Niederrheiner Aprikosen profitieren vom Klimawandel

Obstbauer Rudolf Steves (53) freut sich über die üppige Aprikosenernte.
Obstbauer Rudolf Steves (53) freut sich über die üppige Aprikosenernte.
Foto: Lars Heidrich/Funke Foto Services
Die Obstsaison in der Region läuft: Ausgerechnet bei den empfindlichen Steinfrüchten ist die Ernte üppig. Sie könnten vom Klimawandel profitieren.

Kreis Viersen.. Aprikosen? Sind im südlichen Rheinland nichts Besonderes. Unter der Sonne Badens etwa gedeihen sie wunderbar. Am Niederrhein aber, da sind die frostempfindlichen Steinfrüchte Exoten, zumindest bislang. Möglich, dass sich das im Zuge des Klimawandels ändert. Landwirt Rudolf Steves aus St. Tönis jedenfalls freut sich in diesem Sommer über eine sagenhafte Ernte: „So etwas habe ich noch nicht erlebt, ich habe zehn bis 15 % mehr Ertrag als sonst in guten Jahren“, berichtet der 53-Jährige unserer Redaktion.

In der jetzt laufenden Obstsaison (siehe auch Box) sind rheinische Aprikosen ein absolutes Nischenprodukt. Die Anbaufläche ist so gering, dass sie gar nicht genau erfasst wird. Der Rheinische Landwirtschafts-Verband geht von etwa 20 Hektar aus – aber für Aprikosen, Pfirsiche und Nektarinen zusammen. Das Problem: Die frühe Aprikosenblüte fällt im Februar/März im Rheinland oft mit Frösten oder Regen. Und geht die Blüte kaputt, gibts keine Frucht und keine Ernte. So einfach, aber auch so knallhart ist das Obstbauernleben.

Mittlerweile zehn Sorten auf vier Hektar

Ein bisschen mutig war es deshalb schon, als Rudolf Steves im Jahr 2001 gut 40 000 Mark in die Hand nahm und auf zwei Hektar seine Aprikosen setzte. „Eigentlich ist ja ab Koblenz mit dem Aprikosenanbau Schluss“, meint der Landwirt im Gespräch mit der NRZ. Aber er sei immer für Neues offen gewesen, habe auf dem 38-Hektar-Obsthof, den er mit Sohn Mark bewirtschaftet, auch die eigentlich eher in Osteuropa verbreitete Aroniabeere gesetzt. Und das Aprikosen-Experiment ging auf: 2006 folgten die nächsten zwei Hektar.

Jetzt ist Haupterntezeit. Auf den vier Hektar stehen bei Rudolf Steves mittlerweile zehn verschiedene Sorten. Aktuell hängen noch zwei Sorten an Bäumen: „Ich denke, in zwei Wochen sind wir durch“, sagt der Landwirt. Sein Rezept: die Bäume schön groß werden lassen, bis zu sechs Metern, um dem Frost ein Schnippchen zu schlagen. Da es mit dem Wetter in diesem Jahr in Februar und März so gut gepasst hat, fällt die Ernte so üppig aus. Und sollten die Winter künftig häufiger so mild ausfallen....

Aber an den Klimawandel hatte Steves gar nicht gedacht, als er sich damals für Aprikosen entschied. Er habe einfach ein Obst gesucht für die Zeit, in der die Leute schon genug Erdbeeren gegessen, aber das andere Obst noch nicht so da ist, erzählt der Landwirt. Steves verkauft direkt ab Hof. Für den Handel zu produzieren, bringt nichts. Da sind Aprikosen aus dem Ausland, etwa aus dem Mittelmeerraum, billiger.

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel