Düsseldorf

NRW: Mutmaßlicher Terrorist bricht in Tränen aus – irrer Prozess in Düsseldorf!

Sabri B. A. (39) soll aus NRW nach Syrien gegangen sein, um in den Krieg zu ziehen.
Sabri B. A. (39) soll aus NRW nach Syrien gegangen sein, um in den Krieg zu ziehen.
Foto: DER WESTEN

Düsseldorf. Sabri B.A. (39) und der Terror – zwischen ihnen soll es eine langjährige Historie geben. In Syrien soll der 39-Jährige die Terrorgruppe „Ahrar ash-Sham" unterstützt haben – mit militärischer Ausrüstung, Hilfsmitteln und Geld. Seit vergangenem Jahr sitzt er deswegen in Haft.

Im Internet veröffentlichte der Mann aus NRW Propaganda-Videos für den IS. Am Donnerstag begann vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf (NRW) der Prozess gegen den 39-Jährigen aus Köln.

NRW: Mutmaßlicher Terrorist bricht in Tränen aus

Das rustikale Gebäude, in dem der Prozess gegen Sabri B. A. geführt wird, hat mit dem altehrwürdigen Hauptgebäude des Oberlandesgerichts in der Innenstadt von Düsseldorf nicht viel gemein. Der Hochsicherheitstrakt des Gerichts, etwa fünf Kilometer vom Hauptgebäude entfernt, gleicht eher einer Festung, umgeben von einem grauen Zaun, Stacheldraht und vielen Kameras.

Drinnen gibt es eine Sicherheitsschleuse, der Zuschauerbereich ist abgesperrt. Nicht nur die Zuschauer sitzen hinter einer durchsichtigen Wand. Auch der Terrorverdächtige Sabri B. A. befindet sich hinter einer dicken Glasscheibe.

Ganz ruhig sitzt er auf der Anklagebank, trägt einen schicken Anzug, sein Bart ist akkurat getrimmt. Er würde inmitten der Geschäftsmänner im Düsseldorfer Medienhafen wohl kaum auffallen. Doch B. A. ist alles andere als ein unscheinbarer Geschäftsmann.

Unterstützung von Terror-Gruppierungen

Er soll den Terror in Syrien unterstützt haben. Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet auf Unterstützung einer terroristischen Aktion sowie Mitgliedschaft und Beteiligung. Zwischen März und September 2014 soll er der Gruppe „Ahrar ash-Sham" geholfen haben. Jene Gruppe ist in Deutschland als Terrororganisation eingestuft. Im Internet warb B.A. zudem für den Islamischen Staat.

Übersetzt bedeutet „Ahrar ash-Sham" etwa „Islamische Bewegung der freien Männer in Syrien“. Die islamistische Miliz kämpft seit 2011 gegen die syrische Armee im Bürgerkrieg - für einen Islamischen Staat mit Scharia als Rechtsgrundlage. Mit zwischenzeitlich rund 20.000 Kämpfern ist sie eine der größten Einheiten der Syrisch Islamischen Front.

Anwalt kritisierte Anklage

Sabri B. A. soll einer Teilgruppe der Terrororganisation im Jahr 2014 Ausrüstung im Wert von mehreren zehntausend Euro beschafft haben. Darunter Nachtsichtgeräte, Minensuchgeräte, Kampfschwerter und –messer. Zwischen Mai und August 2014 soll er zudem ein militärisches Ausbildungslager der besagten Gruppierung besucht haben und dort im Kampf ausgebildet worden sein.

Auch seine IS-Propaganda-Videos spielen bei der Anklage eine Rolle. In fünf Fällen soll er übers Internet und verschiedene Social-Media-Kanäle radikal-islamistische IS-Propaganda veröffentlicht und verbreitet haben. Rund sechs Jahre später wird ihm nun dafür der Prozess gemacht.

Die Anklage stützt sich dabei vor allem auf Aussagen anderer Unterstützer der Organisation. Der Anwalt von B.A. kündigte am ersten Prozesstag an, dass sich sein Mandant erst nach der Anhörung des ersten Zeugen vor Gericht einlassen werde. Deswegen wurde am ersten Prozesstag am Donnerstag lediglich die Anklageschrift gegen den 39-Jährigen verlesen. Im Anschluss kritisierte sein Verteidiger, dass die Anklage nicht konkret genug ausgeführt sei.

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Als Beispiel sprach er von den 80.000 Euro, von denen sein Mandant Ausrüstung gekauft und nach Syrien geschafft hätte. Woher das Geld überhaupt stamme, gehe aus der Anklage der Staatsanwaltschaft nicht hervor. Da viele Angehörige der radikal-islamischen Szene nur über geringe finanzielle Mittel verfügen würden, könne er sich kaum vorstellen, dass dort bei der Sammlung von Spenden innerhalb kurzer Zeit so eine große Menge Geld zusammengekommen sei.

