NRW: Demo in Kamp-Lintfort zeigt erschütternde Entwicklung

Kamp-Lintfort in NRW: SPD-Landtagsabgeordneter René Schneider spricht bei einer Kundgebung. Hundert Menschen haben Solidarität mit Bürgermeister Christoph Landscheidt bekundet.
Kamp-Lintfort in NRW: SPD-Landtagsabgeordneter René Schneider spricht bei einer Kundgebung. Hundert Menschen haben Solidarität mit Bürgermeister Christoph Landscheidt bekundet.
Foto: dpa

Es hat Signalcharakter: Die Polizei rät einem Bürgermeister, lieber nicht öffentlich in der eigenen Stadt zu reden – weil es zu gefährlich ist.

In Kamp-Lintfort in NRW passiert genau das. Dort demonstrieren Rechtsradikale am Samstag gegen Christoph Landscheidt (SPD). Seit 1999 ist er Bürgermeister der Stadt am Niederrhein, inzwischen in der vierten Amtszeit.

NRW: Rechter Hass gegen Bürgermeister von Kamp-Lintfort

Im Mai 2019 wurde Landscheidt zum Ziel rechten Hasses. Damals ließ er im Europa-Wahlkampf volksverhetzende Plakate abhängen. Seitdem wird er nach eigener Aussage massiv aus der rechten Szene bedroht.

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Am Samstag hatte ein Mitglied der Partei „Die Rechte“ eine Demo angemeldet, rund 30 Rechtsextreme kamen.

Rechte Demo in Kamp-Lintfort

Sehr viel größer ist die Gegendemo: Nach Angaben der Polizei waren etwa 700 Menschen zu der Gegenkundgebung gekommen, die Veranstalter sprachen gar von etwa 1000 Teilnehmern.

Nur Landscheidt selbst sollte sich lieber nicht an zu prominenter Stelle blicken lassen: Die Polizei riet ihm von einem Auftritt auf der Gegendemonstration ab. Aus Sicheheitsgründen. Der SPD-NRW-Landtagsabgeordnete Schneider sagte laut dem Deutschlandfunk auf der Kundgebung in Kamp-Lintfort: „Wir sind verflixt weit, dass ein Bürgermeister in seiner eigenen Stadt sich nicht auf einer Bühne äußern soll, weil die Sicherheitslage es nicht zulässt.“

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Der Fall Landscheidt hat Züge angenommen, die gleichermaßen absurd wie alarmierend wirken. Der SPD-Mann hatte einen großen Waffenschein beantragt - um sich und seine Familie vor rechtsradikalen Angreifern verteidigen zu können, weil er sich offenbar nicht hinreichend geschützt sieht.

Ein Vorgang, den man vor zehn Jahren wahrscheinlich für einen geschmacklosen Witz gehalten hätte. Landscheidt ist Jurist, hat als Richter gearbeitet. Er gilt als besonnen, als Bürgermeister ist er überaus beliebt - bei der letzten Wahl bekam er 87 Prozent der Stimmen. Und nun will er eine scharfe Waffe haben, um sich zu schützen.

Landscheidt: „Massiv aus der rechten Szene bedroht“

In einer Mitteilung machte Landscheidt klar, er habe nicht vor, „bewaffnet durch die Straßen zu ziehen“. Aber es habe bereits Angriffe und bedrohliche Situationen in seinem privaten und beruflichen Umfeld bereits gegeben, so der Politiker.

„Fakt ist, dass ich seit dem Europa-Wahlkampf im Mai des Jahres, bei dem ich volksverhetzende Plakate habe abhängen lassen, massiv aus der rechten Szene bedroht werde“, hatte Landscheidt am Freitag mitgeteilt.

Die Polizeibehörde hatte den Waffenschein-Antrag abgelehnt, Langscheidt klagt deshalb nun vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf.

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Drohungen gegen Politiker aus rechten Kreisen nehmen in letzter Zeit zu: Grünen-Politiker Cem Özdemir und Claudia Roth hatten Morddrohungen gegen sie öffentlich gemacht, zuletzt auch SPD-Vize und Juso-Chef Kevin Kühnert.

SPD-Bürgermeister legt Amt nieder - wegen rechter Hetze

Und im niedersächsischen Estorf hatte jüngst SPD-Bürgermeister Arnd Focke sein Amt niedergelegt - weil die rechte Hetze gegen ihn zu unerträglich, zu bedrohlich geworden war. Und im Juni 2019 wurde der Kassler Regierungspräsident Walter Lübcke getötet - Verdächtiger ist der Rechtsradikale Stephan Ernst. (mit dpa)

 
 

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