Hagen

NRW: Falscher Arzt aus Hagener Impfzentrum – mutmaßlicher Hochstapler wandert in U-Haft

Vektor, Totimpfung, mRNA? Diese Impfstoff-Arten gibt es

Diese Impfstoff-Arten gibt es und so funktionieren sie.

Beschreibung anzeigen

Hagen. Er war immer da, wenn es brannte.

Flüchtlingskrise 2015: In Selm-Bork (NRW) wird eine Flüchtlingsunterkunft für 1.000 Menschen aus dem Boden gestampft. Der neue Leiter der Einrichtung wird ein junger Mann aus Dortmund – zumindest für zwei Wochen.

NRW: Mutmaßlicher Hochstapler aus Hagener Impfzentrum fiel schon in Vergangenheit als Betrüger auf

Corona im Jahr 2020: Diesmal werden Impfzentren in aller Eile hochgezogen. Wieder ist der Dortmunder mittendrin. Er arbeitet als Koordinator im Impfzentrum in Hagen (NRW).

Doch vergangene Woche ist Schluss.

Dortmunder soll Approbationsurkunde gefälscht haben

Man habe sich von ihm getrennt, weil eine Strafanzeige wegen Fälschung der Arzt-Approbationsurkunde laufe, teilte Udo Stroh, Vorstand des DRK-Kreisverbandes Hagen, mit.

Der Mann hatte vorgegeben, Facharzt für Psychiatrie und Notfallmedizin zu sein. Durch eine Anzeige bei der Polizei flog der vermeintliche Schwindel auf. Der Beschuldigte ist für Polizei und Justiz längst kein Unbekannter. Sie ermitteln in mehreren Fällen, das Vorstrafenregister ist lang.

Schon 2015 war der vorbestrafte Betrüger nach wenigen Tagen als Leiter der Flüchtlingseinrichtung abgesetzt worden. Das DRK Westfalen-Lippe sprach damals zwar von einer Trennung „in beidseitigem Vernehmen“, doch auch damals soll er laut RTL gefälschte Urkunden vorgelegt haben.

SPD-Generalsekretärin warf ihn aus der Partei

Auch im Anschluss blieb der angebliche Arzt stets umtriebig. In Dortmund machte er auch als Lokalpolitiker in der SPD auf sich aufmerksam. Die Dortmunder Landtagsabgeordnete Nadja Lüders erinnert sich. Ihr sei bekannt gewesen, dass er bereits in seiner Heimat in Ahaus wegen ähnlicher Betrügereien vorbestraft war, erklärt Lüders. Doch man habe ihm eine zweite Chance geben wollen.

Offenbar verstand der mutmaßliche Hochstapler es auch immer wieder, mit seiner offenen Art Menschen für sich einzunehmen. Er sei ein Menschenfänger gewesen, berichten die, die ihn kannten. „Seit Ende 2018 ist er nicht mehr Mitglied der SPD“, sagt die Generalsekretärin der NRW-SPD gegenüber DER WESTEN und ergänzt mit Nachdruck. „Darüber sind wir sehr froh.“

Vor einigen Jahren wurde der falsche Arzt aus dem Hagener Impfzentrum Vorsitzender eines SPD-Ortsvereins in Nordrhein-Westfalen. Ein Generationenwechsel sei vollzogen worden, heißt es damals auf der Seite des Ortsverbandes. Bilder zeigen ihn mit einem breiten Grinsen inmitten einer Gruppe von Parteigenossinnen -und genossen. Aus gesundheitlichen Gründen musste er dieses Amt nach kurzer Zeit aber wieder aufgeben. Der Eintrag dazu auf der Seite des Ortsverbandes ist inzwischen nicht mehr zu finden.

Gespartes Geld für Patenkind einbehalten?

Mit seinen Betrügereien machte der Dortmunder offenbar auch vor Menschen in seinem näheren Umfeld kein Halt. Einem Bekannten soll er vorgegaukelt haben, 50.000 Euro für ihn gewinnbringend anzulegen. Das Geld behielt er laut einer Anklage des Dortmunder Amtsgerichts ein. In einem anderen angeklagten Fall soll er als Patenonkel vorgegeben haben, das gesammelte Geld einer Beschneidungsfeier seines Patenkindes auf einem Sparkonto anlegen zu wollen. Doch das Konto gab es nicht, die fast 15.000 Euro habe der vorbestrafte Betrüger einbehalten, ist die Staatsanwaltschaft überzeugt.

------------------------------------

• Mehr Themen:

-------------------------------------

Eine weitere Sache brachte auch für NRW-Generalsekretärin Lüders das Fass endgültig zum Überlaufen. Denn auch bei der Dortmunder „Ökumenischen Wohnungslosen-Initiative“ soll der junge Mann über drei Jahre hinweg durch Betrügereien aufgefallen sein. Insgesamt 37 Taten sind in diesem Zusammenhang am Amtsgericht Dortmund angeklagt, so Staatsanwalt Hener Kruse auf DER WESTEN-Nachfrage.

Falscher Master und Zeugnis aus der Staatskanzlei

Schon beim Vorstellungsgespräch soll der vorbestrafte Betrüger ein gefälschtes Zeugnis eines Psychologie-Masters einer niederländischen Uni und ein Zeugnis über eine Tätigkeit in der NRW-Staatskanzlei vorgelegt haben. In seiner Tätigkeit als Psychologe in der Wohnungslosenhilfe sei er laut Anklage der Staatsanwaltschaft Dortmund durch Tankkartenmissbrauch, falsche Reisekostenabrechnungen und private Warenbestellungen aufgefallen.

+++ NRW: Fiese Corona-Masche! Polizei warnt vor skrupellosen Betrügern +++

Damit nicht genug: Einer Geschädigten soll er vorgespielt haben, eine Unternehmensberatung gründen zu wollen, sie könne dort als stille Teilhaberin einsteigen. Sie habe ihm zu diesem Zweck mehr als 100.000 Euro überwiesen. Einer anderen Person soll der Dortmunder vorgegeben haben, Geschäftsanteile an einem medizinischen Versorgungszentrum für diese kaufen zu wollen. Sie überwies dem angeklagten Dortmunder 140.000 Euro zu diesem Zweck, die er für sich einbehalten haben soll.

Vorbestrafter Betrüger nun in U-Haft

Als die Betrügereien in der Wohnungslosenhilfe, immerhin eine Institution in Dortmund, ans Tageslicht kamen, zog auch Landtagsabgeordnete Lüders die Reißleine. Sie warf den jungen Mann aus der Partei.

Da gegen ihn bereits zwei zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafen von jeweils mehr als einem Jahr offen waren und Fluchtgefahr bestand, wurde der angebliche Arzt am Montag von der Polizei verhaftet.

Sein Vermögen wurde beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft Hagen wirft ihm gewerbsmäßiger Betrug in 28 Fällen in Tateinheit mit Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen sowie Urkundenfälschung vor. Die Ermittler gehen von einem Schaden von einer Viertel Millionen Euro aus.

Hinweis d. Red.: Dieser Text wurde am 20. Januar, 12.30 Uhr aktualisiert.

 
 

EURE FAVORITEN