NRW: Problemfamilien in Corona-Not – Experte: „Wir hoffen, dass ...“

Das Coronavirus hat NRW im Griff. Doch wie gehen Jugendämter nun mit betroffenen Familien um? (Symbolbild)
Das Coronavirus hat NRW im Griff. Doch wie gehen Jugendämter nun mit betroffenen Familien um? (Symbolbild)
Foto: imago images

Essen / Oberhausen. „Für viele Familien ist es völlig ungewohnt, mit ihren Kindern eine längere Zeit zu verbringen“, sagt Ulrich Engelen zur jetzigen Corona-Situation in NRW. Der Fachbereichsleiter des Jugendamtes Essen weiß, dass die Kinderbetreuung zuhause schnell zur Belastungsprobe werden kann. Nicht nur für sogenannte „Problemfamilien“, sondern auch für jede normale Familie.

Wie gehen die Jugendämter angesichts von Corona-Zeiten in NRW nun mit der neuen Situation um? Wie wird die Hilfe für „Problemfamilien“ aufrecht erhalten? DER WESTEN hat bei den Leitern der Jugendämter in Essen und Oberhausen nachgefragt.

NRW: Problemfamilien in Corona-Not - „Wir hoffen, dass ...“

Die Stadt Essen betreut beispielsweise „weit über 1000 Familien“, die eben jene ambulante Erziehung benötigen, weil sie mit ihren Kindern überfordert sind. Und das Jugendamt ist in diesen Zeiten auch weiterhin für die Familien da. „Wir sind auf Krisenzeiten eingestellt und können dementsprechend reagieren“, verdeutlicht Engelen, indem er auf die Flüchtlingswelle im Jahr 2015 verweist. Und macht deutlich: „Familien werden nicht allein gelassen.“

Auch Ertunc Deniz, Jugendamtsleiter bei der Stadt Oberhausen, pflichtet dem bei. Beide Experten geben zu, dass die Behörden vor neuen Herausforderungen stehen, „Die Beziehungsarbeit vor Ort ist heruntergefahren“, so Deniz. Termine würden nur in Ausnahmefällen vis-à-vis ausgemacht.

Die Kontaktform habe sich in der Coronakrise geändert. Man sei aufs Telefon oder auch auf Videoanrufe umgestiegen. Und wenn es sich nicht vermeiden lässt, dann gibt es auch persönliche Gespräche vor Ort. „Da werden dann die geltenden Hygieneregeln eingehalten: regelmäßiges Händewaschen und Abstand halten“, so Deniz.

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Die Jugendämter und Sozialdienste seien in beiden Städten „gut aufgestellt“, arbeiten in verschiedenen Teams. Sollte jemand in Team A am Coronavirus erkranken, springt Team B ein.

Doch wenn es um die Kindeswohlgefährdung gehe, fahren die Mitarbeiter selbstverständlich weiterhin immer raus und greifen jederzeit ein. Der Kinderschutz stehe an oberster Stelle. Über die Notrufnummern seien die Jugendämter beider Städte zudem rund um die Uhr erreichbar.

Doch kann es sein, dass im Lagerkoller zuhause der Zorn Überhand nimmt und die häusliche Gewalt an Kindern ansteigt? Zahlen können die beiden Experten noch nicht liefern. Die Erfahrungen haben sie in der kurzen Zeit schlichtweg noch nicht sammeln können. „Wir hoffen inständig, dass es nicht dazu kommt“, sagt Deniz.

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Ertunc Deniz erklärt, dass das Jugendamt genau wie alle anderen Träger weiterhin mit den bekannten „Problemfamilien“ vernetzt sei. „Die haben wir im Blick“, nur neue Problemfälle seien nun schwieriger zu ermitteln.

Engelen: „Natürlich haben wir Sorge, dass sich das in der ein oder anderen Familie zuspitzen könnte. Wir hoffen, dass wir es nicht zu spät mitbekommen.“ Denn die Kontrollinstanzen wie die Schule oder Kita, die sonst Hinweise ans Jugendamt geben, fehlen nun völlig. Auch sei es schwieriger für Nachbarn anonyme Meldungen zu machen, wenn diese durch die Kontaktsperre nicht mehr so viel mitbekommen.

Experten appellieren an Nachbarn: „Meldet euch!“

Deshalb appellieren sie an die Menschen wachsam zu sein und sich zu melden, sollten sie etwas in ihrem Umfeld bemerken. „Wir hoffen darauf, dass Nachbarn sich melden!“, machten beide Leiter klar. Die Notfallnummern der Stadt Oberhausen findest du hier. Die Nummer des Kindernottelefons der Stadt Essen lautet 26 50 50.

Wenn Eltern sich überfordert fühlen und nicht mehr weiter wissen, können sie sich auch an die psychologische Beratung der Stadt wenden. Die Stadt Oberhausen hat alle Kontakte auf ihrer Homepage aufgelistet. Hier findest du wichtige Kontakte der Stadt Essen.

 
 

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