Wo Hengst Henk vor dem Laden parkt

Jerome streichelt den Haflinger Henk. Foto: Bernd Lauter / WAZ FotoPool
Jerome streichelt den Haflinger Henk. Foto: Bernd Lauter / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Geldern. Die Caritas hat einen Reiterhof mit sechs Therapiepferden, einer Reitschule mit integrativem Unterricht und Pferdepension am Nierspark in Geldern gepachtet, um Menschen mit Behinderung das Reiten zu ermöglichen.

Nee. Donnerstags hat der Ring-Laden geschlossen. Da geht Dean keinen Kompromiss ein. Mit beiden Händen in die Hüfte gestemmt, steht der kleine Ring-Verkäufer aus der Integrativen Kindertagesstätte „Arche Noah“ in Issum in seinem „Laden“ inmitten der Halle des Reiterhofes am Nierspark in Geldern. Vor der „Tür“ geparkt hat Haflinger Henk. Auf seinem Rücken trägt er liebevoll Nico und Jerome, die nur allzu gerne die Plastikringe fürs Kegelspiel vom Pferderücken aus „gekauft“ hätten. Denn um die Ringe geschickt über die Kegel zu werfen, muss man sich da oben schon ein bisschen bewegen – und das tut gut.

Bedarf steigt stetig

Zwar ahnen die drei Arche-Noah-Kids unter ihren Reitkappen noch nichts von dem, was hinter diesem Projekt steckt, gut finden sie es aber allemal. Denn den Reiterhof am Nierspark hat der Caritasverband Geldern-Kevelaer für kleine und große Menschen, mit und ohne Beeinträchtigungen jeglicher Art, Hyperaktivität, emotionalen Auffälligkeiten oder Konzentrationsstörungen gepachtet. Seit November vergangenen Jahres stehen sechs Therapie-Pferde und ebenso viele Therapeuten nebst etlichen (ehrenamtlichen) Helfern dort in den Startlöchern: Therapeutisches Reiten, Reitschule mit integrativem Unterricht und Pferdepension sind hier unter einem Dach zuhause.

Seit mehr als zehn Jahren bietet die Gelderner Caritas die Möglichkeit des Therapeutischen Reitens für Kinder und Erwachsene mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen. „Der Bedarf steigt stetig“, erklärt Caritas-Pressesprecher Tobias Kleinebrahm, „weshalb die Kapazitäten auf dem Vorgänger-Hof bald ausgereizt waren.“ Um den Angeboten noch mehr Raum zu geben, ist das Team vor wenigen Monaten dann in die ehemalige Reithalle „St. Georg“ unter dem Namen „Reiterhof am Nierspark“ eingezogen. Vor Ort kümmert sich Teresa Frank um Reitschule und Pferdepension, während Reitpädagogin Birgit Lennartz die Abteilung des Therapeutischen Reitens leitet.

Gemeinsam mit ihren Therapeuten-Kollegen stellt sie die Therapien individuell auf heilpädagogische, physio- oder ergotherapeutische Basis. Das Besondere: „Wir bieten auch Integrativen Reitunterricht in einer gemischten Gruppe an“, schildert Lennartz. Sobald sich also ein beeinträchtigter Reitschüler aus dem Therapieunterricht weit genug entwickelt hat, wird er in die gewöhnliche Reitstunde integriert – „das Prinzip funktioniert wie in einer Integrativen Kita“, erläutert Kleinebrahm. Gemeinsam erlernen Kinder und Erwachsene Begegnung miteinander und den Umgang mit dem Pferd.

Mehr Selbstvertrauen

Dieser wiederum bringe vor allem den Kindern mit Beeinträchtigungen eine ganze Menge: Mehr Selbstvertrauen, verbesserte Bewegungsabläufe und positive Verhaltensänderungen können die Therapeuten immer wieder feststellen. „Für das Pferd sind die Kinder bereit, negative Verhaltensweisen aufzugeben“, so Lennartz, „damit das Pferd nicht stolpert, räumen sie in der Reithalle auf – was sie sonst nicht getan hätten.“ 80 Kinder, Jugendliche und Erwachsene nehmen derzeit am Therapeutischen Reiten auf dem Hof am Nierspark teil. Caritasverband, Eigenanteile, Sponsoren, Spenden, ein Förderverein und teilweise auch die Krankenkassen sorgen dafür, dass das möglich ist.

Übrigens, Dean hat sich inzwischen überreden lassen: Der Ruhetag des Ladens hat eine Ausnahme gemacht. Henk zieht mit seinen beiden Reitern und einem Korb voller Ringen zur Kegel-Spielstation weiter – cooler geht’s nicht für ein Pferd.

 
 

EURE FAVORITEN