NRW: Corona-Soforthilfe wird zur Falle - Innenminister Reul macht Betrügern klare Ansage: „Nicht nur hoch kriminell, sondern...“

Betrug mit Corona-Soforthilfe: Kriminelle versuchen Daten abzufischen und Hilfsgelder einzusacken. (Symbolbild)
Betrug mit Corona-Soforthilfe: Kriminelle versuchen Daten abzufischen und Hilfsgelder einzusacken. (Symbolbild)
Foto: dpa; Montage: DER WESTEN

Die Corona-Soforthilfe sollte Unternehmen und Selbstständigen in der Not helfen, doch für viele wurde sie zur Falle!

Mit gefälschten Internet-Seiten versuchen Betrüger von der Corona-Krise zu profitieren. Besonders perfide: gefälschte Seiten, die offenbar die Daten der Antragssteller abgreifen wollen, um so Kohle mit Soforthilfe zu machen. Weil die Betrugsversuche überhand nahmen, stoppte das NRW-Wirtschaftsministerium am Donnerstag vorerst die Auszahlungen der Corona-Soforthilfe. Die Entscheidung sei in Abstimmung mit dem Landeskriminalamt am Mittwochabend gefallen, heißt es.

Corona-Soforthilfe: Fieser Betrug bei Hilfsanträgen

Aus unterschiedlichen Regionen Nordrhein-Westfalens waren Anzeigen von Menschen, die sich im Internet um Corona-Soforthilfe bewerben wollten, eingegangen. Damit tritt das ein, wovor etwa Sebastian Fiedler, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, schon vergangene Woche im Gespräch mit DER WESTEN gewarnt hatte: „Man wird versuchen etwa bei Geldern durch finanzielle Hilfspakete zu betrügen".

Inzwischen wird wegen des Vorwurfs des versuchten Betrugs gegen die Betreiber mehrerer "Fake-Websites" ermittelt. Rund 3.500 bis 4.000 Antragsteller sind nach bisherigen Erkenntnissen betroffen, teilte das Innenministerium am Donnerstagnachmittag mit.

+++ Clans, Mafia und Betrüger in NRW: So machen Kriminelle in der Corona-Krise ihre Geschäfte – Polizei sieht alarmierende Tendenz +++

So gehen die Betrüger vor

Die Täter nutzen die Unsicherheit rund um Corona aus und eröffnen Domains rund um das Coronavirus. In diesem Fall die Corona-Soforthilfe. Die Seiten sehen der offiziellen Seite des Landes NRW zum Verwechseln ähnlich und hatten auch eine .de Endung. Die Adresse einer Seite, die am Donnerstagmorgen zunächst noch online war, enthielt zum Beispiel die Worte Soforthilfe, NRW und Antrag. Der Provider der Seite sitzt laut dem Internetdienst „whois“ in der Slowakei.

Die Betrüger platzieren ihre Fake-Internetseiten auch prominent über Werbeanzeigen in Suchmaschinen. Gelangst du etwa durch Googeln auf die Fake-Seite und gibst dort deine Daten ein, fangen diese Betrüger ab und versuchen mit einer veränderten Bankverbindung die Soforthilfen einzusacken.

Es handelt sich laut Ministerium um hochprofessionelle Täter, die im Darknet nach Menschen suchen, die gegen eine Gewinnbeteiligung ihre Konten zur Verfügung stellen. Von diesen Konten wird der Gewinnanteil des Betrügers dann in Kryptowährung umgewandelt und damit anonymisiert, was die Identifizierung erschwere.

Das Vorgehen der Betrüger ist längst nicht nur auf Soforthilfen beschränkt. Eine Studie von „Domainscope.com“ hat herausgefunden, dass seit Januar 2020 4.000 Internet-Domains mit den Wörtern "Coronavirus" oder "COVID-10" registriert wurden. Drei Prozent hätten Schadsoftware beinhaltet, fünf Prozent seien verdächtig gewesen.

Wie erkenne ich Fake-Seiten

Laut LKA lassen sich unseriöse Seiten vor allem an der Internetadresse (URL) erkennen. Eine Internetseite lässt sich immer dann dem seriösen Anbieter zuordnen, wenn ihm der Serverbestandteil der Adresse zugeordnet werden kann, so das LKA. Ganz einfach: Alle Internetseiten des Landes NRW enden auf ".nrw" oder "nrw.de". Bei anderen abweichenden Schreibweisen handelt es sich nicht um eine offizielle Internetseite des Landes NRW.

