck ihrer Mutter ihre Aussage zurückzog, erklärt Antonio Leone, Anwalt der heute 23-jährigen Frau, gegenüber DER WESTEN.

Trotzdem beendeten der Angeklagte und seine Ehefrau, die Mutter der Geschädigten, ihre Ehe und die Tochter kam in eine Pflegefamilie. Placido M. zog nach Leverkusen, heiratete erneut.

Sechs Jahre lang ruhten die Vorwürfe – bis das Mädchen als 20-Jährige ihren Namen ändern wollte und sich bei Anwalt Leone meldete.

+++ Corona-Lockdown in NRW: Experte sieht Jugend in Gefahr – „Es müsste JETZT etwas passieren!“ +++

NRW: Namensänderung rollt den Fall neu auf

Denn die Frau, die heute in Menden lebt, wollte den Nachnamen ihres Stiefvaters ablegen und dafür den Nachnamen ihres leiblichen Vaters annehmen – aber dafür braucht es in Deutschland einen „sehr triftigen Grund“, sagt Antonio Leone.

Bei einem Beratungstreffen im Jahr 2017 brach die junge Frau dann zusammen, erzählte dem Anwalt alles über die Vergangenheit, die sie vergessen wollte. Ende 2019 wurden die Ermittlungen gegen Placido M. erneut aufgenommen.

+++ Wetter in NRW: Nach Kältewelle mit Schnee und Eis – jetzt warnen Meteorologen vor neuer Gefahr +++

Vor dem Landgericht Hagen will sich der Angeklagte am Donnerstag nicht äußern, gegenüber DER WESTEN beteuert er aber zunächst seine Unschuld: „Ich würde so etwas nie tun.“

NRW: Anwalt des Angeklagten lässt vor Gericht die Bombe platzen

Doch zum Ende des ersten von zwei Verhandlungstagen lässt Roland Pohlmann, der Anwalt von Placido M., plötzlich die Bombe platzen: Sein Mandat räume die Taten ein, zwar könne er sich nicht konkret an die Abläufe erinnern, „aber die Taten haben stattgefunden“. Placido M. wäre auch bereit, sich bei seinem Opfer zu entschuldigen.

------------------

Mehr News aus NRW:

-----------------------

Der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz hat Verständnis für die Erinnerungslücken, pocht trotzdem auf eine Aussage des Angeklagten beim nächsten Verhandlungstermin: „Ein bisschen Erinnerung sollte schon noch da sein“, stellt er klar. Die Staatsanwaltschaft fordert trotz des Geständnisses eine Gefängnisstrafe von mindestens fünf Jahren, die Taten des Angeklagten waren „erhebliches Unrecht“, für das er zur Verantwortung gezogen werden soll.

Opfer-Anwalt Leone hätte mit dem Geständnis von Placido M. nicht gerechnet, aber: „Das war etwas, was ich mir erhofft habe.“ So bleibe seiner Mandantin eine Aussage vor Gericht erspart. Ob die junge Frau aus NRW eine Entschuldigung ihres Peinigers annehmen würde, kann er nicht einschätzen.