Zum Wohl: Auf Kleve!

Ingo Plaschke
Jürgen Roth, Barbara Jacobs, Mecky Janßen und Bruno Schmitz (v.l.), das Turm-Team.
Jürgen Roth, Barbara Jacobs, Mecky Janßen und Bruno Schmitz (v.l.), das Turm-Team.
Foto: WAZ FotoPool
Bruno Schmitz, Mitgründer der Kölner Stunksitzung, möchte den Aussichtsturm wieder zu einem Höhepunkt in der Kulturlandschaft machen. Mit drei Freunden serviert er nicht bloß leichte Kost

Kleve.  Wer schon immer mal wissen wollte, was Bruno Schmitz, Mitgründer der legendären Kölner Stunksitzung, am Elftenelften um Elfuhrelf macht, dem sei verraten: Der Mann ist zu Hause und steht unter der Dusche.

Woher wir das wissen? Nun ja, wir waren verabredet, am 11.11. um 11.11 Uhr, Spaß muss sein. Doch Herr Schmitz hatte den Termin um fünf Stunden nach hinten verschoben, wir aber hatten dies vergessen – und standen, pünktlich zum Hoppeditzerwachen, vor seiner Haustüre. Nach zweimaligem Klingeln öffnete er tatsächlich, überraschend schick in einem weißen Bademantel mit Stunksitzungs-Emblem. „Kein Problem, ich bin gleich fertig“, meinte er spontan – und saß keine zehn Minuten später am Küchentisch.

Ein Glücksfall

Warum wir das an dieser Stelle so breittreten? Weil es drei Dinge über Bruno Schmitz aussagt:

Der Mann ist ein Anti-Karnevalist. „Ich hasse den traditionellen Karneval. Ich hasse den organisierten Frohsinn.“

Der Mann ist ein Vollprofi. Seit 1984 macht er Session für Session Stunk – mit einer einzigen Ausnahme, dazu gleich mehr. Besonders gerne tritt er als Joachim Kardinal Meisner auf, ebenso sorgte er 2011 als Bischof Walter Mixa bundesweit für Schlagzeilen.

Der Mann ist ein Glücksfall für Kleve. Hier wurde er geboren, hier wuchs er auf, „an der Merowingerstraße“, hier lebt er noch heute, zumindest teilweise, ansonsten in der Südstadt von Köln. Und hier pflegt er eine Art von Kultur, die dem flachen Land sehr gut tut.

Er betreibt das Kulturbüro Niederrhein, ist Vorsitzender des Kleinkunstvereins Cinque. Vor allem dank seiner Kontakte verirren sich Konrad Beikircher, Thomas Freitag und andere Größen der Szene regelmäßig nach Kleve und Umgebung.

Nun möchte der Kulturunternehmer einen weiteren Höhepunkt in seiner Heimat setzen: Die Wiederbelebung des Aussichtsturmes auf dem Kleverberg.

Um das klarzustellen: Für den 15 Meter hohen Turm, der auf dem 106 Meter hohen Berg steht, und der bis Frühjahr 2014 saniert werden soll, ist die Stadt zuständig.

Um das nebenstehende Lokal kümmert sich Bruno Schmitz, der dafür in der vergangenen Session eine Pause von der Stunksitzung machte. Zum Turm-Team gehören auch drei Freunde: Barbara Jacobs, Mecky Janßen und Jürgen Roth. Die gleichberechtigte Vierer-Bande hat viel Geld und Zeit in den Umbau des ehemaligen Restaurants „Il Nido“ gesteckt, das ältere Klever noch als „Café Hemdhoch“ kennen.

Auf den Tag genau am 121. Geburtstag wurde die Restauration „Zum Aussichtsturm“ wiedereröffnet. Motto: Kleine Speisen, feine Weine. Große Fenster, eine offene Küche und stilvolles Interieur zeugen vom großstädtischen Geschmack. „Wir sind keine gewöhnliche Gastronomie“, betont Bruno Schmitz, der seinen bekannten Kopf für die Werbung hinhält. Geöffnet ist bisher nur donnerstags und freitags, nächstes Jahr sollen die Wochenenden hinzukommen.

Schon jetzt stehen Sing- und Tanzabende und Kochduelle auf dem Programm. Aber auch Themenabende wie „Abseits der täglichen Nachrichten“, an dem die Kriegsreporterin Ursula Meissner von ihrer Arbeit berichtete. Es ist also nicht nur leichte Kost, die hier serviert wird.