NRW: Mafia-Prozess mit nächstem Corona-Aufreger – Verteidiger spricht plötzlich von „Superspreader-Event“

Die Paten von Rhein und Ruhr - die Mafia in NRW: So operiert die Ndrangheta

Die Paten von Rhein und Ruhr - die Mafia in NRW: So operiert die Ndrangheta

Die Ndrangheta ist die mächtigste Mafia der Welt. Auch in NRW operiert sie.

Beschreibung anzeigen

Erst der Corona-Schock, dann die Mammut-Anklage!

Der Ndrangehta-Prozess in Düsseldorf (NRW) steht bislang unter keinem guten Stern.

Vor zwei Wochen war Deutschlands größter Mafia-Prozess in Düsseldorf vertagt worden, weil die Mutter eines Angeklagten positiv auf das Coronavirus getestet worden war und dieser kurz vorher Kontakt zu ihr hatte. Hier mehr dazu

NRW: Mafia-Prozess wegen Corona erneut unterbrochen

Jetzt sollte es endlich losgehen. Doch gerade als die Anwesenheit der Angeklagten vom Vorsitzenden Richter Jens Luge überprüft wurde, musste das Verfahren plötzlich unterbrochen werden. Grund war ein Anruf, der bei der Staatsanwaltschaft eingegangen war. „Es geht um Corona“, erklärte Oberstaatsanwalt Uwe Mühlhoff. Ein Raunen im Prozesssaal .

Wie sich herausstellte, war sein ebenfalls anwesender Kollege Dr. Buchholz vergangenen Mittwoch bei einer Polizeidurchsuchung unterwegs mit einem Polizisten, der am Montag ein positives Testergebnis erhielt. Wie Mühlhoff anschließend erklärte, saßen die beiden auch noch im gleichen Polizeiauto. „Er hatte keine Symptome“, so Mühlhoff.

-------

Mehr zum Mafia-Prozess:

Duisburg: Paukenschlag bei Mafia Prozess gegen 'Ndrangheta-Mitglieder – DAS sorgt für einen Abbruch

Mafia-Krimi in NRW: Auf der Spur der Ndrangehta

-------

Wie sich herausstellte, war Staatsanwalt Dr. Buchholz vergangenen Mittwoch bei einer Polizeidurchsuchung unterwegs mit einem Polizisten, der am Montag ein positives Testergebnis erhielt. Wie Staatsanwalt-Kollege Uwe Mühlhoff erklärte, saßen die beiden auch noch im gleichen Polizeiauto. „Er hatte keinen engeren Kontakt und keine Symptome“, so Mühlhoff.

Mafia-Prozess als ‚Superspreader-Event‘?

Der betroffene Staatsanwalt begab sich sofort freiwillig in Selbstisolation. Doch wie Umgehen mit der Nachricht? Der Vorsitzende Richter wollte weiterverhandeln. Doch mehrere Anwälte stellten einen Antrag für eine erneute Unterbrechung des Verfahrens. „Nach dem Prozessauftakt hieß es in den Medien ‚Mafia-Mama hat Corona‘. Wenn wir hier weitermachen, heißt es dann ‚Mafia-Prozess wird zum Superspreader-Event‘“, warnte Verteidiger Gabor Subai. Doch Corona-Schnelltests bei den drei Staatsanwälten brachten Entwarnung.

--------------------------

+++ Echter Mafia-Krimi mitten in NRW: Undercover-Ermittler auf den Spuren der ´Ndrangheta – plötzlich bekommt er ein heikles Angebot +++

+++ Whatsapp der Gangster: Mit diesem Messenger kommunizieren Drogenbanden und die Mafia +++

+++ NRW: Pizzeria mit Hakenkreuzen beschmiert und verwüstet – doch ausgerechnet SIE stecken dahinter! +++

--------------------------

„Mafia & Co KG“ sollen Drogen aus Südamerika nach Europa geschmuggelt haben

Nach einer Unterbrechung kam es am Nachmittag dann doch noch zur Vorlesung der Anklageschrift. Mit 659 Seiten hatte die es in sich. Den 14 Angeklagten wird vor allem Kokainhandel im großen Stil vorgeworfen. Fünf von ihnen sollen Mitglieder der Ndrangheta gewesen sein, weitere fungierten laut Anklage als Unterstützer. Die von der Staatsanwaltschaft „Mafia & Co KG“ getaufte Gruppierung soll Drogen aus Südamerika nach Europa geschmuggelt haben, hier mit speziell präparierten Fahrzeugen von den Häfen in den Niederlande und Belgien Richtung Italien transportiert haben. Eiscafés und Restaurants dienten ihnen laut Anklage als Stützpunkte und Einnahmequelle – auch mithilfe von Versicherungsbetrügereien.

Staatsanwalt spricht von „komplexem Großlogistikunternehmen“

Staatsanwalt Mühlhoff sprach von einem „komplexen Großlogistikunternehmen“ und einer „internationalen Parallelökonomie“. Die Ndrangheta-Mitglieder bekamen laut Staatsanwaltschaft durch die türkischstämmigen Angeklagten nicht nur Kurier-Fahrzeuge, sondern auch Geld zur Verfügung gestellt. Der Angeklagte Serkhan B. soll den Ndrangheta-Mitgliedern für einen Zinssatz von 24 Prozent Geld geliehen haben. Die Rede ist insgesamt von mehr als 500.000 Euro.

Da B. selbst nicht über diese Summe verfügte, soll er weitere Bekannte eingespannt haben. Doch da immer wieder Kuriere mit Drogen auf dem Weg über die Alpen von den Ermittlern abgefangen wurden, blieben mit der Zeit Rückzahlungen der Ndrangheta zunehmend aus. Daher, so die Anklage, entschlossen sich die türkischstämmigen Angeklagten mit Kontakten in die Kölner Unterwelt selbst ins Drogengeschäft einzusteigen.

Operation Pollino beendet Drogengeschäfte

Europäische Ermittler aus Niederlanden, Deutschland und Italien beschatteten die Angeklagten über Jahre, hörten ihre Telefone ab, entschlüsselten verschlüsselte Kryptonachrichten und schleusten einen verdeckten Ermittler in die Gruppe ein. Den Machenschaften der Gruppierung machten die Ermittler im Dezember 2018 im Zuge der „Operation Pollino“ ein Ende. Der Prozess soll am Freitag fortgesetzt werden. Ein Urteil ist für Ende 2021 vorgesehen.