NRW: Stromausfall wegen Cyber-Angriffen in Corona-Pandemie? „Dann geht es um Menschenleben“

NRW: Ein flächendeckender Stromausfall in der Corona-Pandemie? Es wäre ein Worst-Case.
NRW: Ein flächendeckender Stromausfall in der Corona-Pandemie? Es wäre ein Worst-Case.
Foto: dpa/imago images; Montage: DER WESTEN

Früher überfielen Räuber Banken. Kaufhauserpresser drohten Warenhausketten damit, Produkte zu vergiften.

Der moderne Verbrecher infiziert Systeme von Unternehmen mit Schadsoftware, verlangt Kryptowährungen, um sie mit schwer zu knackenden Algorithmen zu entschlüsseln. Besonders heikel sind solche Angriffe für die kritische Infrastruktur. In Düsseldorf (NRW) mussten wegen eines Cyber-Angriffs während der Corona-Pandemie Teile des Uniklinikums schließen.

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Ein Worst-Case-Szenario, doch nichts gegen das, was Katherina Reiche ausmalt. Die ehemalige CDU-Politikerin und heutige Vorsitzende des Vorstandes der Westenergie AG sagte bei der Online-Konferenz „Mehr Sicherheit für Deutschland und Europa“ am Montag: „Stellen Sie sich vor, es wäre während der Pandemie zu einem flächendeckenden Stromausfall gekommen. Zusätzlich zu der Unsicherheit, die ohnehin die Corona-Pandemie ausgelöst hat.“

Die Folgen kann man sich ausmalen: kein Trinkwasser, kein Internet, aber vor allem auch keine Dialysegeräte oder Lungenmaschinen in den Krankenhäusern in NRW.

Sieben von zehn Unternehmen, schätzen Experten, sind in den vergangenen Jahren Opfer von Datendiebstahl und Sabotage im Netz geworden. Auf knapp 103 Milliarden Euro summierten sich die Schäden durch kriminelle Attacken auf Unternehmen im Jahr 2019, hatte eine Umfrage des IT-Verbands Bitkom ergeben.

Die Schadenssumme dürfte im Corona-Jahr 2020 weiter drastisch angestiegen sein.

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„Auch wir werden als Energieversorger angegriffen. Wir haben es mit zehn schweren Angriffsversuchen über das Netz pro Monat zu tun“, so Reiche. Es brauche permanente Aufmerksamkeit bei Sicherheitssystemen, aber auch Mitarbeitern, so Reiche.

NRW-Justizminister: „Dann geht es um Menschenleben“

„Digitale Verbrecher hinterlassen kaum Spuren“, weiß auch NRW-Justizminister Peter Biesenbach. Musste der Kaufhauserpresser in der analogen Welt noch zur Geldübergabe selbst in Erscheinung treten, können sich digitale Erpresser nahezu vollständig in der Anonymität des Internets verbergen.

„Besonders erschreckend sind die teils gravierenden und von den Tätern nicht zu kalkulierenden Kollateralschäden“, sagte Biesenbach mit Blick auf Hacker-Angriffe auf Krankenhäuser in NRW. „Wenn Notfälle nicht mehr behandelt werden können, geht es nicht mehr nur um digitale Sicherheit, sondern um Menschenleben.“

Es sei zu beobachten, dass sich klassische organisierte Kriminalitätsfelder im Wandel befänden, hin zu einer „hybriden Form der Cyber-Kriminalität“, so der Justizminister.

Biesenbach brachte bei der Online-Sicherheitskonferenz ein nationales Abwehrzentrum für IT-Sicherheit ins Spiel, in dem Wissenschaft, Strafverfolgung bis hin zum Verbraucher mit einbezogen werden sollen.

Reul: „Die nächste Revolution der Kriminalistik muss eine digitale Revolution sein“

Das die Digitalisierung auch für die Strafverfolgungsbehörden eine Herausforderung ist, hatte bei der Konferenz bereits NRW-Innenminister Herbert Reul betont: „Die nächste Revolution der Kriminalistik muss eine digitale Revolution sein“. Er erwog sogar, polizeiliche Tätigkeiten auszulagern. „Ich weiß, dass sind heilige Kühe, aber wir brauchen zumindest ein Nachdenken darüber“, so der Innenminister.

 
 

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