NRW-Kommunalwahl: Diese 7 OB-Stichwahlen könnten alles verändern

Auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet kann erneut wählen: In seiner Heimatstadt Aachen findet eine OB-Stichwahl statt.
Auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet kann erneut wählen: In seiner Heimatstadt Aachen findet eine OB-Stichwahl statt.
Foto: Federico Gambarini/dpa

Nach der NRW-Kommunalwahl ist vor der NRW-Kommunalwahl! Am 27. September 2020 sind in vielen Städten und Gemeinden die Wahlberechtigten erneut dazu aufgerufen, über ihre Stadtoberhäupter und Landräte abzustimmen.

Spannende Stichwahlen stehen an. Insgesamt sind es 26: 15 Stichwahlen ind Städten sowie 11 in Landkreisen. Wir blicken auf die wichtigsten Oberbürgermeister-Stichwahlen in NRW und erklären, warum sie so wichtig sind und das Land auf den Kopf stellen könnten.

OB-Stichwahl in Köln: Rückschlag für die schwarz-grüne Oberbürgermeisterin Henriette Reker

Ausgangssituation nach dem ersten Wahlgang: Amtsinhaber Henriette Reker musste einen Rückschlag hinnehmen. Die parteilose Oberbürgermeisterin konnte entgegen einer WDR-Umfrage nicht sofort die absolute Mehrheit erreichen. Gegen zwölf Gegenkandidaten holte Reker, die von CDU und Grünen unterstützt wird, aber 45,05 Prozent. In die Stichwahl zieht SPD-Politiker Andreas Kossiki ein. Er holte 26,77 Prozent.

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Prognose für die Kölner Stichwahl: Reker dürfte das Rennen machen, weil sie viel Rückhalt aus mehreren Parteien hat. CDU-Wähler (74%), Grünen-Wähler (61%) und FDP-Wähler (46%) stimmten am Sonntag für sie. Ihr Gegenkandidat Kossiki konnte fast nur im SPD-Lager Unterstützer finden (73% der SPD-Wähler stimmten für ihn).

Darum ist die Kölner Stichwahl so wichtig: Gewinnt Reker, hätte Grün-Schwarz weiter eine Mehrheit im Stadtrat (bisher 45 von 90 Sitzen). Für Ministerpräsident Armin Laschet hat ein solches Bündnis auch eine Symbolkraft weit über Deutschland hinaus. Er will Kanzlerkandidat der CDU werden – und ab 2021 möglicherweise mit den Grünen in Berlin regieren.

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OB-Stichwahl in Dortmund und Gelsenkirchen: Die SPD-Hochburgen wackeln

Ausgangssituation nach dem ersten Wahlgang: Wer Nachfolger von Ullrich Sierau in Dortmund wird, ist noch offen. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges stellt die SPD ununterbrochen das Stadtoberhaupt. Zwar liegt der Sozialdemokrat Thomas Westphal mit 35,9 Prozent vorne, doch sicher ist seine Wahl nicht. Er tritt gegen CDU-Mann Andreas Hollstein an, der 25,9 Prozent holte. Auch Gelsenkirchen war seit dem Krieg meist fest in SPD-Hand, zuletzt holte Frank Baranowski hier sagenhafte 67,4 Prozent im ersten Wahlgang. Karin Welge soll ihm nachfolgen, erreichte aber im ersten Wahlgang nur 40,4 Prozent, CDU-Kandidat Malte Stuckmann schaffte 25,1 Prozent.

Prognose für die Stichwahl in Dortmund und Gelsenkirchen: SPD-Kandidat Westphal geht als Favorit in die Dortmunder Stichwahl, aber entscheidend wird sein, wer vor allem die Grünen-Wähler für sich mobilisieren kann. Die Grünen gaben eine Wahlempflung für CDU-Hollstein ab. Hollstein, bisher Bürgermeister in Altena, könnte mit seiner flüchtlingsfreundlichen Politik auch dieses Milieu ansprechen. In Gelsenkirchen dürfte der SPD-Rückhalt für eine Wahl Welges voraussichtlich noch reichen.

Darum ist die Dortmunder Stichwahl besonders wichtig: Die Stadt Dortmund gilt als Herzkammer der SPD. Verteidigt die Partei erneut das Rathaus für sich, wäre es immerhin ein kleines Trostpflaster für die arg gebeutelte Landespartei. Auch ein Sieg in Gelsenkirchen wäre Balsam für die SPD-Seele. Andersherum: Verliert Westphal, könnte sich der Landesverband die Ergebnisse der Wahl noch viel unglaubwürdiger schönreden. Das Debakel wäre perfekt. Auch eine Niederlage von Welge wäre bitter für die Roten.

