Zwei-Seen-Route

Am Niederrhein..  Der Tipp kam von ganz oben. Wanderpapst Manuel Andrack ist die Zwei-Seen-Route zwischen Brüggen und Schwalmtal schon gelaufen. Und hat seine Eindrücke in seinem Wanderführer beschrieben: „Das deutsche Wanderinstitut hat diesem Premiumweg mit 52 Punkten von 100 möglichen bewertet, für eine Flachland-Wanderung ein sensationelles Ergebnis.“

Nachdem die ersten Andrack-Jünger die etwas mehr als sechs Kilometer längst hinter sich haben, ist es an der Zeit, auch einmal diesen einen von neun Premiumwanderwegen im Naturpark Schwalm-Nette zu begehen.

Vorweg und ganz ehrlich: Für geübte Geher ist es ein Spaziergang, der in deutlich weniger als zweieinhalb Stunden gemacht ist. Schön ist er aber trotzdem.

Es ist noch früh an diesem Freitagmorgen, am Mühlrather Hof (im Moment: frischer Spargel) ist der Parkplatz, so und auch so, frei. Am nächsten Baum glänzt das blauweiße Schild der Wasser-Wander-Welt und weist den Weg, auf dem ein paar frische Pferdeäpfel liegen. Die erste Entscheidung des Tages: Anders als bei Herrn Andrack geht es heute gegen den Uhrzeigersinn herum – beginnend auf der anderen Straßenseite.

Von der Mühlrather Mühle (Biergarten, Tretbootverleih, Fischzucht, Wildhandel) führt der Weg an das Ufer des bekannten wie beliebten Hariksees. Bunte Holzferienhäuser dösen in der Morgendämmerung und lassen erahnen, dass es hier auch im Sommer schön ist und voll wird.

Für einige hundert Meter geht es nun über Asphalt. In der Bewertung eines Premiumwanderweges führt so etwas zu Recht zu gnadenlosem Punktabzug, doch jenseits der L372 wird der Weg sofort waldiger – und schmiegt sich eng an die Schwalm, einem der Namensgeber des Naturparkes, den es seit nunmehr 50 Jahren gibt.

Über Brücken, Stöcke und Steinchen geht es schnurstraks mitten hinein ins Naturschutzgebiet Tantelbruch. Die Strecke kurvt durch einen urig wirkenden Eichen-, Buchen- Erlen- und Eschenwald. Vogelgezwitscher ist zu hören, ob darunter der Gartenrotschwanz ist, der Vogel des Jahres 2011, der hier leben soll – keine Ahnung.

An einer T-Kreuzung wird klar, warum die Zwei-Seen-Route Zwei-Seen-Route heißt: Der Borner See ist in Sicht. Und mit ihm auf der anderen Seite die Kirche Sankt Peter in Born, 1136 erstmals urkundlich erwähnt, und laut Schild von 9 bis 18 Uhr geöffnet – bloß heute ist die Kirchentüre zu. Tja.

Ein paar Meter weiter liegt eine Kuriosität im Grünen: ein Stück Gleis der Eisenbahnstrecke von Brüggen nach Dülken, die 1975 stillgelegt wurde.

Nostalgie umweht auch die Borner Mühle, eine von dichtem Efeu umrankte Wassermühle, deren Holzrad einsam in der Schwalm ihre Runden dreht.

Dann das: Trotz der eigentlich vorbildlichen Ausschilderung waren die letzten 500 Meter zuviel. Vielleicht lag es an dem toten Maulwurf, der an der Weggabelung lag – und etwas irritierte. Zurück zur Kreuzung, aufs eigentlich unübersehbare Wanderschild geguckt – weiter gehts. Vorbei am Laarer See, der aber vor Ort nicht zu sehen ist, sondern nur später bei Google Maps – ansonsten wäre dies ja auch die Drei-Seen-Route.

Zwischen Äckern und Wiesen geht es zu einem zweiten, zum Glück nur sehr kurzem Stück Asphalt. Danach wird es schotterig und sandig unter den Wanderschuhen, bis plötzlich ein riesiger abgestorbener Baum auftaucht. Der kahle Asten vom Niederrhein weist in Richtung der Zielgeraden, die durch ein Wäldchen zurück zum Parkplatz führt, wo es noch immer frischen Spargel gibt.

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