Notärzte geben Kindern oft falsche Medikamente

Notärzte geben Kindern nicht selten falsche oder zu viele Medikamente. Das hat fatale Folgen wie Atemlähmung oder Herzstillstand. Ein Drittel der Notfälle von Kindern geht laut Techniker Krankenkasse auf Unfälle zurück, ein weiteres Drittel auf Krampfanfälle und 20 Prozent auf Atemwegserkrankungen.

Düsseldorf. Notärzte geben Kindern aus mangelnder Erfahrung nicht selten die falsche Menge Medikamente. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse kommen falsche Dosierungen dreimal so häufig vor wie bei Erwachsenen. Ein sogenanntes „Notfall-Lineal“ kann die falsche Arzneimitteldosierung bei Kindern vermeiden. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) hält das Lineal als Hilfsmittel im Rettungsdienst für geeignet. Noteinsätze mit Kindern machen zwei Prozent aller Einsätze aus.

Beim „Notfall-Lineal“ kann der Arzt die passende Dosierung für ein bestimmtes Körpergewicht oder Körpergröße ablesen. Notärzte, die bei rund der Hälfte der jungen Patienten vor Ort Medikamente verabreichen müssen, haben häufig nur wenig Kenntnis über die richtige Dosierung. Weil Kinder keine kleinen Erwachsenen sind, denen man im Zweifel die Hälfte eines Medikamentes gibt, haben Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland das „Notfall-Lineal“ flächendeckend eingeführt. NRW will sich nicht auf ein Hilfsmittel festlegen. „Die Nutzung solcher Hilfsmittel wird grundsätzlich befürwortet“, erklärte Steffens in einer Antwort auf eine CDU-Anfrage. Zuständig für den Einsatz seien aber die Rettungsdienstträger. Einzelne Städte nutzen im Rettungswagen ausgehängte Medikamentenlisten.

Nach Angaben des CDU-Gesundheitsexperten Jens Kamieth fehlt Notärzten meist eine spezielle Ausbildung, so dass sie die richtige Dosierung der Medikamente bei Kindern schätzen müssten. „Das kann zu Fehlern in den Behandlungen führen.“ Oft mit fatalen Folgen: Atemlähmung oder Herzstillstand. Ein Drittel der Notfälle von Kindern geht laut Techniker Krankenkasse auf Unfälle zurück, ein weiteres Drittel auf Krampfanfälle und 20 Prozent auf Atemwegserkrankungen.

 
 

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