Not der Roma überfordert Städte

Im Ruhrgebiet.  Mit der Hoffnung auf ein besseres Leben sind in den letzten Jahren Tausende Bulgaren und Rumänen ins Ruhrgebiet geströmt. Lebten 2007 noch 9263 Bulgaren und 13 942 Rumänen an Rhein und Ruhr, waren 2011 laut Statistischem Landesamt 19 350 Menschen aus Bulgarien und 27 628 aus Rumänien registriert.

Ein Großteil der Zuwanderer aus diesen Ländern sind Roma. Sie leben in Bulgarien und Rumänien am Rande der Gesellschaft, häufig in prekären Verhältnissen. Sie haben sich nach Deutschland aufgemacht und sind außer in Berlin und Köln auch in der Dortmunder Nordstadt oder in Duisburg-Hochfeld gelandet. Die Roma wohnen oft in abbruchreifen Häusern unter hygienisch ähnlichen Verhältnissen wie in ihren Herkunftsländern. Allein die Inobhutnahme von 45 Kindern kostete Dortmund 2011 rund eine Million Euro.

Nach einem Bericht der Stadt Duisburg sorgt die Überbelegung der Wohnungen für Ärger bei den Nachbarn und für eine Verwahrlosung der Viertel: Zwischen Januar und September 2012 wurden 1600 wilde Müllkippen beseitigt. „Das hat auch damit zu tun, dass die Zuwanderer nicht ausreichend darüber informiert werden, wie die Müllentsorgung hier funktioniert“, sagte Leyla Özmal, Leiterin des Referats für Integration in Duisburg.

Sie wünscht sich, dass man in NRW ähnlich wie in Berlin gesetzlich gegen die „Matratzenvermietung“ von Wohnraum vorgehen könnte. Dort gelten Wohnungen ab einer bestimmten Belegungszahl nun als Beherbergungsstätte. Strengere Anforderungen könnten so die Vermietung der abbruchreifen Häusern unattraktiv machen.

Ein weiteres Problem für die Kommunen ist die medizinische Versorgung der Zuwanderer. „Laut EU-Vertrag müssten sie alle krankenversichert sein. Viele sind es nicht, bei den anderen ist es unglaublich schwierig, den Versicherungsschutz aus der Heimat zu übertragen“, sagt Dortmunds Sozialdezernentin Birgit Zoerner. Krankenhäuser blieben so auf ihren Rechnungen sitzen.

Für Zoerner wurde der größte Fehler in Brüssel bei den Beitrittsverhandlungen mit Rumänien und Bulgarien gemacht. „Eine Armutswanderung von EU–Bürgern war einfach nicht vorgesehen.“

 
 

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