NRW: Feuergefecht nach Polizeikontrolle! Vitalij K. ballerte auf Beamten, sein Anwalt überrascht mit diesen Worten

Gevelsberg: Mann feuert auf Polizisten

Gevelsberg: Mann feuert auf Polizisten

Nach einem Feuergefecht zwischen Vitalij K. und Polizisten steht der Schütze nun vor Gericht.

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Hagen/Gevelsberg. Es ist scheinbar ein Routineeinsatz für zwei Polizeibeamten, der beinahe tödlich geendet wäre.

Es ist kurz vor Mitternacht am 5. Mai 2020, als die beiden Polizisten im NRW-Städtchen Gevelsberg einen schwarzen BMW anhalten. Allgemeine Verkehrskontrolle. Am Steuer sitzt Vitalij K. (37).

NRW: Polizeikontrolle endet in Feuergefecht

Der BMW-Fahrer ist zunächst kooperativ. Doch als Vitalij K. in einem Gespräch der Beamten heraushört, das gegen ihn ein Haftbefehl wegen Drogenhandel offen ist und er festgenommen werden soll, habe er „plötzlich und für die Polizeibeamten überraschend Widerstand“ geleistet, heißt es in der Anklageschrift des am Mittwoch in Hagen (NRW) gestarteten Verfahrens.

K. soll einen Urinbecher, den er für einen Drogentest vollgemacht hatte, auf die Beamten geschleudert haben und zu seinem Wagen gerannt sein. Hier liegt neben 51 Gramm Heroin seine Walther P 99 griffbereit zwischen Handbremse und Beifahrersitz, ist die Staatsanwaltschaft überzeugt.

Diese habe er gezückt und sodann auf die Beamten gefeuert. Einen Polizisten trifft er im Bauch, nur die schusssichere Weste verhindert das Eindringen des Projektils. Vitalij K. soll weitere Schüsse abgefeuert haben und dann mit seinem 5er-BMW die Flucht angetreten haben. Doch weit kommt er nicht, schon nach wenigen Hundert Metern kracht er gegen den Mast eines Verkehrszeichens und flüchtet zu Fuß weiter.

Es beginnt eine große Suche. Die Polizei riegelt die Stadt ab, ein Hubschrauber steigt auf, ein Spezialeinsatzkommando (SEK) rückt mit dem gepanzerten Anti-Terror-Fahrzeug „Survivor R“ an.

Gegen 4 Uhr macht ein Spürhund K. in einem Hinterhof aus. Das SEK will ihn festnehmen, wieder eröffnet er das Feuer. Das Spezialkommando schießt zurück, mehrere Kugeln treffen K. Er wird festgenommen und schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Am Mittwoch kommt der 37-Jährige auf Krücken humpelnd in Saal 201 des Hagener Landgerichts. Die Folgen sind ihm anzusehen, er befinde sich in therapeutischer Behandlung und habe medikamentös bedingt knapp 40 Kilo zugenommen, heißt es.

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Vorwurf: versuchter Mord

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann, der noch in einem Zimmer bei seinen Eltern lebte, eine Fülle von Taten vor – darunter versuchter Mord an drei Polizisten, Drogenhandel, verbotener Waffenbesitz und Fahren ohne Führerschein.

K. schwieg zum Prozessauftakt. Sein Verteidiger Andreas Trode sieht sich von der Staatsanwaltschaft schlecht behandelt und will auch das Verhalten der Polizisten und SEK-Beamten im Verfahren genau unter die Lupe nehmen. Er zu DER WESTEN: „Wir müssen mal abwarten, wie sich das aus Sicht der Polizei entwickelt, die in diesem Fall ja Opfer ist. Aber auch aus Sicht des Angeklagten, der vielleicht an einer Stelle auch Opfer sein könnte. Nämlich da, wo auf ihn geschossen worden ist. Denn Schießen und Schießen sind zweierlei. Das wollen wir einfach aufklären, wie sich das im Einzelnen dargestellt hat.“

Polizist zurück im Dienst

Michael Emde vertritt einen der beteiligten Polizisten als Nebenklagevertreter im Prozess: „Mit ein bisschen Abstand geht es ihm langsam wieder besser. Er ist wieder im Dienst. Aber wenn man einmal realisiert, wie knapp man dem Tod entkommen ist, braucht es eine Zeit lang, um das zu verarbeiten.“

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt, dann sollen die beteiligten Polizeibeamten aussagen.