NRW: Detektiv packt aus – Mutter ließ uns observieren, ob Lehrer richtig lüften

So entsteht ein Phantombild

Ingo von Westphal ist Phantombildzeichner. Uns hat er erklärt, wie ein Phantombild entsteht.

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Wenn Patrick Kurtz auf das Thema Home Office in Zeiten von Corona angesprochen wird, winkt er schnell ab.

„Eine Ente“, sagt er und meint die Berichte über Observationen im Home Office, die in den letzten Monaten immer wieder die Runde machten und für die ein oder andere Presseanfrage bei der Detektei Kurtz, die in NRW unter anderem in Essen, Wuppertal und Bochum vertreten ist, sorgten.

NRW: Detektiv packt über Arbeit in Corona-Zeiten aus

Manche Anfrage zum Thema Home Office sei eingegangen, aber Meldungen der Konkurrenz, dass sie pro Monat rund 30 Fälle im Zusammenhang mit Corona hätten, hält der erfahrene Detektiv dann doch für aus der Luft gegriffen. „Das ist vollkommen utopisch.“

Warum? „Wenn der öffentliche Raum so dermaßen eingeschränkt ist von der Politik, bleibt uns nicht mehr viel als Arbeitsgrundlage“, liefert Detektiv Kurtz die Erklärung. Normalerweise verfolgen Detektive ihre Verdächtigen per Fuß, Motorrad oder Auto durch die Stadt, beschatten Menschen. Aktuell kaum möglich. Schaut ein Mitarbeiter Netflix während der Arbeitszeit, haben Privatermittler keine Chance. „In den privaten Bereich haben wir keinen Zugriff“, betont Kurtz.

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Das ist das Coronavirus:

  • ist SARS-CoV-2 (Abkürzung für englisch: severe acute respiratory syndrome coronavirus 2)
  • gehört zur Familie der Coronaviren, eine Infektion kann neue Atemwegserkrankung Covid-19 verursachen
  • erstmals 2019 in der chinesischen Stadt Wuhan entdeckt
  • wurde von der WHO am 30. Januar 2020 als „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ und am 11. März 2020 als Pandemie eingestuft
  • Infektion erfolgt in der Regel über Tröpfcheninfektion und Aerosole

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Recherchieren statt Observieren

Er hält es daher für wenig sinnvoll, Arbeitnehmer im Home Office zu observieren. „Wenn die Arbeitszeiten flexibel sind, dann stehen wir vor dem Problem, dass die observierte Person in vielen Betrieben das Recht hat ihren Arbeitsplatz zu verlassen und einkaufen zu gehen. Das ist kein Beweis für Fehlverhalten für uns. Entsprechend ist es relativ fruchtlos im Home Office zu observieren“, sagt er. Vereinzelte Anfragen in diese Richtung seien eingegangen, doch Kurtz habe sie aufgeklärt darüber, dass die Erfolgsaussichten eben nicht gut stünden.

Blaumacher, die statt arbeiten zu Hause mal eben in den Urlaub nach Gran Canaria fahren, hätten sie schon gehabt. Aber auch das sei seit dem zweiten Lockdown kein Thema mehr.

Und so hielt sich Kurtz und seine deutschlandweit tätige Detektei in Zeiten des Lockdowns vor allem mit Recherchen über Wasser. „Es gab eine gigantische Abnahme an Anfragen für Observationen, aber auch eine deutliche Zunahme an Recherchen“, erzählt er und vermutet: „Wahrscheinlich weil die Leute mehr zuhause sind und sich um Probleme kümmern, die sie sonst geschoben haben.“

So machen er und seine Kollegen Schuldner ausfindig, suchen Familienmitglieder oder ermitteln Adressen und Halterdaten.

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Mutter ließ Detektive Schule observieren

Ein Fall im Zusammenhang mit Corona ist Kurtz dann doch in Erinnerung geblieben. Es ist ein Fall, der ihm ein bisschen Bauchschmerzen bereitet habe, wie er im Gespräch berichtet. „Ich war nicht im Büro, als er angenommen wurde. Ich hätte ihn abgelehnt, nicht weil er illegal wäre, sondern aus persönlich-moralischen Gründen.“

Eine Auftraggeberin sei der Meinung gewesen, dass die Lehrer an der Schule ihres Kindes nicht empfehlungsgemäß lüften würden. Sie habe so die stärkere Verbreitung des Coronavirus' gefürchtet, erzählt Kurtz. „Sie hat uns beauftragt uns vor die Schule zu stellen und die Kollegen haben dann observiert, wann welche Fenster in der Schule geöffnet wurden.“

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In ihrem Ermittlungsbericht protokollierten die Detektive genau die Lüftungszeiten. „Das war sicher zum Teil nicht empfehlungsgemäß. Manche Lehrer haben viel gelüftet, andere weniger. Ich hoffe nur, dass den Lehrern da kein allzu großer Ärger durch uns eingebrockt wurde, weil ich mit einigen Corona-Regulierungen nicht konform gehe und an Schulen ohnehin eine geringe Gefährdung besteht.“

Kurtz betont: „Wir haben normalerweise deutlich realere Ermittlungen, etwa zu Straftaten. Das gefällt mir dann deutlich besser.“

Außendienstler verlässt Wohnung nur für Kinobesuch

Ein Fall, der ihm bei der Kanzlei Kurtz gerne in Erinnerung geblieben ist, spielte lange vor Corona und zeigt, dass das Thema Home Office und Vertrauen nicht erst seit diesem Jahr präsent ist. Ein Außendienstmitarbeiter benahm sich damals trotz Stellenbeschreibung eher als wäre er im Home Office.

„Bei Außendienstlern ist es ein Stück weit ähnlich wie beim Home Office. Der Arbeitgeber hat auch kaum eine Kontrollfunktion“, erklärt Kurtz und erzählt. „Wir haben vor einigen Jahren einen Außendienstler drei Tage beobachtet. Er war nur zuhause. Und als er endlich mal rausfuhr, dann war das um den Film der Marsianer im Kino zu sehen.“

 
 

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