NRW-Innenminister Jäger verbietet Rockerbande

Parallel zu den Verboten geht die Polizei gegen Rocker vor.
Parallel zu den Verboten geht die Polizei gegen Rocker vor.
Foto: dapd
NRW geht gegen die Rocker-Szene vor. Am frühen Donnerstagmorgen ließ Innenminister Ralf Jäger (SPD) mehrere Rockerclubs verbieten und auflösen. Parallel läuft ein großer Polizeieinsatz, der sich nicht auf Nordrhein-Westfalen beschränkt.

Düsseldorf/Aachen.. NRW-nnenminister Ralf Jäger hat einen Rockerclub und seine Untergruppen verbieten lassen. Wie das Ministerium am Donnerstagmorgen mitteilte, ließ der Minister den Club „Bandidos MC Chapter Aachen“ auflösen. Dasselbe geschah auch mit fünf Clubs, die die Aachener Bandidos unterstützen.

Dabei handelt es sich um die Chicanos MC Chapter Aachen", die Chicanos MC Chapter Alsdorf, die Chicanos MC Chapter Düren, den Club X-Team MC Aachen und die Diablos MC Heinsberg. „Wir haben Beweise gesammelt – die Szene genau beobachtet – und gehandelt. Wir nutzen alle Möglichkeiten im Kampf gegen kriminelle Rockergruppen“, erklärte NRW Innenminister Ralf Jäger am Vormittag.

Hunderte Polizeibeamte im Einsatz

Parallel zu den Verboten lief am Morgen ein großer Polizeieinsatz gegen die Rocker-Szene mit rund 600 Beamten. Mehrere Kräfte durchsuchten dabei seit 5 Uhr morgens das Clubhaus in Alsdorf. Außerdem untersuchten die Beamten zunächst mehr als 30 Wohnungen und Geschäftsräume in Nordrhein-Westfalen und Rheinland Pfalz.

Nach Angaben eines Polizeisprechers musste der laufende Einsatz bereits erweitert werden. Grund dafür war, dass bei den Durchsuchungen der 30 Gebäude Hinweise auf weitere Orte entstanden, die für den Einsatz relevant sind. Die Mitglieder des nun verbotenen Rockerclubs leben nach Polizeiangaben vor allem im Raum Aachen, teilweise aber auch weiter entfernt.

Spezialeinheiten wegen gefährlicher Rocker am Einsatz beteiligt

Der Einsatz steht unter der Leitung der Kölner Polizei. Sie teilte mit, dass unter den Rockern einige sind, die als gefährlich gelten. Darum sind auch Spezialeinheiten am Einsatz beteiligt.

"Das hier ist keine Razzia", betonte ein Sprecher der Kölner Polizei im Gespräch mit DerWesten. Viel mehr gehe es darum, das vom Ministerium ausgesprochene Verbot durchzusetzen. Dazu würden nun alle Mitglieder persönlich von der Polizei "vom Verbot in Kenntnis gesetzt".

Wertsachen aus dem Vereinsvermögen werden beschlagnahmt

Auch zwei Stunden nach Beginn war dieser Einsatz noch in vollem Gange: "Wir sind immer noch dabei, Wohnung für Wohnung aufzusuchen", sagte der Sprecher.

Computer, Bargeld und andere Wertsachen werden bei der Polizeiaktion beschlagnahmt, wenn sie zum Vermögen des verbotenen Rockerclubs gehören. Die Polizei rechnet damit, dass die Aktion noch mehrere Stunden dauern wird.

Jäger: „Welt der Bandidos besteht aus Gewalt und Selbstjustiz"

„Die Bandidos haben sich abgeschottet, eigene Regeln aufgestellt und sich bewusst gegen die Grundwerte unserer Gesellschaft gestellt“ machte Jäger deutlich. „Ihre Welt besteht aus Bedrohung, Gewalt, Waffen und Selbstjustiz. Deswegen gehen wir gegen diese gewalttätigen Subkulturen entschieden vor.“

Ab sofort ist den Mitgliedern laut NRW-Innenministerium jede Vereinstätigkeit und die Bildung von Ersatzorganisationen untersagt. Außerdem ist es verboten, die Vereinssymbole in der Öffentlichkeit zu zeigen oder zu verbreiten. Das gilt auch für die sogenannten Kutten. „Das trifft die Clubmitglieder besonders hart. Sie können sich nicht mehr martialisch als mächtige Organisation in der Öffentlichkeit präsentieren. Außerdem zerschlagen wir ihre Struktur und entziehen ihnen die finanzielle Grundlage“, sagte der Minister. „Mit dem heutigen Verbot zeigen wir, dass wir keine rechtsfreien Räume dulden.“

277 Treffen der Rocker im Visier

In den vergangenen zwei Jahren führte die Polizei laut Jäger bei 82 Treffen Kontrollen und Razzien gegen Rocker durch. Bei den mehr als 6000 Personen- und über 3400 Fahrzeugüberprüfungen stellten die Beamten demnach zahlreiche Hieb- und Stichwaffen sicher. Insgesamt hatte die NRW-Polizei 277 Treffen im Visier. Die NRW-Polizei werde auch in Zukunft mit ihrer Null-Toleranz-Strategie gegen kriminelle Rockerbanden vorgehen.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Polizei in Nordrhein-Westfalen zwei Clubs der Rockergruppe Bandidos in Herne und Bochum durchsucht. Mithilfe der Aktion soll eine Massenschlägerei zwischen Bandidos und Mitgliedern der Hells Angels aufgeklärt werden. Rund 100 Rocker der Hells Angels und der Bandidios hatten sich im Januar in Mönchengladbach geprügelt. (mit dapd)

 
 

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