NRW: Bandidos ballerten auf Kontrahenten – Eskalation im Hagener Rocker-Krieg hat Folgen

NRW: Sechs Rocker müssen sich im August vor dem Landgericht Hagen verantworten. (Symbolbild)
NRW: Sechs Rocker müssen sich im August vor dem Landgericht Hagen verantworten. (Symbolbild)
Foto: Imago images

Mit äußerster Brutalität und Waffengewalt sollen sechs Männer der Rockergruppierung „Bandidos MC“ ihren Machtanspruch in Hagen (NRW) versucht haben durchzusetzen. Auch vor der Tötung von Kontrahenten sollen sie nicht zurückgeschreckt sein.

Im August müssen sich Carlo T. (46), Björn K. (40), Abdullah Ü. (33), Thomas S. (53), Nicolas Daniel B. (27) und Filat G. (32) jetzt vor dem Hagener Landgericht verantworten.

NRW: Bandidos wird der Prozess gemacht

Die Anklage hat es in sich. Fünf der Angeklagten sollen Mitglieder der Bandidos in Hagen (NRW) gewesen sein. Carlo T., Thomas S. und Abdullah Ü. sollen sogar Führungspositionen im April 2018 gegründeten Hagener Chapter innegehabt haben.

Einzig Filat G. war laut Staatsanwaltschaft kein Bandidos-Mitglied, sondern Präsident des Motorrad-Clubs „Iron Bloods 58“, einem Supporter-Club der Bandidos. Auch er soll die Bandidos unterstützt und selbst eine Mitgliedschaft angestrebt haben.

Ihr Ziel soll gewesen sein, den Machtanspruch der Bandidos in Hagen durchzusetzen. Insbesondere gegenüber der verfeindeten Rockergruppierung Freeway Riders MC.

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Mehr Hintergründe:

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Im Juni 2018 stürmten drei der Angeklagten mit weiteren Bandidos in das „Privilege Lounge“ in Hagen. Hier trafen sie auf einen Mann, der ein T-Shirt mit der Aufschrift „81 Supporter“ trug, was auf seine Unterstützung der Hells Angels hindeutete. Sie sollen ihn gezwungen haben, das T-Shirt auszuziehen, was er nicht sofort tat.

Also verliehen sie ihrem Willen Nachdruck. Einer der Angeklagten soll dazu einen kleinen Tisch in seine Richtung geworfen haben und den verfeindeten Rocker mit Pfefferspray besprüht haben. Am Ende soll der Hells-Angels-Sympathisant das Shirt ausgezogen und an eine andere Person übergeben haben.

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Schüsse auf Kontrahenten

Am 28. September 2018 spitzte sich der Rocker-Krieg in Hagen weiter zu. Fünf der Angeklagten sollen an der Ecke Bergischer Ring/Bergstraße das Auto eines Freeway Riders entdeckt haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Bandidos den Plan fassten, den verfeindeten Rocker zu töten. Dazu waren zumindest zwei von ihnen mit Schusswaffen ausgerüstet.

Als der Freeway Rider versuchte mit seinem Wagen zu flüchten, sollen die Bandidos mit Schlagstücken auf den Wagen geschlagen haben. Abdullah Ü. soll mindestens einmal auf den Flüchtenden geschossen haben. Der Schuss traf aber nur die Stoßstange. Weitere Schüsse verfehlten den Wagen.

Am darauffolgenden Tag soll wieder Abdullah Ü. bei einem Drive-By-Shooting mit einer Schusswaffe eines 22er-Kalibers aus einem Auto heraus auf einen verfeindeten Rocker geschossen, ihn jedoch verfehlt haben.

Anschließend soll er gewendet haben und drohend mit der Waffe in der Hand an dem Konkurrenten vorbeigefahren sein.

Rockern drohen bis zu 15 Jahre Knast

Die Ermittler fanden bei Wohnungsdurchsuchungen auch Kokain, einen Schlagring und einen Elektroschocker bei den Bandidos-Mitgliedern.

Wegen versuchtem Mord droht den Rockern bis zu 15 Jahre Gefängnis. Das Verfahren am 10. August wird mit einem Polizei-Großaufgebot und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen starten. Das Tragen von Rocker-Kutten ist in und um den Sitzungssaal untersagt.

In dem Mammutverfahren sind 32 Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil ist für November 2020 vorgesehen.

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Trügerische Ruhe im Milieu

Zuletzt waren den Ermittler einige Fahndungserfolge gegen Rockergruppierungen in NRW gelungen. Auch in Köln gab es Festnahmen. Das führt zu einer scheinbaren Ruhe im Rocker-Milieu.

„Vordergründig ist es im Rocker-Bereich ruhiger, aber das ist vor allem dem Umstand geschuldet, vor einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes keinen Schaden für das Kuttentrageverbot anzurichten“, sagte LKA-Chefermittler Thomas Jungbluth gegenüber DER WESTEN.

Vielen Rockergruppen war durch das neue Vereinsgesetz untersagt worden, in der Öffentlichkeit mit ihren Kutten aufzutreten. Dagegen haben sie Beschwerde eingelegt. Ein Urteil steht noch aus.

„Es brodelt natürlich nach wie vor in der Szene. Je nachdem wie das Gericht entscheiden wird, wird man sich neu ausrichten. Dann wird es eine Reaktion geben, da bin ich mir ziemlich sicher“, so der LKA-Ermittler. (ms)

 
 

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