NRW-CDU rügt rosafarbene Gefängniszellen in Dortmund und Hagen

Machen rosafarbene Gefängniszellen Gefangene wirklich ruhiger? Die CDU hat noch Zweifel.
Machen rosafarbene Gefängniszellen Gefangene wirklich ruhiger? Die CDU hat noch Zweifel.
Foto: Jörg Schimmel
Rosafarbene Gefängniszellen gibt es nun in Dortmund und Hagen. Der „Cool Down Pink“ genannte Ton soll aggressive Häftlinge „runterkühlen“. Doch die Justizvollzugsanstalten zeigen kein übermäßiges Interesse an der Idee. Die NRW-CDU rügt die Entscheidung - und will mehr Informationen vom Justizminister.

Düsseldorf/Dortmund.. Die CDU fordert vom Justizminister Aufklärung über rosafarben gestrichene Zellen in NRW-Gefängnissen. In der Theorie soll die Farbe beruhigend auf besonders aggressive Gefängnisinsassen wirken – ein Konzept aus den USA. Darum haben die Justizvollzugsanstalten in Dortmund und Hagen Hochsicherheitszellen in dem „Cool Down Pink“ genannten Farbton gestrichen. Bei einem Häftling zumindest bewirkten sie das Gegenteil. Er soll seine pinken Zellenwände mit Kot beschmiert haben.

„Nach meinen Informationen haben sich die Fachdienste der JVA Dortmund vehement gegen den rosafarbenen Anstrich von Hafträumen ausgesprochen, da dieser Farbton mit erheblichen Vorurteilen belastet sei“, schrieb der CDU-Rechtsexperte Peter Biesenbach am Dienstag an Justizminister Thomas Kutschaty (SPD). Die CDU forderte Aufklärung vom Minister.

Ein Sprecher des NRW-Justizministeriums verteidigte den von Wissenschaftlern angeregten „Versuch“ mit farbigen Hafträumen für besonders aggressive Gefangene. In der JVA Dortmund habe es keinen Widerspruch der Fachdienste gegeben. In anderen JVA seien derzeit keine weiteren rosa Zellen geplant, sagte der Sprecher.

Nein danke, kein Interesse

Eine Umfrage des Justizministeriums NRW hatte zuvor ergeben, dass bislang nur wenige Anstalten das Farbkonzept aufgreifen wollen. „Die Abfrage ist noch nicht abgeschlossen, aber der überwiegende Teil lehnt das ab“, so Ministeriumssprecher Peter Marchlewski.

Die Dortmunder Anstalt ist jedoch Vorreiter. Ihre Leiterin Barbara Lübbert erklärte kürzlich: „Das Konzept ist in der Schweiz und den USA erprobt. Dort wurden sehr positive Erfahrungen gesammelt. Es ist auch wissenschaftlich belegt, dass die Farbe Wirkung zeigt: Blutdruck und Puls gehen schneller runter und die Menschen lassen sich einfacher beruhigen.“ Beim ersten Insassen der rosa Zelle war aber noch keine positive Wirkung festzustellen. „Das ist natürlich auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Trotzdem glaube ich, dass wir von dem Farbkonzept profitieren werden“, so Barbara Lübbert. (dapd/wh)

 
 

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