Düsseldorf

NRW: Gastronom fliegt in die Heimat – zurück in Düsseldorf beginnt der Corona-Albtraum „Es ist die Hölle“

NRW: Ali Jahari (45) vor dem Restaurant Vulcano in Düsseldorf-Friedrichstadt.
NRW: Ali Jahari (45) vor dem Restaurant Vulcano in Düsseldorf-Friedrichstadt.
Foto: Alexander Keßel / DER WESTEN

Düsseldorf. Für Gastronomen ist die Corona-Krise eine besondere Herausforderung. So auch für Ali Jashari (45) aus dem italienischen Restaurant „Vulcano“ in Düsseldorf (NRW).

Anfang Februar starb zu allem Überfluss sein Vater. Zur Beerdigung flog der 45-Jährige von NRW aus in seine Heimat nach Nordmazedonien. Bevor er zurückreiste, traf der Gastronom aus Düsseldorf eine Entscheidung, die er seit Monaten bereut. Seitdem ist Jashari von seiner Frau Vaida (39) und seinem Kind (1) getrennt. In die Zeit fiel der erste Geburtstag seines Sohnes. Er sollte auch verpassen, wie sein einziges Kind das Laufen lernte.

„Ich bin froh, dass ich mit Maske arbeiten muss. Dadurch haben die Kunden nicht sehen können, was in mir vorgeht“, sagt er heute.

NRW: Gastronom aus Düsseldorf fliegt in die Heimat – und trifft folgenschwere Entscheidung

Zurück zu Anfang Februar. Zu dem Zeitpunkt wollten in Deutschland viele die Auswirkungen der Corona-Welle noch nicht wahrhaben. Auch Ali Jashari konnte nach eigenen Angaben noch nicht abschätzen, wie sich die Pandemie entwickelt.

Die Beerdigung seines Vaters verpassen? Das kam für den 45-Jährigen allerdings nicht in Frage. Er flog mit Frau und Kind in die Hauptstadt Skopje, trauerte im Kreise seiner Familie. Mitte Februar flog er zurück nach Düsseldorf. Seiner Frau, deren Eltern ebenfalls in Nordmazedonien leben, sagte er: „Bleib doch noch eine Woche bei deiner Familie und komm' dann nach.“

Drei Tage später schloss Nordmazedonien seine Grenzen. Seitdem sitzt Vaida mit dem gemeinsamen Kind fest.

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Zurück in NRW: „Wir weinen mehr als wir reden“

„Ich habe lange darauf gewartet Papa werden zu können. Mit über 40 Jahren hat es endlich geklappt. Und jetzt verpasse ich so große Teile des ersten Jahres“, klagt Jashari.

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Mit Worten könne er nur schwer beschreiben, was in ihm vorgeht. „Wenn ich mit meiner Frau telefoniere, weinen wir mehr als wir reden. Es ist die Hölle“, beginnt er. Jedes Mal, wenn Gäste mit Kindern vorbeikommen, treffe es ihn besonders hart: „Dann kommt es mir so vor, als würden Steine vom Himmel auf meinen Kopf fallen.“

Zurück mit der Bundesregierung nach NRW? Fehlanzeige

Die Jasharis hätten alles versucht wieder zusammenzukommen. Doch selbst eine Anfrage bei der Bundesregierung im Zuge der Rückholaktion aller Touristen aus dem Ausland sei unbeantwortet geblieben.

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Das ist Nordmazedonien

  • Republik auf dem Balkan
  • Erklärte 1991 seine Unabhängigkeit von Jugoslawien
  • Hieß bis 2019 Republik Mazedonien
  • Ist seit März 2020 Mitglied der NATO
  • Seit 2005 Beitrittskandidat der EU

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„Das Gute ist, dass ich viel zu tun hatte in der Corona-Zeit“, sagt der 45-Jährige. Als sich der Lockdown abzeichnete, setzte er mit dem befreundeten Betreiber-Pärchen auf einen eigenen Lieferdienst. „Wenn dieses Virus kommt, ist das die einzige Chance zu überleben“, dachten sie damals.

Düsseldorfer Gastronom: „Ich habe 15 Kilo verloren“

Der Stress um die Familie und der damit verbundene fehlende Schlaf, Treppen steigen statt Service im Restaurant – die Folgen des Coronavirus spürt Ali Jashari, obwohl er gesund geblieben ist: „Ich habe 15 Kilo Gewicht verloren.“

Aber er sagt auch: „Corona hat mir gezeigt, wie gut es uns in Deutschland geht.“ In Nordmazedonien etwa sei der Lockdown viel härter gewesen. „Es gab extreme Ausgangssperren, weil das Gesundheitssystem so marode ist.“

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Finanzielle Staatshilfen während des Lockdowns? Fehlanzeige. „Meine Frau hat Menschen kennengelernt, die ihre Kinder mit Klopapier wickeln, weil kein Geld für Windeln da ist.“

Gäste klagen über schwere Schicksale

Und auch in Düsseldorf habe er als Gastronom viele Menschen kennengelernt, die es in der Corona-Krise hart getroffen hätte: „Da war beispielsweise ein Mann, der seine Frau nach 50 Jahren Ehe nicht am Sterbebett im Krankenhaus verabschieden konnte.“

Solche Schicksale würden Menschen ein Leben lang belasten, fürchtet er. Jashari versucht sein eigenes nun positiv zu sehen: „Ich sehe meinen Sohn zwar jetzt nicht, aber ich werde ihn wiedersehen.“

Geschichte des eigenen Vaters wiederholt sich

Die Geschichte seines verstorbenen Vaters bewegt ihn dafür umso mehr. Der sei in den späten 1960er Jahren noch vor seiner Geburt als Gastarbeiter nach Dänemark gegangen. „Erst als ich acht Jahre alt war, konnten wir nachziehen“, erinnert er sich.

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Seine komplette Kindheit habe er seinen Vater deshalb nur einmal im Jahr in den Sommerferien gesehen. Erst heute kann er verstehen, wie sich die Situation für seinen Vater angefühlt haben muss. „Das macht mich unglaublich traurig, spendet mir für meine Situation heute aber auch etwas Trost.“

Das lang ersehnte Wiedersehen mit der eigenen Familie wird dann aller Voraussicht nach im Laufe dieser Woche geschehen. Denn der Flughafen in Skopje soll am 1. Juli wieder öffnen.

 
 

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