Daher der dringende Appell: Nutze für Soforthilfe-Anträge in Nordrhein-Westfalen ausschließlich den Internetauftritt der Landesregierung NRW (https://soforthilfe-corona.nrw.de)

----------------

Mehr zum Thema Corona:

----------------

So geht es jetzt weiter

Nachdem eine Vielzahl von Fällen aufgetreten ist, hatte das Land die Bezirksregierungen angewiesen, weitere Auszahlung der Gelder auszusetzen.

Es wurde dazu extra eine eigene Ermittlungskommission ins Leben gerufen. Bei der Staatsanwaltschaft wurde dafür die „Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen“ (ZAC) eingeschaltet, die für gravierende Verbrechen im Internet zuständig ist. Sie prüft nun, ob und in welchem Umfang tatsächlich bereits Soforthilfe-Gelder an Betrüger ausgezahlt wurden. Darüber hinaus dürfte es darum gehen, dass die Fake-Seiten schnellstmöglich aus dem Netz verschwinden.

„Das Ermittlungsverfahren läuft", erklärte Staatsanwalt Dr. Christoph Hebbecker von der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime auf DER WESTEN-Nachfrage. „Es handelt sich nach derzeitigem Ermittlungsstand um eine professionell aufgezogene, kriminelle Kampagne, die gezielt den hohen Handlungsdruck von Unternehmen und Verwaltung bei der Bewältigung der Corona-Krise instrumentalisiert", so Oberstaatsanwalt Markus Hartmann, Leiter der ZAC NRW.

Für Antragsteller heißt das erstmal warten: Das Ministerium bittet um Verständnis und etwas Geduld und will zeitnah über die weitere Entwicklung informieren.

Was mache ich, wenn ich Opfer eines Betrugs wurde?

Solltest du deine Daten auf einer gefälschten Internetseite eingegeben haben, rät das LKA zu einer Strafanzeige. Am besten geht das derzeit über die Internet-Wache der Polizei NRW: https://polizei.nrw/internetwache.

+++ Corona: Land NRW überweist fast 15 Millionen Euro für Atemschutz – dann der Schock +++

Das sagt die Politik

Innenminister Herbert Reul fand deutliche Worte: „Diese Masche ist nicht nur hoch kriminell, sondern moralisch besonders verwerflich. Diese Betrüger meinen, sie könnten eine akute Notlage auf Kosten der Allgemeinheit ausnutzen. Das müssen wir unbedingt verhindern. Daran arbeiten alle staatlichen Stellen mit Hochdruck und großem Einsatz.“

Sein Kollege NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart ergänzte: „Die Kleinbetriebe und Soloselbstständigen in Nordrhein-Westfalen sind gerade in der Corona-Krise auf die Wertschätzung und die Unterstützung der Gesellschaft dringend angewiesen. Umso wichtiger ist es, dass die NRW-Soforthilfe auch in die richtigen Hände gelangt. Deshalb überprüfen wir mit den Bezirksregierungen und der Finanzverwaltung die offenen Anträge und Bewilligungen und bitten die Unternehmerinnen und Unternehmer um etwas Geduld und Verständnis. Wir werden die Zahlungen schnellstmöglich wieder aufnehmen und auch die Corona-Soforthilfe-Seite freischalten. Denn eines ist klar: Wir brauchen die Kleinunternehmer, um schnell wieder aus der Krise zu kommen.“

Das ist die Corona-Soforthilfe

Sowohl der Bund als auch das Land hatten direkte Zuschüsse für Unternehmen beschlossen, deren Geschäft angesichts der Corona-Pandemie leidet oder ganz ausfällt. Betriebe mit bis zu fünf Angestellten können 9.000 Euro beantragen, Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten 15.000 Euro.

Mittelgroße Betriebe mit bis zu 50 Mitarbeitern können 25.000 Euro bekommen. In den vergangenen Wochen wurden bereits Hunderttausende Anträge in NRW bewilligt. Anträge könnten weiter gestellt werden, hieß es in der Mitteilung am Donnerstag. (mit dpa)

 
 

EURE FAVORITEN