NRW: Heftiges Video aufgetaucht! Polizist tritt obdachlose Frau auf Fahrrad einfach um

So entsteht ein Phantombild

So entsteht ein Phantombild

Ingo von Westphal ist Phantombildzeichner. Uns hat er erklärt, wie ein Phantombild entsteht.

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Es ist ein Video, dass den Zuschauer fassungslos zurücklässt und die Diskussionen um Polizeigewalt neu anfachen dürfte.

Das Geschehen des 39-sekündigen Videos aus Meschede (NRW), dass in den sozialen Medien kursiert, zeigt ein auf der Straße stehendes Polizeiauto mit Warnblicklicht, einen Beamten und eine Person mit Fahrrad, bei der es sich laut Informationen von DER WESTEN um eine ältere, stadtbekannte Obdachlose handeln soll.

NRW: Video von Polizeigewalt sorgt für Entsetzen im Netz

Der Polizist läuft um die Frau herum, die sich an ihrem Fahrrad festhält. Was gesprochen wird, ist nicht zu verstehen. Doch die Obdachlose verhält sich augenscheinlich nicht aggressiv, stützt sich offenbar auf ihrem Rad ab. Nach der Hälfte des Videos ist zu sehen, wie der Beamte mit seinem Fuß gegen das Rad der Dame drückt - zunächst leicht. Dann unternimmt er einen zweiten Versuch und tritt gegen Rad. Die Frau fällt darauf samt Rad zu Boden.

Hilfe bekommt sie bis zum Ende des Videos keine vom Beamten. Der steht nur vor der am Boden liegenden Frau, dann setzt das Video aus.

Die Polizei im Hochsauerlandkreis (NRW) reagiert auf Twitter: „Das Bildmaterial liegt uns vor und wird zurzeit ausgewertet. Ein Ermittlungsverfahren wurde eingeleitet.“

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Am späten Nachmittag folgte eine Mitteilung, in der die Behörde den Sachverhalt so darstellt: gegen 11.30 Uhr am Mittwoch habe ein Polizeibeamter auf seiner Streifenfahrt eine Fahrradfahrerin auf dem Schlotweg, in unmittelbarer Nähe der Kreispolizeibehörde und der Grundschule, bemerkt, die auf dem stehenden Fahrrad lag. Trotz mehrfacher Ansprache habe die polizeibekannte Frau nicht reagiert.

„Jeder in der Stadt kennt sie“

Tatsächlich wirkt die Frau auf dem Video teilnahmslos, wird von Meschedern auch als zurückgezogen und manchmal aggressiv beschrieben. „Aber sie war keine Alkoholikerin, sondern einfach menschenscheu und hat immer auf ihrem Rad geschlafen. Jeder in der Stadt kennt sie“, erzählt ein Mescheder wütend.

Zeugen filmten den Einsatz und teilten einen Ausschnitt des Videos in den sozialen Medien. Darauf ist wie beschrieben zu sehen, wie der Beamte mehrfach mit seinem Fuß gegen die Räder des Fahrrades tritt. Daraufhin sei die Frau zu Boden gefallen. Sie habe glücklicherweise keine Verletzungen erlitten und konnte ihr Fahrrad wenig später weiterschieben, heißt es von der Polizei.

Polizei Dortmund hat Ermittlungen übernommen

„Das auf den Bildern zu sehende Einschreiten des Beamten wirkt unprofessionell. Insbesondere bedauern wir, dass die Frau zu Boden fiel. Wir prüfen derzeit das Verhalten des Polizeibeamten“, so Holger Glaremin, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Hochsauerlandkreis.

Um ein „rechtsstaatliches und neutrales Verfahren“ zu sichern, sei bereits ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Dieses wird durch das Polizeipräsidium Dortmund bearbeitet. Ob der Beamte suspendiert worden sei, konnte in Dortmund auf Nachfrage nicht mitgeteilt werden.

„Schwerer Verstoß gegen Menschenwürde“

Kritik kommt derweil vom Verein „Polizei Grün e.V.“: „Ein solches Verhalten ist durch nichts zu entschuldigen. Es ist ein schwerer Verstoß gegen die Menschenwürde.“

Die „Westfalenpost“ berichtet darüber hinaus, dass nach Ende des Videos ein zweiter Streifenwagen eingetroffen sei. Auch diese Polizisten hätten der Frau nicht nach oben geholfen und seien ohne ein Krankenwagen zu rufen davon gefahren. Die Frau habe sich am Ende selbst aufgerappelt. (ms)