Düsseldorf

NRW: Phantombildzeichner verrät – Frau sieht das Bild ihres Peinigers und reagiert SO

So entsteht ein Phantombild

Ingo von Westphal ist Phantombildzeichner. Uns hat er erklärt, wie ein Phantombild entsteht.

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Düsseldorf. Vor diesem Mann und seinem Stift zittern die Ganoven und Verbrecher in NRW!

Kriminalhauptkommissar Ingo von Westphal (55) ist Phantombildzeichner beim Landeskriminalamt in Düsseldorf. Vergewaltiger, Räuber oder Einbrecher - wenn Opfer oder Zeugen einen unbekannten Täter bei einer Straftat gesehen haben, dann kommt nicht selten er ins Spiel.

NRW: Phantombildzeichner erklärt seinen Job

Ein, zwei Tage nach einer Tat trifft sich der LKA-Experte dann mit dem Opfer oder Zeugen, dazu ist er in ganz NRW unterwegs. „Wir treffen uns in der Polizeibehörde. Denn zu Hause gibt es in der Regel zu viel Ablenkung für die Zeugen oder das Opfer“, erklärt der 55-Jährige.

Dann hat Ingo von Westphal sein Tablet und seinen Stift dabei. Vorbei sind die Zeiten, in denen Phantombilder mit dem Bleichstift per Hand gezeichnet oder in Schablonen zusammengesetzt wurden.

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Früher arbeiteten Phantomzeichner mit einem Buch, in dem Frisuren, Schnäuzer oder Lippenformen enthalten waren. Mithilfe dieser Bücher wurde ein Phantombild erstellt. „Der Vorteil war: Wenn man in Düsseldorf ein Bild erstellt hat, konnte man dieses Bild relativ schnell nach München übermitteln.“ Ganz ohne Mail und Fax wurden telefonisch die Daten durchgegeben. E44, N7 und M34 - hieß es dann und das Gesicht des Gesuchten konnte mit Schablonen zusammengesteckt werden.

Auswahl aus 5000 Gesichtern

Heute zeigt Hauptkommissar von Westphal seinen Zeugen nicht mehr bloß einzelne Gesichtspartien, sondern fiktive Gesichter aus einer 5000 Seiten großen Datenbank - sortiert nach Geschlecht, Alter und ethnischen Zugehörigkeiten.

Daraus sucht der Zeuge sich die Gesichtselemente raus, die er wiedererkennt. Dann geht es in die sogenannte Experimentierphase. Hier arbeitet sich von Westphal von der Kopfform, über die Haare bis zum Gesicht vor. Wie ein Puzzleteil wird das Phantombild in Photoshop zusammengesetzt und mit ein paar Strichen verfeinert.

„Fertig, das ist er“, wenn das der Zeuge sagt, weiß von Westphal, dass die Arbeit vollbracht ist.

Eineinhalb bis zwei Stunden braucht er in der Regel für ein Phantombild. Die Reaktionen der Zeugen und Geschädigten darauf sind mitunter komplett verschieden: „Mir hat schon jemand voller Verachtung aufs Tablet gespuckt, als sie das fertige Phantombild gesehen hat.“

Auch in Erinnerung geblieben ist eine Frau, die beim Anblick ihres Peinigers unter den Tisch geklettert ist oder Zeugen, die Weinkrämpfe bekommen haben.

Empathie wichtigste Eigenschaft

Kein Wunder, dass der 55-Jährige nicht zeichnerisches Vermögen als die wichtigste Eigenschaft seiner Tätigkeit sieht, sondern Empathiefähigkeit.

„Jeder Mensch ist anders, viele sind traumatisiert nach Vergewaltigungen, Raub oder Einbrüchen. Da kommt es drauf an, wie wir mit Zeugen umgehen.“

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Kinder sind nach von Westphals Erfahrung die objektiveren Zeugen. „Aufgrund ihrer fehlenden Lebenserfahrung werten sie weniger“, so von Westphal. Auch hat er die Erfahrung gemacht, dass unterschiedliche Berufsgruppen Details besser beschreiben können. „Die Friseurin kann die Haare genauer beschreiben, der Optiker die Brille.“

Das typische Bösewicht-Gesicht gibt es laut von Westphal nicht. Dass die meisten Phantombilder grimmig ausschauen, liegt dabei in der Natur der Sache. „Die Täter sehen aus Opfersicht bei der Tatausführung böse aus.“ Es gäbe aber auch Fälle, wo Opfer von Westphal erklären, dass der Täter so nett ausgesehen habe. Dann versucht der Zeichner das aufzugreifen. Denn er zeichnet die Gesuchten so, wie sie zur Tat gesehen und beschrieben wurden.

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Nicht alle Bilder erscheinen in den Medien

25 bis 30 Prozent schätzt von Westphal die Erfolgsquote. „So genau lässt sich das nicht sagen. Denn nicht alle Bilder werden in den Medien veröffentlicht“, so der LKA-Experte. Umso größer ist dann die Freude, wenn mit seiner Hilfe Kriminelle geschnappt werden können. So wie im Fall eines mysteriösen Angriffs auf eine Seniorin auf einer Parkbank in Essen vor zwei Jahren. Mithilfe seines Fahndungsbildes erkannte ein Mann eine junge Obdachlose, die er bei sich aufgenommen hatte. Die damals 21-Jährige konnte in Bonn festgenommen werden.

„Dann freue ich mich“, sagt von Westphal bescheiden und fügt an: „Aber das ist ja unsere Aufgabe.“

 
 

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