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Mehr zu Stichwahlen in NRW:

  • Erreicht kein Bewerber im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit von über 50 Prozent, kommt es zu einer Stichwahl.
  • In einem zweiten Wahlgang treten die beiden bestplatzierten Kandidaten gegeneinander an .
  • Stichwahlen gibt es für die Besetzung der Oberbürgermeister-, Bürgermeister- und Landratsämter.
  • Der Stichwahl-Termin bei den NRW-Kommunalwahlen 2020 ist der 27. September 2020.
  • Ursprünglich wollte die schwarz-gelbe Landesregierung die Stichwahlen abschaffen. Das Landesverfassungsgericht urteilte jedoch am 20. Dezember 2019, dass die Abschaffung rechtswidrig sei.
  • Somit gibt es auch bei den Kommunalwahlen 2020 wieder Stichwahlen für die Besetzung von Bürgermeister- und Landratsposten.

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OB-Stichwahl in Düsseldorf: Dämpfer für OB Thomas Geisel

Ausgangssituation nach dem ersten Wahlgang: Die OB-Wahl am 13. September war ein Dämpfer für SPD-Amtsinhaber Thomas Geisel. Er kam nur auf 26,3 Prozent und liegt damit klar hinter Stephan Keller von der CDU mit 34,2%.

Prognose für die Stichwahl in Düsseldorf: Ein ganz offenes Rennen. In Düsseldorf gibt es breite Wählergruppen von Grünen und der FDP. Es wird entscheidend sein, ob und für wen sie abstimmen. Die SPD alleine kann Thomas Geisel jedenfalls nicht im Amt halten.

Darum ist die Düsseldorfer Stichwahl so wichtig: Der Chefsessel in der Landeshauptstadt und zweitgrößten Stadt Nordrhein-Westfalens ist besonders prestigeträchtig. Armin Laschet feierte am Sonntag bereits den Sieg in Essen euphorisch. Die CDU ist in Großstädten meist schwächer, doch hier könnte Laschet dann in zwei der zehn größten NRW-Städte Erfolge feiern, die ihm bei seinen Bestrebungen in der Bundespolitik Aufwind geben würden.

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OB-Stichwahl in Münster, Bonn und Aachen: Grüne stehen vor spektakulären Triumphen in Uni-Städten

Ausgangssituationen nach den ersten Wahlgängen in Münster, Bonn und Aachen: Die drei Wahlen kann man alle zusammenfassen, weil hier die Ausgangslage ähnlich ist: Die Kandidaten der Grünen haben es in die drei Stichwahlen in den katholisch geprägten Uni-Städten geschafft. Peter Todeskino (Grüne) holte in Münster 28,5 Prozent und ist jetzt gegen CDU-Amtsinhaber Markus Lewe (44,5 Prozent) in der Stichwahl. In Aachen streiten Harald Baal (CDU) und Sibylle Keupen (Grüne) um die Nachfolge von Marcel Philipp (CDU). Der Bonner CDU.Bürgermeister Ashok-Alexander Sridharan muss gegen Katja Dörner (Grüne) in die Stichwahl. Stand nach dem ersten Wahlgang: 34,5 gegen 27,6 Prozent für Sridharan.

Prognosen für die Stichwahlen in Münster, Bonn und Aachen: Natürlich sind OB-Stichwahlen immer eine Frage der Mobilisierung. Geht man vom ersten Wahlgang aus, haben die Grünen mit Sibylle Keupen in Aachen wohl die realistischen Chancen, zumal die Grünen mit 34,1 Prozent sogar die stärkste Stadtratsfraktion wurde. Gelingt es den Münsteraner Grünen die SPD-, Linken- und Volt-Anhänger zu einer erneuten Stimmabgabe für ihren Kandidaten Todeskino zu bewegen, ist auch in dieser Domstadt alles möglich! Eine Wahlempfehlung der SPD für Todeskino gibt es bereits. Möglicherweise spielt für Lewe in Münster und für Sridharan in Bonn auch der Amtsbonus als amtierende Oberbürgermeister eine positive Rolle.

Darum sind die Stichwahlen in Bonn, Münster und Aachen so wichtig: Bisher gab es in NRW keinen Grünen-Oberbürgermeister. Wahlerfolge in den drei Stichwahlen wären somit regelrecht Triumphe für die Partei.

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Kommentar zur NRW-Kommunalwahl: Weil die SPD gepennt hat, ist eine ganze Generation jetzt verloren

Zwei Lehren lassen sich aus den NRW-Kommunalwahlen ziehen - ein Kommentar. (mag)

 
 

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