NRW-Behörde rät vom Verzehr selbstgeangelter Aale ab

Holger Dumke
Das Landesumweltamt warnt NRW-weit davor, selbstgeangelte Aale zu essen. Grund: zu hohe PCB- und Dioxin-Werter.
Das Landesumweltamt warnt NRW-weit davor, selbstgeangelte Aale zu essen. Grund: zu hohe PCB- und Dioxin-Werter.
Foto: Ina Hornemann
Zuviel Dioxin und PCB im Fettgewebe: 83 Prozent der Fische waren bei einer landesweiten Stichprobe teils extrem belastet. Und das nicht nur in den großen Flüssen, sondern in kleinen Flüssen wie Niers und Lippe. Die Angler in NRW sind irritiert.

An Rhein und Ruhr. Das Landesumweltamt hat mit einer NRW-weiten Verzehrwarnung für selbstgefischte Aale gestern Angler verstört. Bei einer stichprobenartigen Untersuchung von 127 Wildaalen aus elf Gewässern waren teils extrem erhöhte PCB- und Dioxin-Werte festgestellt worden. Die beiden Gifte sind sehr langlebig und lagern sich im reichhaltigen Fettgewebe der Fische an. Beim Menschen können sie das Nerven- sowie das Immunsystem schwer schädigen.

„Zum Schutz von Anglern und ihren Familienangehörigen wird geraten, generell auf den Verzehr von selbstgefangenen Wildaalen aus nordrhein-westfälischen Gewässern zu verzichten“, heißt es in einer Mitteilung. Behördenschef Heinrich Bottermann zeigte sich in Sorge über die PCB-Belastungen in der Umwelt: „Obwohl der Stoff schon längst nicht mehr eingesetzt wird, ist er überall in der Umwelt vorhanden – auch in Lebensmitteln.“

Im Jahr 2003 gab es schon einmal eine Verzehrwarnung für Aale, damals wegen Dioxin, allerdings nur für Fische aus dem Rhein. Dass es nun eine pauschale Warnung für alle Gewässer gibt und nicht nur für industrienahe Flüsse, das ist neu – und irritiert Angler. „Gesundheitsvorsorge ist sehr wichtig und sollte auch politisch Berücksichtigung finden“, sagte Michael Möhlenkamp, Geschäftsführer des Fischerverbandes NRW, im Gespräch mit der NRZ. Er warnte aber vor Panikmache und einer Diskreditierung von Fisch als Lebensmittel.

Warnung vor Panikmache

Für kleine Nebenflüsse und bekannt gute Gewässer wie die bergischen Talsperren konnte Möhlenkamp die Verzehrwarnung ausdrücklich nicht nachvollziehen. Er plädierte dafür, die Risiken einer PCB-Belastung mit den Vorzügen von Fisch als gesundem Lebensmittel abzuwägen, wie es etwa in den USA oder Skandaniven geschehe.

„Wir haben eine Stichprobe, die verlässlich ist“, sagte ein Sprecher des Landesumweltamtes zu der pauschalen Warnung. Selbst kleinste Mengen von PCB oder Dioxin könnten fatale Wirkungen haben. 83 Prozent der untersuchten Fische seien teilweise extrem belastet gewesen. Die von der EU vorgegebenen Werte seien häufig um ein Vielfaches überschritten worden – auch in kleinen Flüssen. In der Niers etwa hätten die Werte um bis zu drei Mal so hoch gelegen und in der Lippe sogar bis zu acht Mal so hoch.