NRW: Mafia-Bande schmuggelt mit DIESEM Trick tonnenweise Kokain – der Wert der Drogen ist unglaublich

Bei einem großangelegten Schlag gegen die Mafia in NRW wurden unter anderem kiloweise Kokain sichergestellt.
Bei einem großangelegten Schlag gegen die Mafia in NRW wurden unter anderem kiloweise Kokain sichergestellt.
Foto: dpa/Polizei Köln

Köln. Es war noch dunkel, als am 6. Dezember vergangenen Jahres Spezialkräfte der Polizei Pizzabäcker Mario Salvatore A. (46) aus dem Bett warfen.

In seiner Osteria in Pulheim backte der Chef noch selbst, präsentierte auf Facebook stolz die 700 g schwere Familien-Pizza aus dem Steinofen. Doch die Ermittler kamen nicht wegen Pizza oder Pasta, sondern weil der kahlköpfige Mann einer der führenden deutschen Köpfe der 'Ndrangheta sein soll. Die Bild taufte ihn später den „Paten von Pulheim“.

NRW: Mafia-Bande soll Millionen mit Kokain gemacht haben

Gegen den Pulheimer sowie zwei weitere Männer und Frauen aus Köln, Berlin und Belgien beginnt am Mittwoch in Köln (NRW) der Prozess. Sie waren bei einem europaweiten Schlag vergangenen Dezember gegen die einflussreichste italienische Mafia-Organisation, die 'Ndrangheta, festgenommen worden.

Der Vorwurf: sie sollen mit einem speziell präparierten Pferdetransporter Kokain aus den Niederlanden nach England geschmuggelt haben. Die Staatsanwaltschaft geht von 23 Transporten mit jeweils 80 Kilo Kokain von November 2015 bis März 2016 aus. Bei einem Straßenverkaufswert von 68.000 bis 144.000 Euro pro Kilo dürfte der Wert der Drogen bei mehr als 150 Millionen Euro gelegen haben.

Die Ermittler kamen dem Pferdetransporter im Fährhafen Harwich in Großbritannien auf die Schliche und begannen verdeckte Ermittlungen gegen die Gruppe der Angeklagten. Im Dezember 2018 dann der Zugriff. 23 Objekte in NRW, Berlin, Thüringen, Belgien und Mallorca werden durchsucht. Neben dem Drogenschmuggel deckten die Ermittler der „EK Falabella“ auch ein Firmengeflecht auf, das durch 166 Betrugsfälle einen Schaden von 1,3 Millionen Euro angerichtet haben soll.

Die Operation im Dezember 2018 richtete sich vor allem gegen den 'Ndrangheta-Clan. Die Mafia aus Kalabrien gilt inzwischen als die mächtigste italienische Mafia-Organisation und machte 2007 durch eine Familien-Fehde in Duisburg traurige Schlagzeilen. Damals wurden vor einem Restaurant in Duisburg sechs Menschen erschossen.

Bis zu 1000 'Ndrangheta-Mitglieder in Deutschland

Nicht die einzigen Opfer der Mafia, wie neue Zahlen der Polizei zeigen. Seit 1990 haben italienische Mafia-Clans 30 Menschen in Deutschland getötet. Das teilte das Bundesinnenministerium auf Anfrage der Grünen-Abgeordneten Irene Mihalic mit. Die Behörden gehen bundesweit von 585 mutmaßlichen Mafia-Mitgliedern aus.

Die Dunkelziffer dürfte weit höher sein, schätzt das Bundeskriminalamt. Es geht davon aus, dass alleine die 'Ndrangheta mindestens 18 bis 20 Stützpunkte in Deutschland hat. Daher sei bei der 'Ndrangheta allein von 800 bis 1000 Mitgliedern in Deutschland auszugehen. Neben Baden-Württemberg, Bayern und Hessen gilt die Mafia in Nordrhein-Westfalen als besonders aktiv.

Eiscafé-Inhaber sitzt noch in U-Haft

Im Zuge der Operation „Pollino“ kam es im vergangenen Dezember auch in Duisburg zu einer Durchsuchung eines Eiscafés im City-Palais. Der Inhaber sitzt bis heute in U-Haft, teilte die Staatsanwaltschaft Duisburg auf DER WESTEN-Nachfrage mit.

Gegen ihn wird wegen bandenmäßigem Handel mit Betäubungsmitteln und Mitgliedschaft in einer ausländischen kriminellen Vereinigung ermittelt. Ebenfalls laufen Ermittlungen wegen Geheimnisverrats gegen Beamte der Polizei, des Jobcenters und zweier Städte in NRW.

„Hier sind die Ermittlungen gegen fünf Beschuldigte noch nicht abgeschlossen“, erklärte Jennifer König, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Duisburg,

NRW einer der Hauptbetätigungsfelder

Neben Rauschgifthandel oder Fälschungen zählt die Schutzgelderpressung zu ihren Haupteinnahmequellen. Dabei scheint die Mafia von der klassischen Gelderpressung abgekommen zu sein. Stattdessen werden Gastwirte italienischer Herkunft immer häufiger gezwungen, überteuerte oder minderwertige Lebensmittel aus Italien zu beziehen - etwa Wein, Olivenöl oder Salami.

Überteuerte Lebensmittel statt Gelderpressung

Das bringt zwei Vorteile: der Lebensmittelhandel unter Zwang wird straftrechtlich als „Nötigung“ eingestuft - da die Ware nicht ganz ohne Wert ist. Zugleich muss die Mafia das Geld nicht mehr „waschen“, da es schon Teil des „legalen“ Wirtschaftskreislaufs ist.

„Zum Teil handelt es sich auch um Lebensmittel, die von Clan-nahen oder Clan-eigenen Unternehmen in Italien produziert werden“, sagte Sandro Mattioli, der Vorsitzender des Vereins „Mafia? Nein Danke!“, der Deutschen Presse-Agentur. (mit dpa)

 
 

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