Bei Wiederbelebung bespuckt: Krankenschwestern berichten schockierende Details aus ihrem Arbeitsalltag

In Notaufnahmen von Krankenhäusern spitzt sich die Situation immer heftiger zu.
In Notaufnahmen von Krankenhäusern spitzt sich die Situation immer heftiger zu.
Foto: dpa/Symbolbild
  • Volle Notaufnahmen in Krankenhäusern
  • Schwester berichtet anonym von schockierenden Vorfällen
  • Heftige Probleme sind längst keine Seltenheit mehr

Bielefeld. Beleidigungen, Stress, körperliche Übergriffe. Der Alltag von Krankenschwestern und Pflegern wird laut den Betroffenen immer härter. Pflegekräfte haben im Alltag längst regelmäßig mit Respektlosigkeiten zu kämpfen. Die „Neue Westfälische“ legt nun weitere, schockierende Details offen.

Die Zeitung sprach anonym mit einer jungen Krankenschwester: „Die Bedrohungen, die wir uns täglich gefallen lassen müssen, machen fertig“, sagt sie. Ein Vorfall blieb der jungen Frau besonders im Gedächtnis.

Notaufnahme im Krankenhaus: Schwester berichtet schockierenden Vorfall

Sie war im Nachtdienst, musste zusammen mit einer Ärztin einen Patienten reanimieren. „Als ich den Raum kurz verlassen habe, um Medikamente zu holen, wurde ich von einem Patienten mit Husten angepöbelt, wie lange es noch dauert“, so die junge Frau gegenüber der „Neuen Westfälischen“.

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Als sie ihm erklärte, dass sie sich aktuell um einen lebensbedrohlichen Notfall kümmert, spuckte der Mann ihr vor die Füße und spottete: „Muss man sich also auf den Boden werfen, damit man hier behandelt wird.“

Krankenschwester als „Miststück“ beschimpft

Die zunehmende Aggressivität der Patienten sorgt bei vielen Schwestern für ein Gefühl der Unsicherheit. Eine Frau berichtet gegenüber der „Neuen Westfälischen“: „Ich arbeite als Krankenschwester in der Notaufnahme eines Bielefelder Krankenhauses. Den Nachtdienst besetzen wir allein. Schlafen alle Ärzte, sind nur wir - teilweise junge, zierliche Schwestern - in der Notaufnahme.“

Eine Kollegin sei schon einmal mit einer Schere angegriffen worden und dabei als „Schlampe“ und „Miststück“ beschimpft worden.

Viele Kliniken kennen ähnliche Probleme

Derlei Probleme sind mittlerweile Alltag. Die meisten Kliniken führen keine genaue Statistik über Gewalt und Aggression in den Notaufnahmen. Das Diakonissenkrankenhaus in Karlsruhe aber hat im vergangenen Jahr eine Risikoanalyse durchgeführt. Sie zählten 970 Fälle aggressiven Verhaltens in der Notaufnahme und der Intensivstation, davon 166 Fälle körperlicher Gewalt.

In 42 Fällen wurden Mitarbeiter verletzt. Gründe der Gewalt seien unter anderem „eine ausgeprägte Ich-Bezogenheit der Patienten“, erklärte die Weiterbildungsbeauftragte Barbara Sayer, die gerade zwei Mitarbeiter zu Deeskalationstrainern schulen lässt.

Patienten schätzen Krankheit falsch ein

Denn die Notaufnahmen werden immer voller: Patienten schätzen die Dringlichkeit der Behandlung falsch ein oder wollen nicht auf den Termin beim Facharzt warten. Zur Überfüllung der Wartesäle trägt nach Meinung von Michael Wünning, Sprecher der Leitenden Ärzte der zentralen Notaufnahmen in Hamburg, auch das Internet bei. „Dr. Google findet zu jedem harmlosen Symptom mindestens eine lebensbedrohliche Diagnose“, sagte er.

Und: „Beim jetzigen Arbeitsmarkt kann sich kaum jemand leisten, krank zu sein. Dann geht er lieber um 22 Uhr in die Notaufnahme.“ Es gebe zudem viele Menschen, die ein Hausarztsystem aus ihren Heimatländern nicht kennen. Auch sprachliche und kulturelle Barrieren gehörten zu den Ursachen der Spannungen. Man könne aber aggressiven Patienten nicht einfach einen Hausverweis erteilen. „Wir haben ja einen Versorgungsauftrag.“ (fel/dpa)

 
 

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