Polizei-Experte aus NRW zeichnet düsteres Bild: „Polizisten in NRW sind Gewalttätern nicht mehr gewachsen“

Ein Polizei-Experte aus NRW zeichnet ein düsteres Bild von der Ausbildung der Beamten.
Ein Polizei-Experte aus NRW zeichnet ein düsteres Bild von der Ausbildung der Beamten.
Foto: dpa/Symbolbild

Bielefeld. Ist die Polizei in NRW für ihre herausfordernden Aufgaben gerüstet? Erst im Februar sickerte durch, dass die Polizei-Führung auf wachsende Gewalt gegen Beamte reagieren will.

„Die Polizei NRW muss an Konsequenz, Stabilität, Führungsstärke und Robustheit deutlich zulegen“, zitierte die „Aachener Zeitung“ aus dem vertraulichen Papier. Damit rückt die Polizei auch von ihrem Leitbild aus den 1980er-Jahren ab. Dort heißt es noch, Polizisten sollten das Wort als wesentliches taktisches Einsatzmittel einsetzen.

Polizei in NRW: Experte kritisiert Ausbildung

Auch ein Polizei-Experte aus Bielefeld glaubt, dass die Polizei-Ausbildung zumindest teilweise realitätsfern ist. „So ist die Polizei den Gewalttätern von heute nicht mehr gewachsen“, sagt Christian Hjort im Gespräch mit der „Neuen Westfälischen“.

Er ist Einsatztrainer für Polizei-Beamte, zeigt den Polizisten wichtige Zugriffstechniken und Griffe.

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„Das ist teilweise dringend notwendig. Denn manche Beamte sind echt schlecht ausgebildet“, so Hjort.

Polizisten werden von Tätern verprügelt

Mit dem dienstlichen Training sei die Polizei ihren Aufgaben nicht mehr gewachsen, so Hjort. Er trainiert Beamte aus ganz Deutschland. Oft seien es Polizisten, die von gut trainierten Tätern verprügelt wurden oder schlicht Angst hätten.

„Immer öfter werden Beamte sogar mit Messern verletzt. Und zwar nicht - wie im Training - aus großer Distanz und mit langer Vorbereitungszeit, sondern in engen Sozialwohnungen oder im Tumult“, zeigt der 33-Jährige die Gefahren des Berufs auf.

Beamte greifen aus Not zum Schlagstock

Dies würde dazu führen, dass die Polizisten immer öfter zum Schlagstock greifen. „Und das sieht erst recht nicht gut aus“, sagt Hjort.

Auch das NRW-Innenministerium sieht offenbar Handlungsbedarf. In dem im Februar durchgesickerten Papier (hier liest du alle Details zu dem Papier) wird ein robusteres Auftreten der Beamten angedacht. „Polizeibeamte müssen durchsetzungsfähig und -stark und damit letztlich gewaltfähig, aber nicht gewaltaffin werden.“

Letztlich ginge es darum, die Bürger zu schützen: „Weicht der Staat hier zurück, führt dies zu einem Recht des Stärkeren und letztlich zur Aufgabe unseres Gemeinwesens.“ (fel)

 
 

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