NRW: Aus für die Kirmes? Schausteller mit düsterer Prognose – „Man kriegt es mit der Angst“

Cranger Kirmes in Herne: Der größte Jahrmarkt in NRW musste wegen der Coronakrise für dieses Jahr bereits abgesagt werden.
Cranger Kirmes in Herne: Der größte Jahrmarkt in NRW musste wegen der Coronakrise für dieses Jahr bereits abgesagt werden.
Foto: imago images / Hans Blossey

Die Cranger Kirmes in Herne, die Rheinkirmes in Düsseldorf und alle weiteren Jahrmarkt-Events in NRW fallen wegen der Coronakrise noch bis mindestens Ende August ins Wasser.

Was die Kirmes-Fans in NRW hart trifft, trifft die Schausteller, die solche Events auf die Beine stellen, noch härter. Weil die Einnahmen komplett fehlen, rechnen manche von ihnen mit dem Schlimmsten. Steht die Kirmes vor dem Kollaps?

Kirmes in NRW: Für die Schausteller wird es eng

Auch Schausteller Benjamin Vogel kann momentan „gar nix“ machen – für seine Branche gilt ein komplettes Berufsverbot bis zum 31. August. Eigentlich wollte er aus seinen Getränkebuden schon längst Bier und andere kühle Getränke an die Kirmesbesucher ausschenken.

Das letzte Getränk hat er im Dezember an seiner Glühweinbude verkauft, im Januar und Februar werkelte er an seinen Ständen. Gerade, als er für die neue Kirmes-Saison startbereit war, kam das Coronavirus dazwischen.

„Da kriegt man es mit der Angst“

Er hofft auf den Neustart bei der Werdener Kirmes Anfang September: „Das wäre die erste Veranstaltung, die wieder möglich wäre, wenn das Berufsverbot nicht verlängert wird.“ Dass eben erst das Oktoberfest in München abgesagt wurde, macht da nicht gerade Hoffnung.

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Bis dahin versuchen die Schausteller, mit der Coronahilfe vom Staat über die Runden zu kommen. Vogel hofft auf Hilfe vom Bund für die gesamte Branche. „Wir haben zuvor noch nie Fördergelder beantragt. Es geht hier um 5000 Betriebe, dazu deren Lieferanten. Allein wir arbeiten mit 12 verschiedenen Firmen zusammen, die jetzt auf ihren Produkten sitzen bleiben. Da kriegt man es mit der Angst.“

Keine Sicherheit zu haben birgt Sorgen

Eigentlich hatte Vogel große Pläne für 2020, wollte seinen Betrieb sogar vergrößern. Pläne, die in weite Ferne gerückt sind. „Man weiß nicht, wann und wie es weitergeht. Wenn ja, wie können wir arbeiten? Welche Auflagen kommen auf uns zu?“

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Wenn alle Stricke reißen, müsse er Hartz 4 beantragen. Eine große Familie mit fünf Söhnen und ein Geschäft, von dem er nicht weiß, ob es in diesem Jahr überhaupt noch anlaufen wird. „Das geht auf die Psyche. Man hat keine Sicherheiten.“

„Mehr als beschissen“

Um auf andere Gedanken zu kommen beschäftigt sich Vogel im Garten, betreut seine Kinder, hilft ihnen bei den Schularbeiten, lenkt sich ab, so gut es geht. Aber sein Betrieb fehlt ihm. „Gar nix machen zu können, das ist mehr als beschissen.“

Nicht nur er, auch seine Kunden bangen um die Schausteller und damit um das Fortbestehen von Kirmes und Co.. „Viele wollen wissen, wann es denn endlich weitergehe. Eine Antwort habe ich nicht. Ich kann auch nur hoffen, dass sich die Karussells so schnell wie möglich wieder drehen.“ (vh)