NRW: Lehrer packen nach Corona-Schulstart aus – „Echt unterträglich“

NRW: Regelbetrieb an Schulen trotz Corona? Unter diesen Umständen schier nicht machbar. Einige Lehrkräfte prangern heftige Missstände an. (Symbolbild)
NRW: Regelbetrieb an Schulen trotz Corona? Unter diesen Umständen schier nicht machbar. Einige Lehrkräfte prangern heftige Missstände an. (Symbolbild)
Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Das Land NRW fordert nach den Sommerferien wieder Regelbetrieb an den Schulen. Doch ist das unter Corona-Bedingungen überhaupt möglich?

Mehr als zwei Wochen sind seit dem Schulstart in NRW bereits vergangen – und das Fazit fällt erschreckend aus. DER WESTEN hat mit einigen Lehrkräften über die Verhältnisse an ihrer Schule gesprochen.

NRW: Regelbetrieb an Schulen? Lehrer schlagen Alarm

Das Schulministerium hat einen ausführlichen Regelkatalog aufgestellt, der einen Normalbetrieb an den Schulen in NRW ermöglichen soll. Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ist bis verpflichtend und in Klassenräumen sollte möglichst der empfohlene Mindestabstand von 1,5 Metern garantiert sein. Auch das gründliche und regelmäßige Händewaschen der Schüler und Lehrkräfte ist laut Schulministerium „notwendig“. Ebenso werden ausreichende Möglichkeiten zur Hand- und Flächendesinfektion empfohlen.

Doch was geschieht, wenn es an eben diesen Punkten mangelt? Im Gespräch mit DER WESTEN zeichnen Lehrkräfte einer Schule in NRW ein ernüchterndes Bild. In den Klassenzimmern gebe es keine Waschbecken, die Schüler können sich die Hände dementsprechend nur auf den Fluren oder in den Toilettenräumen waschen. Bei rund 1.500 Schülern seien die Kapazitäten schlichtweg nicht ausreichend, so die Lehrer. Zudem seien die Klassenräume nicht auf die Einhaltung eines Mindestabstandes von 1,5 Metern ausgelegt.

Keine Desinfektionsmittelspender im Schulgebäude

Besonders fatal sei jedoch eine ganz bestimmte Sache: An der Schule gibt es keine Desinfektionsmittelspender! Die Stadt gab der Schule zwar mehrere große Behälter mit Desinfektionsmittel, aber keinerlei Abfüllmöglichkeiten in der passenden Größe. Das ging sogar soweit, dass eine Schülermutter einen leeren Seifenspender für die Klasse ihres Kindes beisteuern musste.

Laut NRW-Schulministerium ist allerdings die Pflicht des Schulträgers. Dort heißt es im Wortlaut: „Wenn die Kapazität der Schultoiletten nicht ausreicht, um den Schülerinnen und Schülern eine regelmäßige Handhygiene ohne angemessene Wartezeit zu ermöglichen, sind zusätzliche Handdesinfektionsspender bereitzustellen.“

+++ NRW: Kindesentzug bei Quarantäne-Verstößen der Eltern? Gesundheitsministerium mit krasser Aussage +++

Auch die Einhaltung der Maskenpflicht sei bei rund 1.500 Schülern „nicht ansatzweise kontrollierbar“, so die Lehrkräfte. Die Schüler tragen die Maske „mittelgut“. Wer sich weigert, eine Maske zu tragen, wird nach Hause geschickt – einige Schüler würden das sogar schamlos ausnutzen. Zudem sei der Unterricht mit Maske während der kürzlichen Hitzewelle „echt unerträglich“ gewesen.

Lehrkräfte gingen optimistisch ins neue Schuljahr

Dabei waren einzelne Lehrkräfte sogar recht optimistisch in das neue Schuljahr gestartet. „Ich dachte, über die wichtigsten Sachen hätte man sich schon Gedanken gemacht“, erinnert sich eine Lehrkraft mit Blick auf den Neustart des Schulbetriebs unter Corona-Bedingungen.

Einige Lehrer rechneten sogar fest mit einem versetzten Unterrichtsbeginn. Stattdessen wurde dann allerdings von ihnen verlangt, alle 1.500 Schüler wie bisher auf einmal zu unterrichten – anstatt beispielsweise wie vor den Sommerferien stets nur einzelne Jahrgänge ins Schulgebäude zu lassen. „Das war sehr gut geregelt“, so die Lehrkräfte.

Regierungsbezirk spricht von „Einzelkonstellationen“

DER WESTEN hat bezüglich der angeprangerten Missstände bei der entsprechenden Bezirksregierung um eine Stellungnahme gebeten. In der Antwort verwies ein Sprecher auf die „zahlreiche Einzelfallkonstellationen“, die es mit den Schulen und den Schulträgern (in der Regel die Kommunen) zu klären und zu lösen gelte.

-------------------

Mehr News aus NRW:

------------------------

„Es geht dabei immer um die Klärung von Fragen und die Lösung von lokalen Problemen und Situationen und nicht um eine Kontrolle“, so die Erklärung des Sprechers der Bezirksregierung. Das Ziel sei stets, den Unterricht für die Schüler und Lehrkräfte „unter den gegebenen Umständen und vor der jeweiligen lokalen Situation bestmöglich durchzuführen“.

+++ NRW: Feuer in Einfamilienhaus – Frau (85) tot! +++

Aufgaben wie beispielsweise „die bauliche und weitere Ausstattung oder die Instandhaltung der Schulen“ fallen dem Sprecher zufolge in den Aufgabenbereich der Schulträger. (at)

 
 

EURE FAVORITEN