NRW: Gesundheitsämter drohen wegen Corona mit Kindesentzug – jetzt Ansage der Regierung

NRW: Ein Musterschreiben besagte, dass es bei Quarantäne-Verstößen von Familien zu Kindesentzug kommen könnte. Das verurteilt das Gesundheitsministerium aufs schärfste! (Symbolbild)
NRW: Ein Musterschreiben besagte, dass es bei Quarantäne-Verstößen von Familien zu Kindesentzug kommen könnte. Das verurteilt das Gesundheitsministerium aufs schärfste! (Symbolbild)
Foto: imago images / Westend61

Deutliche Ansage des NRW-Gesundheitsministeriums an die Gesundheitsämter!

Wie das Gesundheitsministerium am Donnerstag auf Anfrage von DER WESTEN mitteilte, machte in den vergangenen Tagen ein Musterschreiben in NRW die Runde. Dieses besagte, dass es bei Quarantäne-Verstößen in Familien im Ernstfall sogar zur Inobhutnahme der Kinder kommen könnte. Doch ein solches Vorgehen verurteilt das Gesundheitsministerium aufs schärfste!

NRW: Kindesentzug bei Quarantäne-Verstößen „darf nicht sein“

Das MAGS (Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales) habe bereits am Mittwoch „alle Gesundheitsämter in NRW gebeten, beim Versand von Standardschreiben Rücksicht auf die besonderen Umstände von Kindern und Jugendlichen bei Quarantänevorgaben zu nehmen“, teilte Ministeriumssprecher Heiko Haffmans unserer Redaktion mit. „Es ist dem MAGS bislang kein Fall bekannt, dass es in NRW aufgrund von Quarantäneverstößen im Zusammenhang mit Kindern und Jugendlichen zu Zwangsmitteln oder zu Inobhutnahmen gekommen ist. Das darf auch nicht sein.“

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Es bleibe dabei, dass es „die Linie der Gesundheitsämter in NRW ist, lebensnahe Lösungen für die Quarantänisierung von Kindern zu finden“, so Haffmans. „Das MAGS wird nun gegenüber den Gesundheitsämtern klarstellen, dass ein Kindesentzug allein aufgrund von Verstößen gegen Quarantäneregeln nicht infrage kommt.“

Politiker fordern Sensibilität statt Verunsicherung

Deutliche Worte finden diesbezüglich auch weitere führende Politiker in NRW. Der stellvertretende Ministerpräsident und Familienminister Joachim Stamp (50, FDP), bittet die Gesundheitsämter, Androhungen von Inobhutnahmen von Kindern zu unterlassen, da dies zu Misstrauen führe. „Die Familien in Nordrhein-Westfalen haben in den letzten Monaten besonders unter der Corona-Pandemie gelitten. Gerade deshalb sollten sämtliche Behörden bei der Umsetzung erforderlicher Maßnahmen sensibel agieren statt diese zu verunsichern“, so Stamp.

Gesundheitsminister Karl-Josef-Laumann (63, CDU) stimmt zu: „Ich kann mir keine Situation vorstellen, in denen allein ein Verstoß gegen Quarantäneregeln eine Herausnahme aus der Familie rechtfertigen könnte. Ich werde dies auch nochmals gegenüber den Gesundheitsämtern klarstellen und diese zudem nachdrücklich bitten, solche Maßnahmen, die nur Verunsicherung schüren, grundsätzlich nicht weiter anzudrohen.“ Er ziehe Lösungen vor, in denen Eltern und Kinder in Quarantäne-Fällen zusammenbleiben. (at)

In einer frühreren Version des Artikels berichteten DER WESTEN und weitere Medien, dass das Gesundheitsministerium eine eventuelle Inobhutname im Falle von Quarantäne-Verstößen als rechtmäßig ansehe. Als Grundlage diente dabei jenes Rundschreiben, gegen welches sich das Gesundheitsministerium nun so deutlich ausgesprochen hat.

 
 

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