NRW: Junger gesunder Mann (33) bekommt die Grippe – dann durchlebt er ein Martyrium

Ein Rettungssanitäter aus Haltern erkrankte an der Grippe. Die Infektion hätte ihn beinahe das Leben gekostet.
Ein Rettungssanitäter aus Haltern erkrankte an der Grippe. Die Infektion hätte ihn beinahe das Leben gekostet.
Foto: dpa/privat / Montage: DER WESTEN

,An Corona sterben doch nur alte Menschen‘. ,Corona ist doch nicht schlimmer als die Grippe‘. Wenn Marc Friedrich (41) aus Haltern (NRW) solche Sätze hört, kann er über so viel Ignoranz nur den Kopf schütteln. Der gelernte Rettungssanitäter behandelt Covid-Patienten und erlebt das Virus so hautnah mit. Gleichzeitig erkrankte er selbst vor einigen Jahren an der Grippe – und bezahlte dafür fast mit seinem Leben.

Jetzt will der 41-Jährige Notfallsanitäter aus NRW seine Geschichte erzählen, um vor den Gefahren zu warnen, die drohen, wenn sich Menschen mit Covid-19 infizieren.

NRW: Junger Mann bekommt die Grippe - dann kämpft er um sein Leben

Marc Friedrich war 33 Jahre alt und kerngesund, als er plötzlich im Jahr 2013 an der Grippe erkrankte. „Ich hatte Halsschmerzen, Fieber, Unwohlsein“, erinnerte er sich. Geimpft war er nicht gegen die Krankheit. „Ich habe gedacht, dass ich mich im ständigen Kontakt mit vielen Patienten von selbst immunisieren würde“, so der Leiter des Rettungsdienstes.

Zwei Tage habe er abgewartet, dann sei er zum Arzt gegangen, bekam Antibiotika. Doch das nützte nichts – weil das Medikament Bakterien und eben keine Viren bekämpft.

„Dann ging es mir immer schlechter. Ich bekam Schmerzen in der Brust. Plötzlich spuckte ich Blut, mein Taschentuch war tiefrot. Da bekam ich es mit der Angst zu tun“, erzählt der heute 41-Jährige.

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Danach ging alles sehr schnell. Er wurde ins Krankenhaus eingeliefert, seine Lunge geröntgt, auf der Intensivstation musste er bei vollem Bewusstsein beatmet werden. „Doch ich war so schwach, ich konnte noch nicht mal den Notfallknopf drücken, um die Pfleger zu rufen“, verdeutlicht Friedrich. Am 11. Februar 2013 musste der Mann schließlich ins künstliche Koma versetzt werden.

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Vier Wochen verharrte er in diesem Zustand. Die Ärzte sagten seiner Mutter immer wieder: Er ist krank, schwer krank. Sie wusste nicht, ob er es je schaffen würde.

Doch als die hochprozentigen Medikamente endlich heruntergesetzt wurden und Friedrich langsam wieder erwachte, hatte er schlimme Halluzinationen und schreckliche Alpträume. „Es waren üble Träume, die hundert Mal schlimmer als normale Alpträume sind“, macht er klar. „Ich bin am Ende immer umgebracht worden oder ich dachte ich müsse unter Wasser atmen oder ähnliches Grausames.“

Nach Koma kämpfte er mit üblen Alpträumen und schlimmen Halluzinationen

Vor diesen psychischen Folgen, die fast jeder mitmacht, der wegen Lungenversagen im künstlichen Koma liegen muss, will er nun warnen. „Das gönne ich wirklich niemanden. Das werden alle erleben, egal ob sie alt und schwach oder jung und kerngesund sind“, sagt er deutlich. Nun grassiert zwar das Coronavirus, doch bei schweren Verläufen ist die Symptomatik von ARDS (akutes Lungenversagen) dieselbe.

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Das ist ARDS:

  • ARDS steht für Acute Respiratory Distress Syndrome
  • ARDS ist ein akutes Lungenversagen oder auch Akutes Atemnotsyndrom
  • Es kann etwa bei einer Infektion der Lunge (Lungenentzündung) oder auch bei Rauchgasinhalation eintreten
  • Patienten müssen dann im Krankenhaus intubiert und beatmet werden

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Auch die physische Komponente setzte dem jungen Mann schwer zu. Er konnte nicht mehr laufen, seine Muskeln waren schwach, er brauchte einen Rollstuhl. Mühsam kämpfte er sich mit einem Rollator und viel Physiotherapie zurück ins Leben.

Auch Sprechen und Schlucken musste er wieder erlernen. Auf der Lungenstation sei er mit Abstand der jüngste Patient gewesen.

Um sein Trauma zu überwinden, habe er geschrieben. Es habe geholfen seine Alpträume zu Papier zu bringen. Das kann er nur jedem raten, der selbst in dieser scheinbar ausweglosen Situation verharrt.

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Für Friedrich war es die schlimmste Vorstellung, als junger Mann ewig lang ein Pflegefall zu sein. Also tat er alles dafür, dass er rund ein halbes Jahr später wieder seine erste Fahrt mit dem Rettungswagen antreten konnte.

„Seitdem lasse ich mich jedes Jahr gegen die Grippe impfen“, sagt der 41-Jährige. Und auf die Frage, wie er in der Corona-Pandemie mit der Gefahr einer Ansteckung umgehe, sagt Friedrich: „Natürlich, ich habe Angst mich zu infizieren.“ Er versucht sich so gut es eben geht zu schützen und appelliert auch an seine Mitmenschen nicht rücksichtslos mit dem Coronavirus umzugehen. Denn es kann uns alle treffen.

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