Wie Diedonné wieder gesund wurde

Foto: Heike Waldor-Schäfer
Die Geschichte des Jungen aus dem westafrikanischen Gohomey zeigt, wie wertvoll die Hilfe der Aktion pro Humanität aus Kevelaer ist. Neuer OP-Container ist in Sicht.

Kevelaer.  Seit 20 Jahren engagiert sich die Aktion pro Humanität (APH) in Benin, Westafrika. Das Krankenhaus der niederrheinischen Hilfsorganisation im westafrikanischen Busch behandelt jährlich 20 000 Menschen. 50 beninische Mitarbeiter arbeiten für die Aktion pro Humanität. In wenigen Wochen wird ein OP-Container über den Seeweg nach Benin gebracht, um im Buschkrankenhaus in Gohomey eingesetzt zu werden.

Diese Geschichte begann an Weihnachten vor einem Jahr – und sie ist auch die Geschichte des Jungen Dieudonné. Dr. Elke Kleuren-Schryvers, Ärztin und APH-Vorsitzende, erinnert sich:

„Dieudonné war im Sommer vor einigen Jahren einer unserer jüngeren Patienten im Krankenhaus in Gohomey. Er war stark abgemagert, vielleicht 14 Jahre alt, und ich sah ihn mit seinen großen Augen und dem Anflug eines versuchten Lächelns in seinem Bett liegen. Unser medizinisches Team hatte versucht, ihn mit flüssiger Kost und Infusionen am Leben zu erhalten.

Vater gestorben, Mutter weg

Sein Vater war zwölf Jahre zuvor verstorben, seine Mutter mit einem anderen Mann außer Landes. Dieudonné lebte bei seiner Großmutter in Dogbo, das etwa acht Kilometer entfernt von unserer Krankenstation liegt. Fünf Jahre lang hatte die Großmutter es geschafft, den Jungen zu ernähren und in die Schule zu schicken. Doch dann konnte sie das Geld nicht mehr erwirtschaften. Dieudonné musste helfen und wurde selbst zum Ernährer der kleinen Familie. Er verkaufte Petroleum auf dem Markt.

Doch er konnte immer schlechter essen, erbrach sich oft, nahm an Gewicht ab. Die Großmutter sah den Verfall ihres Enkels und trieb irgendwie das Geld für eine Vorstellung im Zonen-Krankenhaus auf. Dort wurde der Magen geröntgt und eine Verengung des Magenausgangs festgestellt. Eine Operation war erforderlich. Kosten: 40 000 – 50 000 CFA. Das sind etwa 60 bis 75 Euro. Es war schlichtweg unmöglich für die Großmutter, dieses Geld aufzubringen.

Marktleute empfehlen Krankenhaus

So schleppte sich der tapfere Junge weiter zum Markt, um Petroleum zu verkaufen. Doch auch die Marktleute sahen seine Situation und empfahlen ihm, in das Krankenhaus der Jovos, der Weißen, zu gehen, weil man dort Hilfe finden könnte. So kam er zu uns, ganz allein, und bat unseren Arzt um Hilfe. Unser Sozialarbeiter recherchierte die Situation der Familie. Die Operation wurde geplant.

Dieser Junge, der sich durch seine bescheidene und tapfere Art einen Platz in unseren Herzen erobert hatte, packte sein kleines Bündel an Habseligkeiten in einen alten Karton und fuhr mit uns los. Die Angst machte sich breit in ihm, als wir Gohomey verließen. In der Fremde wurde er operiert. Wir blieben, so gut es ging, an seiner Seite.

Dieudonné schafft seine Operation, wird gesund. Er gewinnt sein strahlendes Lachen zurück.

Wir sehen ihn einige Jahre später wieder. Er geht mittels des Schülerhilfe-Projektes der Aktion pro Humanität wieder zur Schule, besucht das College, ist einer der besten Schüler dort. Sein Raum in der kleinen Lehmhütte der Großmutter ist blitzeblank gefegt, alles hat seine Ordnung.

In Gedanken über diese Geschichte kommt mir das Telefonat mit dem Klever Unternehmer Bernd Zevens am Heiligen Abend 2014 in Erinnerung. „Es kann nicht angehen, dass die Menschen in Benin Jahre darauf warten müssen. Ich werde Euch diesen OP-Container schenken“, sagte er.

In dieser Woche nun erreichte uns die Nachricht, dass der Operations-Container inklusive des Material-Containers mit Röntgenanlage und Generator in wenigen Tagen fertiggestellt sein wird. Im 20. Jahr des Bestehens der Busch-Krankenstation, die mehrheitlich von den Menschen am Niederrhein errichtet wurde und unterhalten wird, wird es einen Quantensprung geben. Und Dieudonné, der tapfere Junge, müsste nicht mehr kilometerweit in eine andere Stadt gebracht und weit weg von zuhause operiert werden.“

 
 

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