Am Freitag hatten sowohl Anklage als auch Verteidigung auf eine Aussage des Zeugen Mirzaa Tamoor B. (63) gehofft. B. wurde im April 2017 zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und drei Monaten verurteilt, sitzt seitdem in der Justizvollzugsanstalt in Bielefeld. Er hatte ebenfalls die Terrorgruppe „Ahrar ash-Sham“ unterstützt – wie Sabri B. A.

Der 63-Jährige hatte bei der Sammlung von Spenden am Telefon für die Terrororganisation mehrfach Sabri B. A.s Namen genannt und mit ihm geworben. Vor Beginn der Verhandlung schickte er jedoch einen Brief an den in Untersuchungshaft sitzendenden Angeklagten. In dem Schreiben räumt Mirzaa Tamoor B. ein, dass er mit B.A.'s nur vor potentiellen Spendern hätte angeben wollen. Ist das die Wahrheit oder nur ein Versuch, einen Verbündeten zu schützen?

Paukenschlag im Zeugenstand

In dem Brief erklärt er dem Angeklagte, dass ihm gar nicht bewusst gewesen sei, dass sich aus den Telefonaten rechtliche Konsequenzen ergeben könnten. Er habe „viele falsche Sache[n]“ erzählt und bat um Entschuldigung. Er sei bereit, „im Gericht Wahrheit zu sprechen“.

Doch am Freitag kam es zur faustdicken Überraschung: Der 63-Jährige verweigerte jede Aussage zu dem Fall! Mirzaa Tamoor B. wurde bereits wegen der Unterstützung von „Ahrar ash-Sham" verurteilt, nicht aber für eine Mitgliedschaft. Eine Aussage zur Art der Unterstützung der Terrorgruppierung durch Sabri B. A. hätte demnach auch mehr über seine eigene Rolle in der Organisation verraten und möglicherweise ein neues Strafferfahren nach sich gezogen. Deswegen wurde B. ein Zeugnisverweigerungsrecht eingeräumt – von dem er Gebrauch machte.

Vor allem bei dem Angeklagten löste der Rückzieher eine heftige Reaktion aus. Er griff in seine Tasche und zog mehrere Bilder hervor: „Das sind meine Kinder“, sagte er mit brüchiger Stimme, „die ich nur mit einem Krankschreiben sehen kann. Meine Mutter, die ich seit neun Monaten nicht gesehen habe.“ Nach seinem emotionalen Ausbruch nahm er die Brille ab, um seine Tränen wegzuwischen.

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Auch die Verteidigung griff den Zeugen danach scharf an, bezeichnete ihn als „unaufrichtig und feige“, „großspurig im Reden, wenn er nichts zu verlieren hat, aber mickrig wenn es darum geht, die negativen Spuren seines Handels aus der Welt zu schaffen.“ Die Vorsitzende Richterin sagte, die Nicht-Aussage von B. sei „nicht zu erwarten“ gewesen und schloss die Verhandlung.

Bekannter Protagonist der Salafistenszene

Der Angeklagte gilt als einer der bekanntesten Protagonisten der Salafistenszene in Deutschland. Auf Sozialen Medien warb er in Videos für den Kampf in Syrien, bezeichnete sich selbst auch als „Cyber-Dschihadist“. Seine ersten Propaganda-Videos lassen sich auf das Jahr 2010 datieren. 2012 ging er öffentlich verbal Presse und Journalisten an. Noch immer finden sich auf YouTube Videos mit teils radikalen Botschaften.

Im Jahr 2016 ließ ein aufgezeichnetes Telefongespräch von Sabri B. A. beim Landeskriminalamt alle Alarmglocken angehen. Denn am anderen Ende der Leitung soll niemand anderes als Sheikh Abu W. gewesen sein, damals der mutmaßlich höchste Kopf des IS in Deutschland. Auch Abu W. muss sich derzeit vor dem Oberlandesgericht in Celle verantworten. Seit 2017 läuft der Prozess gegen den Mann aus dem Irak.

Wegen seiner Sympathien für den IS kam es später in Deutschland bereits zu einem handfesten Streit zwischen Sabri B. A. und Pierre Vogel. Vogel gilt als einer der einflussreichsten Prediger in der Salafismusszene in Deutschland, spricht sich aber gegen den IS aus. Einige Jahre zuvor soll sich B. A. erst im Kreis um die Salafisten-Prediger Vogel und Sven Lau radikalisiert haben.

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Der nächste Fortsetzungstermin vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf findet am 26. Februar statt. Ob sich Sabri B. A. an diesem Termin zu den Vorwürfen äußern wird, war am Freitag jedoch noch nicht klar. (dav)

 
 

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