Corona in NRW: Wirte laufen Sturm gegen neue Corona-Regeln! „Sind die Gelackmeierten“

Allergie oder Coronavirus?

Die Pollensaison geht los – doch in Zeiten von Covid-19 sind selbst Allergiker verunsichert. Plagt einen nur die Allergie oder hat man sich mit dem Coronavirus angesteckt?

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„Alle Kneipen, die sich wie wir an die Regelungen halten, sind die Gelackmeierten“, meint Patrick Walsdorf sichtlich zerknirscht. Der 38-Jährige ist Betriebsleiter des „Kürzer“ in Düsseldorf. Er ist einer von vielen Düsseldorfer Gastronomen, die für die Sperrstunde in der Stadt Unverständnis zeigen. Um 1 Uhr nachts ist dort seit Montag Schluss.

Grund sind die steigenden Corona-Zahlen in NRW. Die Landesregierung hatte daraufhin die Maßnahmen für Risikogebiete verschärft und nur 24 Stunden nach Ankündigung per Erlass geltend gemacht. Düsseldorf war dabei als erste Stadt vorgeprescht und legte konkrete Uhrzeiten vor, in denen die Bars und Kneipen geschlossen bleiben müssen.

NRW-weit droht den angeschlagenen Gastronomen nun ein ähnliches Schicksal. Auch der Essener Wirt Patric Ampütte von der gleichnamigen Kneipe in Essen-Rüttenscheid sieht schwarz. Es drohe der nächste „schwere Rückschlag“.

NRW: Düsseldorf führt Sperrstunde ein – Wirte stinksauer

„Wir wundern uns ein bisschen, dass wir mit einer Sperrstunde belegt werden. Bessere Kontrollen als in der Gastronomie hat man aktuell nicht. Wir dokumentieren unsere Gäste, achten auf Abstände und stellen Desinfektionsmittel bereit“, zeigt sich Kürzer-Betriebsleiter Walsdorf im Gespräch mit DER WESTEN verärgert.

Das Kürzer, eine Kneipe mit eigener Brauerei, zog vor rund zehn Jahre an die Kurze Straße, hat sich vor allem beim jüngeren Publikum in der Altstadt jedoch innerhalb weniger Jahre Kultstatus erarbeitet. Der 38-Jährige kennt die Altstadt-Kundschaft inzwischen gut.

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Er glaubt nicht, dass eine Sperrstunde tatsächlich dazu führen würde, dass alle aus den Kneipen geordnet die Heimreise antreten werden: „Die Gäste werden in den nächsten Wochen nicht zu Hause bleiben, sondern sich Alternativmöglichkeiten suchen.“

Essen: „Es gibt 1000 ungeklärte Fragen“

In Düsseldorf gibt es die Besonderheit, dass die Gastronomen hier zumindest in Sachen Sperrstunde Gewissheit haben. In Duisburg wird sie ab Mittwoch gelten, ebenfalls ab 1 Uhr. Anders sieht das in Essen aus. Laut Gesundheitsamt legen die Städte und Kommunen die Zeiten der Sperrstunde selbst fest. Für Patric Ampütte eine undankbare, unsichere Zeit des Wartens: Wie stark wird er sein Geschäft in den nächsten Wochen einschränken müssen?

„Es gibt 1000 ungeklärte Fragen. Wir haben schon intern mit dem Personal geredet. Alle haben über die neuen Maßnahmen gelesen, aber gefühlt weiß keiner richtig Bescheid“, klagt der 60-Jährige. Die Ampütte auf der Rüttenscheider Straße ist eine echte Institution. Seit 1901 wandert hier das kühle Blonde über die Theke. Es ist die älteste Kneipe in Essen und ist aus dem Nachtleben nicht mehr wegzudenken. Doch seit den Corona-Einschränkungen bleiben einige Plätze leer. Nicht, weil die Nachfrage fehlt, sondern weil der Abstand an der Bar nicht eingehalten werden kann.

Gastronom spricht von „schwerem Rückschlag“

Es ist eine der Kneipen in Essen, die meist mit als letztes die Lichter ausmacht. „Die Sperrstunde trifft uns sehr hart. Wir haben am Wochenende bis 4 Uhr morgens auf. Das sind unsere stärksten Tage. Wir leben vom Nachtgeschäft.“

Dabei hatte sich die Situation in den vergangen Monaten beruhigt. Die Umsätze erreichten fast das Niveau von vor der Corona-Krise. Die drohende Sperrstunde sei „ein schwerer Rückschlag.“ „Es gab ja schon fast so etwas wie ein Licht am Ende des Tunnels für uns“, so Ampütte besorgt, der mit der Umsetzung der bisherigen Regeln zufrieden war.

Auch der 60-Jährige glaubt nicht daran, dass die Sperrstunde tatsächlich etwas zu sinkenden Corona-Zahlen beitragen könne. Einerseits sei Essen „nie als Hotspot feiernder Jugendlicher aufgefallen“, andererseits können man „die ‚Blagen‘ ja auch nicht einsperren. Junge Menschen leben von ihren Freunden, von Gesellschaft.“

Wirte klagen gegen Sperrstunde in Düsseldorf

Mit dieser Einschätzung ist er nicht allein. Die Gastronomie sei weder „die Wurzel allen Übels“, noch „Großverursacher von Infektionszahlen“, wie Walsdorf in Düsseldorf meint. Er könne „nicht nachvollziehen, wieso man die Gastronomie immer wieder auf dem Kieker hat.“

Die Wut und das Unverständnis der Gastronomen hört man deutlich. Jetzt wollen sie sich auch rechtlich zu Wehr setzen. Am Dienstag haben mehrere Wirte angekündigt, gegen die Sperrstunde in Düsseldorf per Eilantrag klagen zu wollen.

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„Ich glaube, dass es schwer wird, die Sperrstunde aufrecht zu erhalten, wenn man gerichtlich gegen sie vorgeht“, hofft Kürzer-Betriebsleiter mit Blick auf den Antrag. Im Dickicht der vielen Unsicherheiten scheint aktuell für die Gastronomie-Szene nur noch eins klar: Es wird ein langer und beschwerlicher Winter werden. (dav)

 
 

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